Dima 24-Gründer Hartwieg: Der Staatsanwalt bittet zur Kasse
München. Antike Münzen, eine Armbanduhr von Breitling, drei Füllfederhalter und kiloweise reines Gold – wenn Malte Hartwieg tatsächlich jahrelang das Geld seiner Anleger verschleudert haben sollte, dann wenigstens mit Stil. Wie nun bekannt wurde, hat die Münchener Staatsanwaltschaft das Vermögen des schillernden Finanzmaklers beschlagnahmt.
Neben den Luxusgütern stellten die Ermittler diverse Konten sicher, pfändeten Lebensversicherungen. Zudem haben Behörden in Liechtenstein einen 230 Kilogramm schweren Goldschatz eingezogen – und 1,7 Millionen Franken noch dazu. Beziffert sind bislang beschlagnahmte Vermögensgegenstände und Kontoguthaben im Wert von mindestens 14 Millionen Euro.
Die Fahnder werfen Hartwieg Betrug und weitere Straftaten vor. Als Chef des Fondsvertriebs Dima24 soll er Kunden über die Verwendung ihres Geldes getäuscht und sich persönlich bereichert haben. Anleger bangen um rund 150 Millionen Euro. Die Ermittlungen dauern an. Malte Hartwieg hatte über seinen Anwalt mehrfach Aufklärung versprochen. Eine Anfrage des Handelsblatts ließ er bis Redaktionsschluss unbeantwortet.
Für die Anleger sind die Pfändungen ein Lichtblick. Hartwieg hatte rund um Dima24 ein Imperium von mehr als 100 Firmen aufgebaut. Dabei warb Dima24 damit, dass der übliche Ausgabeaufschlag für geschlossene Fonds entfällt oder zurückerstattet wird – ein Angebot, das viele Anleger lockte.
Dima24 vermittelte ab 2008 auch Fonds aus Gesellschaften, die die Staatsanwaltschaft Hartwieg zurechnet. Zahlreiche Fondsfirmen sind inzwischen insolvent, darunter mehrere Fonds von Selfmade Capital und NCI New Capital Invest. Betroffen sind auch Fonds der Münchener Euro Grundinvest – und hier führt eine abenteuerliche Spur bis in das Fürstentum Liechtenstein.
Anleger hatten über Genussrechte in die Euro Grundinvest investiert. Rund 15 Millionen Euro sollen an eine polnische Firma namens New Media Communications geflossen sein – angeblich, um polnische Pflegeheime zu finanzieren.
Stattdessen flossen zehn Millionen Euro offenbar weiter an einen österreichischen Edelmetallhändler, um dort 328 Kilo Gold zu kaufen. Die polnische Gesellschaft verlieh einen Großteil des Goldes an eine Baseler Firma namens IPF, die kurz darauf Hartwieg seine Euro Grundinvest und drei weitere Firmen abkaufte – und mit Gold bezahlte. Ein Ringtausch, der die Fahnder auf den Plan rief.
Denn einen Teil des Goldes verkaufte Hartwieg – rund 1,7 Millionen Schweizer Franken flossen auf sein Konto. Doch der Händler wurde misstrauisch und alarmiert die Geldwäsche-Fahnder in Liechtenstein. Die Behörden schalteten schnell – und ließen das Geld und den Goldschatz einfrieren. Die Münchener Staatsanwaltschaft stellte ein Rechtshilfeersuchen an die Liechtensteiner.
Durch die Arreste können Anleger versuchen, einen Teil des Geldes per Zwangsvollstreckung zurückzugewinnen. Die Staatsanwaltschaft empfiehlt, einen Anwalt einzuschalten – warnt aber vor möglichen Folgekosten.
Es bleibt eine Frage: Was wird aus Hartwieg? Eine Anklage wurde bislang nicht erhoben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft, die seit Dienstag im Bundesanzeiger stehen, wohnt Hartwieg auf Mallorca. Für sein E-Mail-Postfach hat er eine automatische Abwesenheitsnotiz eingerichtet: „Ab dem 31.08.2015 bin ich wieder wie gewohnt für Sie erreichbar.“