Airbnb-Rivale Wimdu: Deutsche Urlauber wollen keine Katzen
Der deutsche Anbieter will es mit dem Rivalen Airbnb aufnehmen.
Foto: HandelsblattBerlin. Wer in den 90er Jahren cool war, sagte nicht: Ich gehe auf Reisen. Man packte den Rucksack und sagte: Ich mach Interrail. So hieß ein Pauschalticket, mit dem man mit der Bahn kreuz und quer durch Europa reisen konnte. Das Ticket gibt es immer noch, nur dass Fliegen inzwischen oft genau so günstig ist.
Der Manager leitet Wimdu seit Anfang des Jahres.
Foto: PRDas US-Unternehmen hat es geschafft, auch hierzulande zum Inbegriff nicht nur für eine neue Art des Reisens, sondern für die Sharing Economy zu werden. Einer will das jetzt ändern: Arne Kahlke, seit Anfang des Jahres CEO von Wimdu, dem deutschen Airbnb-Wettbewerber aus dem Hause Rocket Internet. Die Startup-Schmiede der Gebrüder Samwer ist bei Wimdu nach ihrem bewährten Prinzip vorgegangen: Ein erfolgreiches US-Startup klonen und in Europa zum Marktführer machen – ein Verkauf an das Original ist nicht ausgeschlossen, auch wenn das niemand so deutlich sagt. „Wir sind die europäische Antwort auf Airbnb“, sagt Kahlke. „Wir möchten deutlich stärker wachsen als bisher und sichtbarer werden.“
Airbnb ist in 195 Ländern präsent, seit 2011 in Deutschland. Im selben Jahr wurde Wimdu gegründet. Doch die Popularität der Amerikaner ist deutlich größer. Versucht man etwa für das kommende Wochenende einen Schlafplatz für zwei Personen in Berlin zu finden, liefert der Marktführer über 900 Angebote. Bei Wimdu sind es nicht einmal hundert. „Wir verkaufen nur etwa zehn bis zwanzig Prozent unserer Kapazitäten über Wimdu“, sagt ein Ferienwohnungsbetreiber in der Hauptstadt.
Wohl auch deshalb ist Rocket Internet ungeduldig geworden und hat Anfang des Jahres die Wimdu-Gründer Arne Bleckwenn und Hinrich Dreiling gegen zwei erfahrene Manager ausgetauscht. Arne Kahlke und sein Vorstandskollege Sören Kress haben unter anderem die Dating-Plattform Elite Partner gegründet. Ihre Mission bei Wimdu ist keine einfache. Die Amerikaner hätten den „First mover advantage“, sagt Kahlke. Es sei gar nicht so wichtig, dass Wimdu so groß werde wie Airbnb. „Der Markt ist riesig, da haben mehrere Angebote Platz.“
Wimdu will mit Professionalität punkten. „In den Werbe-Kampagnen von Airbnb steht der Kontakt zum Gastgeber im Vordergrund. Der deutsche Kunde aber will nicht, dass der Vermieter mit in der Wohnung lebt, auch nicht sein Hund oder seine Katze“, sagt Arne Kahlke. „Er will einen Standard, wie er ihn aus den Hotels kennt, nur eben in einer Wohnung. Ein City-Apartment, keine Wohngemeinschaft.“ Das gelte für die Familie, die einen günstigen und bequemen Städteurlaub machen will, aber genauso für den Geschäftsreisenden, der zum Beispiel zu Messezeiten ein günstigeres und individuelleres Angebot gegenüber dem Hotel sucht.
Zum Standard gehörten etwa ein sauberes Apartment, ein bequemes Bett oder Handtücher. Kontrollieren kann Wimdu das nur stichprobenartig. Eine Geld-Zurück-Garantie gibt es nicht, nur das Angebot des Anbieters, bei Nicht-Gefallen ein Ersatzapartment zu suchen. Das Unternehmen setzt auf die „Selbstregulierung“, die sich daraus ergibt, dass die Kunden den Vermieter auf der Internetplattform bewerten können und sehen, welches Apartment wie häufig gebucht wurde. Dasselbe macht allerdings auch Airbnb. Auch hier kann der Kunde angeben, dass er eine Wohnung für sich haben möchte, ohne Mitbewohner oder Haustiere.
Damit die europäischen Reisenden es künftig cool finden, zu sagen, „Ich wimdu. Und du?“, setzt Kahlke massiv auf Werbung, vor allem in den Offline-Märkten, auf Plakaten oder im Fernsehen. Dafür hat er unter anderem einen Beteiligungs-Deal mit der Berlusconi-Firma Mediaset geschlossen, wodurch Wimdu jetzt ein „schönes, zweistelliges Brutto-Mediabudget zur Verfügung“ zur Verfügung stehe. In die Offensive geht das Unternehmen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Italien und Spanien – „andere europäische Länder sollen folgen“.
Insgesamt ist Wimdu in 150 Ländern präsent. Hauptmarkt ist Deutschland. Ausgerechnet hier kommt der Gegenwind aber auch noch aus einer anderen Ecke. Von den Bewohnern der angesagten Städte nämlich, die es uncool finden, dass ihre Mieten ständig steigen und dass immer mehr Wohnungsbesitzer ihre Immobilien als Feriendomizil feilbieten.
Laut einer Studie der Fachhochschule Potsdam werden schon 0,4 Prozent aller Berliner Wohnungen bei Airbnb angeboten. Unter den Vermietern sind nicht längst nur Privatleute, die ihr Heim untervermieten, wenn sie selbst verreist sind, sondern auch Profis, die Wohnungen zu keinem anderen Zweck anmieten, als sie auf den Vermittlungsplattformen anzubieten.
In Berlin hat die Politik vor einem Jahr das sogenannte Zweckentfremdungsverbot erlassen, demzufolge die Vermietung einer Wohnung an Touristen einer behördlichen Genehmigung bedarf. Für Arne Kahlke ist es „fraglich, ob das gelegentliche Vermieten von Wohnraum“, wie es viele Privatleute über die Vermittlungsplattformen tun, unter das Gesetz fällt. „Es ist nicht fair, Studenten zu verbieten, ihr Zimmer zu vermieten, wenn sie mal nicht da sind. Das nimmt doch niemandem den Wohnraum weg.“
Wimdu lasse noch prüfen, ob das Gesetz verfassungsrechtlichen Standards entspricht. In dieser Sache ist man mit der Konkurrenz von Airbnb einer Meinung.