Weniger Mehrwegflaschen: Die Einfachstrategie von Coca-Cola
Ab Sommer 2015 sollen die 0,5-Flaschen aus Hartplastik von Coca Cola und Co. verschwinden. Neben Glas warb das Unternehmen sehr lange mit Mehrweg-PET.
Foto: dpaDüsseldorf/Berlin. Einweg statt Mehrweg. Der Getränke-Konzern Coca-Cola schafft in Deutschland die Mehrwegflaschen aus Kunststoff zum Teil ab. Die Halbliter-Flaschen sowie die mit 1,5 Litern Inhalt sollen im Laufe des Jahres aus den Regalen verschwinden. Das meldete das Unternehmen am Mittwoch. Grund dafür sei, dass Coca-Cola dadurch Abfüllanlagen effizienter nutzen könnten. Außerdem würden zu viele Flaschen nicht dort abgegeben, wo sie gekauft ursprünglich wurden – weswegen die Fahrer zu viele leere Getränkekisten transportieren würden.
Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe hält das für Ausreden. „Der Konzern will sich neu aufstellen, dafür wird er aus der USA auf Effizienz getrimmt.“ Höherer Profit mit geringeren Kosten, das stehe bei Coca-Cola momentan auf der Agenda, glaubt Fischer und verweist Branchenkreise.
Coca-Cola in Deutschland verneint die These auf Anfrage des Handelsblatt (Online-Ausgabe). Nur ein Viertel des Mehrweggeschäfts sei von dieser Änderung betroffen, sagt die Sprecherin von Coca-Cola in Deutschland, Stefanie Effner. Der Rest bleibe weiterhin bestehen. „Damit bleibt unser Marktangebot von Mehrweg weiterhin über dem Durchschnitt.“ 2014 hatte Coca-Cola in Deutschland nach eigenen Angaben einen Mehrweganteil von 56,7 Prozent verzeichnet.
Eine Niederlage für das Mehrwegsystem ist die Umstellung trotzdem. Denn Coca-Cola ist Marktführer im Softdrink-Bereich. Diese Maßnahme sei ein Schritt in Richtung der Discounter, meint Fischer von der Deutschen Umwelthilfe. „Auch, weil der Konzern die Einweg-Cola an Aldi günstiger verkauft als Mehrweg-Produkte an herkömmliche Supermärkte.“ Sprecherin Effner hält dagegen: „Wir wollen alle Kunden bedienen. Der Discounter ist dafür ein wichtiger Vertriebskanal.“ Jedoch seien alle anderen, wie die Gastronomie und die traditionellen Supermärkte genauso wichtig.
Zu Fischers Aussage, die 0,5-Liter-Flasche sei das rentabelste Produkt der Coca-Cola-Firma in Deutschland, meint Effner: „Ich weiß nicht, wie die Deutsche Umwelthilfe darauf gekommen ist.“ Genaue Angaben dazu dürfe sie aus wettbewerbsrechtlichen Gründen aber nicht machen.
Die Umwelthilfe richtet ihre Vorwürfe jedoch nicht nur an Coca-Cola. Schon lange fordert sie von Umweltbundeministerin Barbara Hendricks (SPD), sich mehr für den Schutz des Mehrwegsystems zu engagieren. Eine eindeutige Kennzeichnung von Ein- und Mehrwegprodukten sowie eine sogenannte Lenkungsabgabe von 20 Cent seien erforderlich. Bei dieser Abgabe würde der Verbraucher für jede unökologische Flasche, wie PET-Einweg, 20 Cent auf den normalen Verkaufspreis draufzahlen. „Sonst existiert das Mehrwegsystem irgendwann nicht mehr“, so Fischer.
Coca-Cola hatte mit der Stellungnahme am Mittwoch auf einen Bericht der „Frankfurter Rundschau“ reagiert. Unternehmenssprecherin Effner versichert, Coca-Cola denke an die ökologischen Aspekte dieser Umstellung. „Einwegflaschen werden auch recycelt und haben somit ein zweites Leben.“ Außerdem gebe es schließlich noch das Geschäft mit den Glasflaschen, das für die Gastronomie wichtig sei.
Die Lenkungsabgabe, die die Umwelthilfe fordert, will Coca-Cola nicht kommentieren. Prinzipiell dürfte dem Unternehmen es aber nicht gefallen, wenn jedes ihrer PET-Einweg-Getränke für den Verbraucher 20 Cent teurer wäre.