Helsing: Ukraine zögert laut Bericht bei Drohnenauftrag für Start-up
Berlin. Die Ukraine verzichtet vorerst laut einem Bericht auf weitere Bestellungen von Kampfdrohnen des deutschen Rüstungs-Start-ups Helsing. Hintergrund seien Probleme bei Tests der Waffensysteme an der Front, berichtet die Finanznachrichtenagentur Bloomberg am Montag unter Berufung auf eine interne Präsentation des Bundesverteidigungsministeriums und Insider.
Demnach soll Helsings Vorzeigemodell HX-2 bei Tests des ukrainischen 14. Regiments, einer Einheit für unbemannte Systeme, Schwierigkeiten beim Start gehabt haben. Zudem fehlten laut der Präsentation vom 20. November mehrere der vorgesehenen KI-Komponenten, die ein autonomes Steuern ohne Piloten ermöglichen sollten. Das Dokument wurde von einer Einheit im Verteidigungsministerium erstellt, die General Gunter Schneider unterstellt ist. Seit Oktober ist er Leiter der Abteilung Streitkräfte.
Zudem habe die Drohne laut Berichten auch Probleme bei elektronischen Störmaßnahmen nahe der Front gehabt. Die Verbindung zwischen Drohne und Bediener sei unterbrochen worden. Finanziert werden die Systeme von der Bundeswehr. Deutschland plane derzeit keine Folgeaufträge, solange kein erneutes Interesse aus der Ukraine signalisiert werde.
Helsing wies zentrale Punkte der Darstellung zurück. Das Unternehmen erklärte, die Präsentation nicht zu kennen, und bestritt insbesondere eine hohe Ausfallquote beim Start der HX-2. Die offiziell dokumentierten ersten Einsätze seien ermutigend, es sei jedoch zu früh für belastbare Schlussfolgerungen. Mehrere Einheiten der ukrainischen Streitkräfte hätten Interesse an der Drohne bekundet.
Drohnen sind zu einem der wichtigsten Waffensysteme des Ukraine-Kriegs geworden. Helsing, 2021 gegründet und zunächst vom Fonds des Spotify-Gründers Daniel Ek finanziert, hatte zuletzt stark von den höheren Verteidigungsausgaben in Europa profitiert. In einer Finanzierungsrunde im Juni wurde das Unternehmen mit 12 Milliarden Euro bewertet.
Große Konkurrenz um Drohnenaufträge
Die HX-2 ist das erste vollständig von Helsing entwickelte Hardwaresystem, das in einem Kriegsgebiet eingesetzt wird. Der Erfolg gilt als Gradmesser für weitere Vorhaben des Unternehmens im Luft- und Unterwasserbereich. Der Wettbewerb um staatliche Drohnenaufträge ist intensiv. Neben Start-ups wie Helsing konkurrieren auch Konzerne wie Rheinmetall.
Helsing hatte 2024 einen Vertrag über 4000 Drohnen des Modells HF-1 geschlossen, die gemeinsam mit einem ukrainischen Partner produziert werden. Rund die Hälfte wurde ausgeliefert, etwa 40 Prozent lagerten laut Präsentation noch in ukrainischen Beständen. Der Vertrag sollte auf das neuere Modell HX-2 umgestellt werden. Das HF-1-Modell war in der Ukraine zuvor wegen hoher Kosten und geringer Wirksamkeit kritisiert worden.
Laut der Präsentation verfügten weder HF-1 noch HX-2 über alle vorgesehenen drei KI-Module für Zielerkennung und Steuerung. Nur rund ein Viertel der HX-2 habe bei Fronttests starten können, unter anderem wegen mechanischer Probleme mit dem Katapult. Helsing widersprach auch diesen Angaben und verwies auf erfolgreiche Tests mit der Bundeswehr und dem britischen Militär, bei denen die HX-2 nahezu alle Ziele getroffen habe.
Fehlschläge in frühen Testphasen sind in der Branche nicht ungewöhnlich. Auch andere Drohnenhersteller wie Anduril oder Stark Defence berichteten von anfänglichen Problemen ihrer Systeme im Ukraine-Krieg.