Chiphersteller: Gerichtsverfahren verschärft Konflikt der zwei Nexperia-Teile
Amsterdam. „Dass ihre Firmen wie ihre Familien sind, erzählen uns hier alle Unternehmer“, sagt Aernout Vink, Vorsitzender der Unternehmenskammer am Amsterdamer Gerichtshof. Schroff unterbricht er mit diesen Worten den Anwalt des chinesischen Nexperia-Eigentümers Zhang Xuezheng (Spitzname „Wing“).
Für Ausschweifungen hat Vink keine Zeit, denn beim ersten öffentlichen Gerichtstermin im Fall Nexperia werden noch Dutzende Anwälte das Wort ergreifen.
Die Anhörung in Amsterdam am Mittwoch ist der bisherige juristische Höhepunkt im Streit um den Chiphersteller Nexperia. Das Unternehmen mit Sitz im niederländischen Nijmegen gehört seit 2018 zum chinesischen Wingtech-Konzern, gegründet von ebenjenem Wing. Es produziert mehr als 100 Milliarden Halbleiter pro Jahr, vor allem für die Autoindustrie, und ist längst zum Politikum geworden.
Seit der Intervention des niederländischen Wirtschaftsministers Vincent Karremans Ende September 2025 steht die Firma unter Beobachtung. Massive Störungen der Lieferketten für Halbleiter waren die Folge; das Nexperia-Chaos hatte Produktionsstörungen bei Firmen wie VW, Bosch und ZF ausgelöst.
Karremans und seine Beamten sahen die akute Gefahr, dass Wing Wissen, Produktionsmittel und Geld aus Europa nach China verschieben wollte. Die Regierung in Den Haag stellte eine akute Bedrohung für die Versorgungssicherheit der europäischen Wirtschaft fest. Mit einem bis dato nie zuvor angewandten Gesetz aus den 1950er-Jahren übernahm der niederländische Staat die Kontrolle über Nexperia.