Morning Briefing: Party like it's 1999? Die neue Tech-Blase an den Börsen
Party like it's 1999? Die neue Tech-Blase an den Börsen
Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser!
Der labile Waffenstillstand im Gazastreifen wackelt mal wieder. Israelische Flugzeuge griffen am Dienstag Gaza-Stadt an, nachdem Ministerpräsident Benjamin Netanjahu der palästinensischen Terrororganisation Hamas einen Verstoß gegen die Waffenruhe vorgeworfen und dem Militär den Befehl zu schweren Angriffen erteilt hatte.
Der israelische Armeesender hatte zuvor gemeldet, bewaffnete Mitglieder der Hamas hätten im südlichen Gazastreifen auf israelische Soldaten geschossen. Seit Beginn einer Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas am 10. Oktober gab es immer wieder tödliche Zwischenfälle. Dabei wurden nach Angaben der von der Hamas kontrollierten Gesundheitsbehörde mehr als 90 Palästinenser getötet. Vor gut einer Woche starben zwei israelische Soldaten durch einen Angriff.
Trump-Vertrauter sieht keine dritte Amtszeit
Der republikanische Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Mike Johnson, sieht „keinen Weg“ für eine erneute Kandidatur von Donald Trump bei der nächsten Präsidentschaftswahl 2028. Der Trump-Vertraute sagte, eine dazu nötige Änderung der Verfassung samt Ratifizierung durch alle Bundesstaaten würde „etwa zehn Jahre“ dauern. Am Montag hatte Trump gesagt, dass er einer dritten Präsidentschaft nicht abgeneigt wäre: „Ich würde es gern machen.“
Länder: Keine Anzeichen für AfD-Spionage
Nach den Warnungen des Thüringer Innenministers Georg Maier (SPD) vor einem möglichen Missbrauch parlamentarischer Anfragen durch die AfD im Sinne Russlands zeigen sich andere Bundesländer deutlich zurückhaltender. Eine Handelsblatt-Umfrage unter den Innenministerien mehrerer Länder ergab: Konkrete Hinweise auf gezielte Ausforschung kritischer Infrastruktur durch AfD-Abgeordnete sehen diese nicht. Thüringens Innenminister hatte den Verdacht geäußert, dass die AfD gezielt Informationen über die kritische Infrastruktur in Deutschland an Russland weitergibt.
Stahlkonzern vor Führungswechsel
Thyssenkrupp Steel kommt nicht zur Ruhe. Offenbar bereitet sich Dennis Grimm auf seinen Abschied von der Spitze der Stahlsparte des Thyssenkrupp-Konzerns vor. Der Manager wurde erst im Sommer 2024 auf den Posten berufen, nachdem der ehemalige Vorstandschef Bernhard Osburg die Sparte im Streit mit dem Mutterkonzern verlassen hatte.
Laut Informationen von Handelsblatt-Reporterin Isabelle Wermke gilt Marie Jaroni als wahrscheinlichste Nachfolgerin für den Posten. Die 39-Jährige verantwortet derzeit als Chief Sales Officer und Chief Transformation Officer zentrale Zukunftsthemen bei Thyssenkrupp Steel – von der Vertriebsstrategie bis zur Dekarbonisierung der Stahlproduktion. Eine offizielle Bestätigung für den anstehenden Wechsel gibt es bislang nicht.
Nvidia-Kurs steigt über 200 Dollar
Der Aktienkurs von Nvidia ist gestern erstmals über 200 US-Dollar gestiegen. Zu Handelsschluss legten die Papiere des Chipherstellers um fünf Prozent auf gut 201 Dollar zu. Im Verlauf war die Aktie bis auf 203,15 Dollar geklettert. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens liegt damit nur noch etwa 100 Milliarden Dollar unter der magischen Grenze von fünf Billionen Dollar. Der mit Abstand teuerste börsennotierte Konzern ist Nvidia derzeit ohnehin.
Der Telekomausrüster Nokia hatte zuvor den Einstieg des auf Chips für KI-Anwendungen spezialisierten Konzerns bekanntgegeben. Die Nvidia-Investition habe ein Volumen von einer Milliarde Dollar. Dies entspricht einem Anteil von rund drei Prozent der Nokia-Aktien.
Börsenblase wie zu Dotcom-Zeiten?
Ist alles schon wieder genau wie damals? Wer alt genug ist, um sich an das Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 zu erinnern, der findet derzeit viele Parallelen. Wieder gibt es eine neue Technologie, die angeblich alles ändert. Damals war es das World Wide Web, heute ist es die Künstliche Intelligenz. Leben wir also momentan in einer Kursblase der Tech-Aktien wie vor 25 Jahren? Und steht diese Blase kurz vor dem Platzen – oder kann sie sich noch jahrelang weiter aufblähen?
Spätestens bei der zweiten Frage hört die Einigkeit auf.
Ein entscheidender Unterschied: Ende der 1990er-Jahre reichte für eine Milliardenbewertung an der Börse bisweilen eine „.com“-Adresse und ein ehrgeiziger Businessplan. Heute werden die KI-Investments oft von profitablen Tech-Konzernen wie Microsoft oder Amazon geschultert. Denen droht vielleicht ein Kurseinbruch, aber nicht gleich die Pleite.
Dirk Willer, Anlagestratege bei der Citigroup, glaubt, „dass die Blase noch ein bisschen Zeit hat“. Er rät Investoren dennoch, bereits jetzt ein paar Kursgewinne mitzunehmen. Denn das Geld, das in Überschwangphasen verdient werde, gehe in der Regel irgendwann wieder verloren.
Willer war schon beim Platzen der Dotcom-Blase als Börsianer dabei. Ebenso wie eine Reihe von anderen Finanzmarkt-Veteranen, mit denen Astrid Dörner und Michael Maisch über die Parallelen und Unterschiede zwischen 2000 und 2025 gesprochen haben – inklusive der passenden Verhaltens-Maßregeln.
Airbnb-Chef sieht den KI-Boom kritisch
Skeptisch in Sachen KI-Boom ist Brian Chesky, der Chef und Co-Gründer der Reiseplattform Airbnb. „KI hat die Welt noch nicht verändert, sie hat es einfach nicht“, sagte Chesky im Gespräch mit unserem Westcoast-Korrespondenten Philipp Alvares. Auf das alltägliche Leben der meisten Menschen habe KI bislang kaum Einfluss genommen:
Im Interview erklärt Chesky zudem, warum Airbnb künftig auch Hotelzimmer anbieten will.
Private Rabiatbahn
Geschichten über die Deutsche Bahn folgen normalerweise einem festen Plot: Verlotterter Staatsmonopolist quält die Kunden und nutzt seine Marktmacht, um private Wettbewerber wegzubeißen.
Doch auch Privatbahnen können ihre geschäftlichen Interessen ziemlich rücksichtslos ausleben. Über ein Beispiel berichtet der „Kölner Stadt-Anzeiger“: Das private Bahnunternehmen National Express (NX) hat am letzten Samstag auf einer Regionallinie in NRW alle Züge ausfallen lassen – mit dem Ziel, von den Verkehrsverbünden eine höhere Vergütung für seine Verkehrsleistungen zu bekommen.
Das NX-Management informierte demnach die Beschäftigten vorab über die Aktion. Bei den Verhandlungen habe man „bisher kein greifbares Ergebnis erzielt“, heißt es in dem Schreiben, das der Zeitung vorliegt. Im Zuge dessen werde man „alle Fahrten der Linie RE 4 einbehalten“. Es lägen „keine personellen oder materiellen Engpässe“ vor. Man bitte darum, „keinerlei Informationen an Dritte“ weiterzugeben.
Von der Aktion waren Tausende betroffen, darunter die Besucher zweier Bundesliga-Spiele in Dortmund und Mönchengladbach.
Prinz Andrew zahlt in Pfeffer
Nach immer neuen Enthüllungen über sein enges Verhältnis zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hat Prinz Andrew auf seine offiziellen Titel verzichtet. Doch das in Ungnade gefallene Mitglied des britischen Königshauses wohnt weiterhin in der Royal Lodge, einem großen Anwesen nahe Schloss Windsor – und das nahezu mietfrei, wie jetzt bekannt wurde. Andrew muss jedes Jahr lediglich ein Pfefferkorn entrichten. Ein Mietzins, der aus einer Zeit stammt, als Pfeffer noch etwas Seltenes war.
Ich fände es einen angemessenen Inflationsausgleich, wenn vom Prinzen zusätzlich zum Pfefferkorn ab sofort auch ein Körnchen Wahrheit verlangt würde.
Ihnen wünsche ich eine würzige Wochenmitte.
Herzliche Grüße,
Ihr
Christian Rickens
Textchef Handelsblatt