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Friedhelm Loh: Familienunternehmer und Investor. Foto: Loh Gruppe [M]

Friedhelm LohDer Mutmacher und Sozial-Unternehmer

Der Familienunternehmer Friedhelm Loh prägt seine Region. Er formt einen Familienkonzern mit mehr als drei Milliarden Euro Umsatz. Bekannt wird er aber wegen einer anderen Leidenschaft.Anja Müller 14.01.2026 - 22:00 Uhr Artikel anhören

Haiger. Haiger, Herborn, Rittershausen, Dietzhölztal – Mittelhessen ist Friedhelm-Loh-Land. Unternehmer kennen ihn seit mehr als 50 Jahren als Macher und Möglichmacher. Die Region kennt ihn ebenso lange als Arbeitgeber von inzwischen mehr als 12.600 Beschäftigten.

Die meisten von ihnen arbeiten für den Schaltschrankhersteller Rittal, das größte Unternehmen der Friedhelm Loh Group. Der Umsatz der gesamten Gruppe mit 95 Unternehmen und 13 Produktionsstätten auf allen Kontinenten liegt bei 3,2 Milliarden Euro. Seit gut zehn Jahren ist Friedhelm Loh auch als Investor bekannt, zum Beispiel beim Roboterhersteller Kuka und noch immer mit 41 Prozent beim Stahlhändler Klöckner, der sich gerade in Gesprächen über einen Verkauf befindet.

Doch seit zwei Jahren wird Friedhelm Loh auch solchen Menschen immer bekannter, die nicht mit oder für ihn arbeiten, sondern eine typisch deutsche Leidenschaft mit ihm teilen: Automobile. Daraus entsteht nun ein weiteres Geschäftsmodell für die Region. Es ist das Finale eines außergewöhnlichen Unternehmerlebens.

Bete und arbeite

Friedhelm Loh wird 1946 als zweites von drei Kindern in die Unternehmerfamilie Loh hineingeboren. Seine Eltern Irene und Rudolf gehören zur Freien evangelischen Kirche. Der christliche Glaube wird in Lohs Elternhaus gelebt, er wird auch ein fester Teil im Leben von Friedhelm Loh. Bis heute hält er morgens mit seiner Frau Debora eine Andacht. Beten, so sagt er, kann er überall und zu jeder Tageszeit. Es hilft ihm beim Entscheiden, Ertragen, Ermächtigen.

Schon als Kind interessiert sich Friedhelm Loh für Technik, für die Schule weniger. Er macht eine Ausbildung zum Starkstromelektriker. Seit vielen Jahren sieht er seinen Weg als Mutmacher für junge Menschen: „Auch aus schlechten Schülern können erfolgreiche Unternehmer werden.“

Und Loh fördert seit Jahrzehnten junge, wissbegierige Menschen, gibt aber auch älteren die Chance auf eine Ausbildung. Sein Credo: Bildung macht den Unterschied. „Ich musste nachsitzen“, sagt er. Handelsschule in Garmisch-Partenkirchen, praktische Betriebswirtschaftslehre in Radolfzell, heute trägt er die Ehrendoktorwürde, darf sich Professor nennen und ermöglicht über seine zahlreichen Stiftungen Bildung für jene, die sich für christliche Werte oder Technik interessieren. Der Satz, der ihn treibt: „Ich liebe die Zukunft.“

Geflüchtete in der Ausbildung bei Rittal: Loh fördert wissbegierige Menschen. Foto: dpa

Als sein Vater Rudolf 1971 mit 57 Jahren viel zu früh stirbt, werden die Söhne Joachim und Friedhelm Gesellschafter, doch Friedhelm entscheidet sich für ein Traineeprogramm bei einem Hersteller für Installationsmaterial, bevor er 1974 in die Geschäftsführung der Firmengruppe einsteigt und fortan Rittal führt. Mit der Firma Hailo hat Vater Rudolf 1947 die Herstellung von Leitern und Bügelbrettern standardisiert, mit Rittal versucht er es ab 1961 mit dem Investitionsgut Schaltschränke.

Um stets neue Ideen für seine Produkte zu entwickeln, hatte sich Rudolf Loh eine erfolgreiche Methode überlegt: Kein Besucher oder Mitarbeiter sollte das Unternehmen verlassen, ohne eine Idee zu hinterlassen. Und so klagte ein Elektro-Großhandelsvertreter 1961 darüber, dass nach der Fertigstellung einer Schaltung der Bau von Schaltschränken nach Maß beim Schlosser vor Ort oft Wochen brauche.

Rudolf Loh lässt daraufhin die ersten Schaltschränke in Serie fertigen, schickt einen jungen Mitarbeiter los, der es später bis zum Rittal-Chef bringt, diese zu verkaufen. Die ersten 30 verkaufte dieser direkt an einen Großkesselbauer. Vater Rudolf lässt nun gleich 300 fertigen und legt sie auf Lager. Die große Lieferfähigkeit bei Rittal hat sich über Jahrzehnte bewährt, besonders in der Pandemie.

In Deutschland fehlt es ihm an Mut und Demut

Als Friedhelm Loh mit 28 Jahren in das Unternehmen einsteigt, hat Rittal 200 Beschäftigte. Seine Technikleidenschaft treibt ihn als Unternehmer an. Um die Schaltschränke herum baut Loh ein System von patentierten Lösungen: Rittal wird ein führender Systemanbieter für Gehäuse- und Schaltschranktechnik, Stromverteilungssysteme, System-Klimatisierung, IT-Infrastruktur sowie Software und Services. Von den rund 2000 Patenten in der Gruppe hält Loh einige selbst.

Seit 1989 agieren die Unternehmen Hailo und Rittal getrennt und die Friedhelm Loh Group entsteht mit Rittal als Nukleus.

2010 erhält er die Dieselmedaille für seine unternehmerische Innovationskraft. Die zeigt sich auch darin, dass Loh früh auf Software setzt, aus dem Start-up Eplan ist heute ein Marktführer mit 1500 Beschäftigten entstanden.

Die bislang schwerste Krise für seine Firmengruppe erlebt Loh 2008/09 während der Finanz- und Wirtschaftskrise. Der Umsatz bricht um 600 Millionen Euro ein. Kosten senken, Kurzarbeit, Innovationen anheizen und ein Sonderbudget für Marketing bringen die Wende – „ohne große Entlassungswellen“, betont Loh. Er spürt die Verantwortung für die Beschäftigten und deren Familien – damals wie heute.

In Lösungen denken, Chancen nutzen, lautet seine Devise. Seit 1997 ist das Unternehmen in Indien, seit 2004 in China aktiv und inzwischen auf allen Kontinenten. Blickt Loh hingegen auf Deutschland, fehlt es ihm in Politik und Unternehmen aktuell an „Mut und Demut“.

Der heute 79-Jährige sagt: „Es geht nichts ohne Mut. Man muss über sein letztes Wissen hinaus auch mal einen Schritt weiter – in ein Risiko – gehen, sonst wird man nicht erfolgreich sein.“

Als der Elektrokonzern Philips sein Werk in Herborn aufgibt, traut sich Loh etwas. Er kauft das Werk, das für seine 400 Beschäftigten damals viel zu groß ist, weil es für 1000 Angestellte ausgelegt ist. Loh weiß, dass seine Umgebung ihn für ein wenig größenwahnsinnig hält, doch heute sagt er: „Das hat uns ermöglicht zu wachsen, ohne neu zu bauen.“

Eine Beteiligung an Kuka wird plötzlich politisch

Seine größte Einzelinvestition mit rund 300 Millionen Euro tätigt Loh aber in Haiger, am Sitz der Unternehmensgruppe. 2025 wurde das Werk dort zur „Fabrik des Jahres“ gekürt. Das Geld dafür brachte ihm auch ein Geschäft ein, das 2016 viele Schlagzeilen machte und das er gar nicht so gern getätigt hat.

Loh hatte sich über seine Investmentgesellschaft Swoctem an dem Roboterhersteller Kuka mit zehn Prozent beteiligt. Der Papiermaschinenhersteller Voith hält zu der Zeit 25,1 Prozent an Kuka. Lohs Interesse sei aber gar nicht finanzieller Natur gewesen, sagt er damals. „Ich wollte vor allem eines: von unseren Kunden lernen“, sagt er noch heute. Doch 2016 bietet der chinesische Hausgerätehersteller Midea 4,6 Milliarden Euro für Kuka.

Herr Loh beschönigt nichts und sagt es ehrlich, wenn es schwierig wird.
Wolfgang Fritz
Betriebsratsvorsitzender Rittal

Soll der Roboterhersteller tatsächlich in chinesische Hände übergeben werden? Loh hat nicht die Mittel, das Unternehmen selbst zu übernehmen – auch gemeinsam mit Voith nicht. Die Politik hält sich raus. Schließlich verkaufen Voith und Loh ihre Anteile an Midea. Aus dem Investment von 170 Millionen bekommt Loh schließlich deutlich mehr als 400 Millionen Euro – und investiert diese in seine Heimat.

Innovation kann und darf auch scheitern

„Ein Unternehmen, das aus seinen Fehlentscheidungen nicht lernt, ist nicht innovativ“, lautet Lohs Überzeugung. So hatte er einmal die Idee, mit einer Aluminiumbeschichtung Autos leichter zu machen. Er stellte die neue Technologie den großen Autoherstellern vor, die sich zunächst begeistert gezeigt hätten, erinnert er sich. Doch dann bekommt Deutschland die Autokrise und die Abnehmer andere Sorgen.

Ganz früh engagiert sich Loh auch für Gaia X. Eine große Idee, eine europäische Dateninfrastruktur als Gegenentwurf zu den US-Cloudanbietern. Doch Gaia X fliegt bis heute nicht. Die Beharrungstendenzen seien zu groß, die Ambitionen zu klein gewesen, urteilt Loh.

Doch mit Mut und Risikofreude allein wäre Lohs Erfolgsrezept nur halb umschrieben. Es lautet vielmehr: „Mut und Demut“. Demut vor den Menschen. Demut vor Gott. Und Demut vor der Verantwortung für viele Tausend Beschäftigte, in der Region und weltweit. „Ich habe von meiner Familie ein Unternehmen bekommen. Meine Aufgabe ist es daher, den Menschen und der Gesellschaft zu dienen.“

Familienunternehmer

„Umverteilung wird vor das Leistungsprinzip gestellt“

Und das gilt explizit auch in schlechten Zeiten, betont der Unternehmer. Rittal-Betriebsratschef Wolfgang Fritz sieht das Klartext-Reden von Loh als Vorteil, auch für die Beschäftigten. „Herr Loh beschönigt nichts und sagt es ehrlich, wenn es schwierig wird.“

In jedem Jahr besucht der Unternehmer die letzten Betriebsversammlungen des Jahres an den einzelnen Standorten, so auch im Dezember 2025. Seine Botschaft: „Es wird nicht einfach.“ Deutschland erlebe einen Substanz- und Arbeitsplatzverlust. „Wir müssen uns der chinesischen Konkurrenz stellen, wenn wir ein Industrieland bleiben wollen.“

Aktuell sorgt sich Loh um den Maschinenbau, die Branche ist der größte Kunde des Schaltschrankherstellers. „Der Rückgang der Aufträge trifft Rittal eins zu eins.“

Dankbarkeit statt Stolz

Friedhelm Loh könnte stolz sein auf seine unternehmerischen Erfolge, aber er ist lieber „dankbar“. Der wichtige Unterschied: Dankbarkeit setzt voraus, dass man weiß, dass man auch als Unternehmer Menschen braucht, die mit ihm voranmarschieren und für die er sich verantwortlich fühlt. Was das bedeutet, weiß Betriebsratschef Fritz: „Er will wissen, wenn es jemandem schlecht geht, und dann will er auch helfen, Lösungen finden.“

Eine salomonische Lösung hat die Unternehmerfamilie Loh gefunden. Die drei Kinder gehen alle ihre eigenen Wege außerhalb der Firmengruppe und lassen dem Vater die Bühne. Die Unternehmensgruppe ist inzwischen eine Familienstiftung und der Stiftungsrat ist prominent besetzt. Die nächste Generation hat ein Stiftungsratsmitglied, das ihre Interessen vertritt. „Wir sind eine Familie mit total unterschiedlichen Typen und Interessen“, sagt Loh. „Und wir haben es geschafft, als Familie zusammenzubleiben.“

Friedhelm Loh: Aus Leidenschaften Geschäftsmodelle formen. Foto: Ricardo Wiesinger

Dankbarkeit drückt der Unternehmer auch durch sein Handeln aus: Er spendet jedes Jahr zehn Prozent seines Einkommens und zehn Prozent seiner Zeit, was er manchmal als schwerer empfindet. Dankbarkeit treibt ihn, Verantwortung zu übernehmen – auch außerhalb der Firmengruppe. Dazu zählten auch der Aufbau der Stiftung Christliche Medien, die er schon vor der Gründung der Stiftung im Ehrenamt mehr als 36 Jahre führt.

Auch ist Loh der am längsten amtierende Präsident des Zentralverbands der Elektro- und Digitalindustrie (ZVEI). Von 2006 bis 2014 baute er an der Zukunftsfähigkeit des Verbands, der in die Jahre gekommen war, erinnert sich Präsidiumsmitglied Walter Mennekes, der die gleichnamige Elektro-Firmengruppe 48 Jahre führte.

Normalerweise scheide man in diesem zeitaufwendigen Ehrenamt nach zwei, drei Jahren aus. „Wir hatten ihm eine Verlängerung angetragen“, erinnert sich Mennekes: „Wir brauchten jemanden, der den Verband zukunftsfähig macht, unternehmerisch denkt und der Verantwortung für die Branche tragen kann.“ Loh habe geliefert. Zum Abschied bekommt  Loh einen vergrößerten Fingerabdruck auf Kupfer, erschlichen an einem Wasserglas. Er habe Spuren hinterlassen, heißt es über den seitdem amtierenden Ehrenpräsidenten des ZVEI.

Lernen statt Lifestyle

Ein guter Unternehmer zu sein, beinhaltet für Loh auch Lernbereitschaft. Die Dinge bis ins Letzte zu verstehen, ist sein Antrieb. Darum investiert Loh in spannende Unternehmen, aber auch in seine Autosammlung. Sie scheint nicht so recht ins Bild des christlichen Unternehmers zu passen. Aber: Sie zeigt, dass aus Visionen, die im zarten Alter von zehn Jahren entstehen, etwas Großes werden kann. Damals begeistert ihn ein Mercedes 190 SL. Und der Fahrer des Fahrzeugs, das einem Freund seines Vaters gehörte, habe alle Mühe gehabt, den Jungen von dem Sportwagen fernzuhalten. Eines Tages, so wünscht es sich der junge Friedhelm, will er auch einen solchen Mercedes besitzen.

Nationales Automuseum The Loh Collection: Mehr als 150 Fahrzeuge, die Geschichte geschrieben haben. Foto: Nationales Automuseum, The Loh Collection

In den 1980ern ist es dann so weit – und wird zur großen Enttäuschung. Loh verkauft den Mercedes wieder, aber die Leidenschaft für Autos bleibt. Loh will seitdem verstehen, wer mit und wer gegen den Strom Rennwagen und Karossen entwickelt, welche Modelle sich durchsetzen und welche nicht. So entsteht die Loh Collection, eine einmalige Sammlung von Oldtimern und Sportwagen, die wie Matchbox-Autos in einem Setzkasten stehen, darunter viele Unikate.

Seit Anfang 2024 teilt er seine Leidenschaft mit Auto-Enthusiasten und eröffnet das Nationale Automuseum in Dietzhölztal. Das Gebäude gehörte mal einem Hersteller von Großkesseln. Heute stehen dort mehr als 150 Fahrzeuge, die Geschichte geschrieben haben, 40 Beschäftigte finden dort Arbeit, Schüler und Studierende lernen dort, was Technik zu leisten vermag.

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Allein 2025 kommen mehr als 100.000 Besucher: Rennwagen aus den 1920er- und 1930er-Jahren, Modelle, bei denen Loh, nach Otto Benz und Henry Ford, der dritte Eigentümer ist, Michael Schumachers bester Ferrari, der legendäre Silberpfeil, um nur einige zu nennen.

Dabei ist der Unternehmer froh, dass seine Unternehmensgruppe nicht so abhängig von der Autobranche ist. Aktuell plant er ein Hotel für die Museumsbesucher. So wird auch diese Leidenschaft zum Geschäftsmodell – für seine Heimat und die Menschen, die dort leben.

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