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TV-SenderRTL Deutschland streicht 600 Stellen im Konzern

Betriebsbedingte Kündigungen will RTL-Deutschlandchef Schmitter vermeiden. Er setzt auf das Streaminggeschäft – und will für eigene Inhalte weiterhin Milliarden investieren.Anna Westkämper 02.12.2025 - 10:20 Uhr Artikel anhören
Stellenabbau bei RTL: Reaktion auf weggebrochene Einnahmen. Foto: dpa

Köln. RTL Deutschland streicht etwa 600 Stellen. Das hat der Kölner Sender am Dienstagmorgen bekannt gegeben. RTL reagiert demnach auf eingebrochene Werbeeinnahmen und den Wandel im Mediengeschäft vom linearen TV hin zu Streamingangeboten.

RTL-Deutschlandchef Stephan Schmitter plant nun, den Sender umzubauen. „Um langfristig erfolgreich und wettbewerbsfähig zu bleiben, richten wir RTL Deutschland noch konsequenter auf das Streaminggeschäft aus“, sagte er. Zuvor hatte die „Wirtschaftswoche“ über einen großen Stellenabbau bei dem zum Medienkonzern Bertelsmann gehörenden Unternehmen berichtet. Die RTL-Aktie fiel nach der Ankündigung am Dienstagvormittag um etwa zwei Prozent.

Insgesamt beschäftigt RTL in Deutschland etwa 7500 Angestellte, darunter etwa 1700 Journalistinnen und Journalisten. Der Sender verkleinert seine Belegschaft somit um acht Prozent. Die Stellen sollen „in allen Firmenbereichen“ abgebaut werden. Die Maßnahmen werden „so sozialverträglich wie möglich im Rahmen eines speziellen Abfindungsprogramms und mit Altersteilzeit geregelt“, heißt es.

Mit durchschnittlich 42 Jahren hat RTL eine verhältnismäßig junge Belegschaft. Wie viele Angestellte für die Altersteilzeitoption infrage kommen, teilte RTL nicht mit. Betriebsbedingte Kündigungen sollen „möglichst“ vermieden werden.

Wie das Handelsblatt erfuhr, soll bis zum 7. Januar 2026 feststehen, welche Angestellten der Stellenabbau betrifft. Bis dahin werde niemand angesprochen. Vom Abbau sind RTL zufolge sowohl Vollzeit- als auch Teilzeitkräfte betroffen, an allen Standorten von RTL Deutschland. Das sind neben Köln unter anderem Berlin und Hamburg.

Wirtschaftlicher Kontext und Streaming-Fokus

Der umfassende Stellenabbau bei RTL hatte sich in den vergangenen Wochen bereits angekündigt. Als Sparmaßnahme war zuvor die Weihnachtsfeier für die Beschäftigten abgesagt worden, Reisekostenbudgets wurden eingefroren.

TV-Gruppe

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Die anhaltende Rezession belastet die TV-Werbemärkte und damit die wichtigste Einnahmequelle im linearen TV-Geschäft. Aus den aktuellen Quartalszahlen der gesamten RTL-Gruppe, die auch Sender in Frankreich oder Ungarn umfasst, geht hervor, dass der TV-Werbeumsatz in den ersten drei Quartalen 2025 um 119 Millionen Euro niedriger ausfiel als im Vergleichszeitraum 2024. Das entspricht einem Rückgang von etwa siebeneinhalb Prozent. Seit 2019 sind die TV-Werbeumsätze laut RTL um mehr als 20 Prozent gesunken.

„Durch die Maßnahmen werden wir einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in den Personalkosten einsparen“, sagte Schmitter der Deutschen Presse-Agentur. „Aber viel wichtiger wird es sein, die Organisation konsequent auf die großen Veränderungen im Medienmarkt auszurichten und auf den Wettbewerb mit den US-amerikanischen Streamingdiensten zu fokussieren.“

Zwischen 2020 und 2025 ist der Bestand an Abonnenten beim eigenen Streaminganbieter RTL+ von etwa 800.000 auf mehr als sechseinhalb Millionen gestiegen. RTL+ soll bis Ende 2026 profitabel werden. Bis Ende 2026 sollen die Streamingdienste der RTL-Gruppe rund 750 Millionen Euro Umsatz machen.

Sky-Übernahme soll Synergien von 250 Millionen Euro bringen

„Mit dem dynamischen Wachstum von RTL+ und der geplanten Übernahme von Sky haben wir eine starke Basis für künftigen Erfolg“, sagte Schmitter. RTL erwartet die Freigabe für die Übernahme von Sky Deutschland von den Kartellbehörden im ersten Halbjahr 2026 und verspricht sich laut Quartalsbericht hiervon „Synergien in Höhe von 250 Millionen Euro“.

Die digitalen Werbeumsätze sind im ersten Dreivierteljahr 2025 zwar um über 30 Prozent zum Vorjahreszeitraum gestiegen, können die TV-Werbeumsätze aber bisher nicht ansatzweise kompensieren.

In die eigenen Inhalte will RTL weiterhin jedes Jahr mehr als eine Milliarde Euro investieren. Die Budgets sollen aber „zugunsten hochwertiger Streaminginhalte umverteilt werden“, sagte Schmitter der dpa. Auch redaktionell ergeben sich daraus andere Strukturen. „Zurzeit sind einzelne Content-Teams für den jeweiligen Inhalt auf einem TV-Kanal verantwortlich. Diese Teams werden wir zusammenlegen, damit sie dann gemeinsam den besten Inhalt für RTL+ in jedem Genre produzieren“, sagte Schmitter.

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RTL Deutschland gehört zur internationalen RTL Group, Europas größter kommerzieller Sendergruppe. In Deutschland betreibt das Unternehmen neben RTL etwa N-TV und Vox sowie den Streamingdienst RTL+.

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