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Start-upKleinstdrohne made in Europe – erst produzieren, dann bewerben

Bisher kennt kaum jemand Twentyfour Industries. Das Münchener Start-up baut Kleinstdrohnen, die bereits von Armeen eingesetzt werden. Bekannte Investoren stehen hinter der Geschäftsidee.Nadine Schimroszik 19.01.2026 - 13:33 Uhr Artikel anhören
Quadcopter von Twentyfour Industries: Diese Drohne kam schon bei der Schulung von Bundeswehr-Soldaten zum Einsatz. Foto: Twentyfour Industries

Berlin. Der noch junge Drohnenhersteller Twentyfour Industries ist außerhalb der Rüstungsbranche bisher kaum bekannt. Und selbst innerhalb der eng vernetzten Branche können aktuell nur wenige etwas mit dem Namen des Münchener Start-ups anfangen.

„Unsere Kunden und Nutzer kennen uns. Dafür war im ersten Schritt keine breite Öffentlichkeit nötig“, sagt Firmenmitgründer Clemens Kürten. Die Drohnen würden bereits aktiv genutzt.

Doch wenn es nach ihm geht, soll nun Schluss sein mit diesem Schattendasein des Start-ups. Twentyfour Industries hat jetzt erstmals eine Website. Nun will Kürten sein Produkt erstmals richtig bewerben – auch weil er schon einiges erreicht hat.

„Bevor wir an die Öffentlichkeit gehen, wollten wir zunächst zeigen, dass wir Drohnen entwickeln, bauen und verkaufen können“, sagt Kürten. Dies ist seiner Ansicht nach gelungen, weswegen Twentyfour Industries jetzt aus dem sogenannten Stealth-Modus herauskommt. So nennt sich  bei Start-ups die geheime Entwicklungsphase.

Das Ziel von Kürten, der vor der Firmengründung unter anderem einige Jahre als Unternehmensberater tätig war, und seinem Mitgründer Erik Linden ist klar. Kürten sagt: „Wir wollen in diesem Jahr weitere relevante Verträge gewinnen.“

Bereits jetzt erzielt Twentyfour Industries nach eigener Angabe „relevante Umsätze“ in mehreren Ländern – und zwar mit dem sogenannten Quadcopter, einer Kleinstdrohne mit 25 Zentimeter Durchmesser, die mit vier Rotoren ausgestattet ist.

Quadcopter werden vom Drohnenpiloten aus der Ich-Perspektive (First Person View, FPV) geflogen, also so, als würde der Pilot selbst in der Drohne sitzen. Sie werden hauptsächlich für die Aufklärung genutzt, können aber auch bewaffnet werden, was beispielsweise im Ukrainekrieg geschieht.

Einige Anbieter fertigen ihre Drohnen in Europa

Twentyfour Industries ist nicht der einzige Anbieter solcher Drohnen auf dem zivilen wie auch militärischen Markt für Kleinstdrohnen in Europa. Unter anderem stellt das kroatische Start-up Orqa FPV-Drohnen her, genau wie RSI Europe aus Litauen.

Ähnlich wie Twentyfour Industries betont auch Orqa, ausschließlich in der Europäischen Union (EU) zu fertigen. Viele Anbieter kommen auch aus China. Die bekanntesten deutschen Verteidigungs-Start-ups, Helsing und Quantum Systems, produzieren hingegen größere Drohnen.

Seit der Gründung im Januar 2025 hat Twentyfour Industries nach eigenen Angaben Hunderte von Drohnen hergestellt, die bei militärischen Übungen und Demonstrationen europaweit eingesetzt werden. Dies auch bei der Bundeswehr: Dort wurden die unbemannten Fluggeräte zuletzt bei der Ausbildung und Schulung von Drohnenpiloten genutzt.

Soldat mit Drohne: Bei der Bundeswehr kommen Kleinstdrohnen auch von Twentyfour Industries unter anderem bei der Ausbildung zum Einsatz. Foto: Twentyfour Industries

Im Bereich der sogenannten FPV-Drohnen gebe es kaum europäische Anbieter, sagt Christoph Petroll, Forschungsgruppenleiter am Bundeswehr-Innovationslabor System Soldat. Twentyfour Industries sei richtig positioniert, um diese Drohnen skalierungsfähig – also in der Menge flexibel bei gleicher Qualität und Kosten – in Europa anzubieten, ergänzt er.

Das Start-up sammelte ohne Website zwölf Millionen Dollar Risikokapital ein

Davon sind auch die Risikokapitalgeber (VCs) überzeugt. Im Sommer erhielt Twentyfour Industries knapp zwölf Millionen Dollar von Investoren – zu einem Zeitpunkt, als es noch nicht mal eine Website gab. Damals stellten Lakestar, 468 Capital sowie OTB Ventures Kapital bereit, allesamt Risikokapitalgeber, die sich in der noch jungen Verteidigungs-Start-up-Branche gut auskennen und schon einige Investitionen getätigt haben.

Firmenmitgründer Kürten: Der Deutsch-Schweizer plant eigene Fertigungsstätten für Drohnen. Foto: Twentyfour Industries

Alexander Kudlich, Partner bei 468 Capital, ist sich sicher, dass Twentyfour Industries trotz der zunehmenden Zahl an Drohnen-Start-ups gute Chancen hat. Er sagt: „Twentyfour Industries gehört zu den wenigen Teams, die sich früh und mit Substanz positioniert haben, durch enge Zusammenarbeit mit europäischen Armeen, erste Verträge in mehreren Ländern, laufende Umsätze und ein System, das auch für Ausbildungsszenarien bestens geeignet ist.“

Tausende Drohnen pro Monat will Twentyfour Industries produzieren

Jeremy Teboul vom auf Zentral- und Osteuropa fokussierten Investor OTB Ventures lobt die operative Integration, bei der der „eigentliche Engpass liegt“. In diesem Zusammenhang betont Kürten: „Wir unterstützen unsere Kunden nicht nur mit Drohnen, sondern auch dabei, das Fliegen und den Umgang mit ihnen zu lernen.“

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Das im Sommer von Twentyfour Industries eingesammelte Risikokapital floss und fließt in die Skalierung der Produktion und den Ausbau des Angebots über den bisherigen Quadcopter hinaus. Die ersten Drohnen stellte Twentyfour Industries mithilfe eines großen deutschen Automobilzulieferers her, jetzt sollen eigene Fertigungsstätten in ganz Europa folgen. Ziel sei es, monatlich Tausende Drohnen herzustellen, teilte die Firma mit.

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