1. Startseite
  2. Politik
  3. International
  4. Studie zur Luftverschmutzung: Tödlicher Feinstaub

Studie zur LuftverschmutzungTödlicher Feinstaub

Abgase, Smog, Feinstaub: Luftverschmutzung ist oft ein unsichtbares Phänomen – dafür aber umso gefährlicher. Sie fordert jedes Jahr Millionen Todesopfer weltweit. Doch der Hauptschuldige ist nicht die Schwerindustrie.Lars-Thorben Niggehoff 25.10.2015 - 19:07 Uhr Artikel anhören

Die Anwohner versuchen sich mit Gesichtsmasken vor der Luftverschmutzung zu schützen.

Foto: Reuters

Düsseldorf/Mainz. Der Straßenverkehr birgt viele Gefahren: Das größte Risiko ist jedoch nicht das, bei deinem Autounfall ums Leben zu kommen. Am bedrohlichsten sind in Wirklichkeit die Schadstoffe, die die meisten Kraftfahrzeuge in die Atmosphäre schleudern. Und so sterben in Deutschland mehr Menschen an den Folgen der Feinstaubbelastung als durch Verkehrsunfälle. Das hat das Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz herausgefunden.

Rund 34.000 Menschen in Deutschland verlieren jedes Jahr aufgrund von Krankheiten ihr Leben, die durch erhöhte Feinstaub- und Ozon-Belastung in der Atmosphäre verursacht werden, so die Wissenschaftler um Johannes Lelieveld in ihrer Studie.

Infografik

Millionen Tote durch Luftverschmutzung

Gemeint sind damit vor allem Schlaganfälle und Herzinfarkte, aber auch Atemwegserkrankungen und Lungenkrebs werden durch Luftverschmutzung begünstigt. Allein die Emissionen aus dem Straßenverkehr kosten jährlich 7.000 Deutsche das Leben – etwa doppelt so viele Opfer wie bei Verkehrsunfällen.

Weltweit sterben insgesamt etwa 3,3 Millionen Menschen pro Jahr vorzeitig wegen Luftverschmutzung – davon 2 Millionen Inder und Chinesen, die unter besonders schlechter Luft leiden. Zum Vergleich: In der EU sterben 180.000 Menschen jährlich.

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel
Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.
Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.
Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.
Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.
In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.
Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.
Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.
Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

Dafür allein Verkehrsemissionen verantwortlich zu machen, ist aber nicht richtig: Sie sind nur für etwa fünf Prozent der Toten verantwortlich. Auch der Lieblingsgegner aller Umweltschützer, die Industrie, kommt mit knapp sieben Prozent der Opfer noch vergleichsweise gut weg. Die meisten Opfer, und zwar etwa ein Drittel, fordern sogenannte häusliche Kleinfeuer. Das sind offene Feuerstellen und Kohleöfen, die Menschen zum Heizen oder Kochen verwenden. Dazu zählen auch Stromgeneratoren, die kleinere Ansiedlungen mit Elektrizität versorgen. Sie werden oft mit Diesel betrieben und haben selten Rußfilter. Das ist vor allem in Asien und Afrika verbreitet.

„Das sind zwar nur kleinskalige Aktivitäten, aber wenn ein Großteil der Bevölkerung das macht, kommt einiges zusammen“, sagt Johannes Lelieveld, Direktor des Mainzer Max Planck-Instituts und Hauptautor der Studie. Von den zwei Millionen Emissionstoten in Indien und China entfallen 760.000 auf ebendiese Kleinfeuer, Stromgeneratoren kommen auf 236.000 – beide Ursachen stehen für etwa die Hälfte der Todesopfer.

In Europa sind Feuerstellen und Stromgeneratoren inzwischen Geschichte. Für die meisten Smogtoten ist hier die Landwirtschaft verantwortlich. Denn durch übermäßige Verwendung von Düngemitteln und Massentierhaltung gelangt Ammoniak in großen Mengen in die Atmosphäre und begünstig die Entstehung von Feinstaub.

In Deutschland sind die Emissionen aus der Landwirtschaft für fast die Hälfte der Toten verantwortlich. Die vielgescholtenen Industrieunternehmen machen laut Studie nur rund 13 Prozent aus.

Mit insgesamt 34.000 Emissionsopfern führt Deutschland die Statistik in Westeuropa an. Die Gründe: Neben dichter Besiedlung und intensiver Landwirtschaft, spielt auch die zentrale Lage des Landes eine Rolle. Nach Deutschland würde auch viel Smog aus den Nachbarländern herüberwabern, so die Studie.

Zudem hat der Verkehr im Land der Autofahrer auch einen deutlich höheren Anteil an den hohen Feinstaubwerten als anderswo. Die 7.000 Opfer, die in Deutschland wegen der Luftverschmutzung durch den Straßenverkehr sterben, werden nur von den deutlich bevölkerungsreicheren Länder China, Indien, USA und Russland übertroffen. Der Anteil an der Gesamtzahl der Todesopfer in der Bunderepublik liegt mit 20 Prozent auch ungewöhnlich hoch – weltweit liegt er im Schnitt bei 5 Prozent.

Verwandte Themen
Deutschland
Medizin

Die Wissenschaftler des Max-Planck-Institut haben zudem auch düstere Zukunftsprognosen: Sollte die Politik keine Gesetze zur Beschränkung der Emissionen beschließen, dann könnte sich die Zahl der Toten bis 2050 auf 6,6 Millionen Menschen verdoppeln. Besonders stark wären Süd- und Ostasien betroffen. Doch auch Europa und die USA müssen mit einem Zuwachs rechnen – wenn auch nicht ganz so rapide.

Die Zahl der Smogopfer wird vor allem in den größeren Städten drastisch ansteigen, so die Prognose: In London etwa könnte die Zahl der Todesopfer von jährlich 2.800 auf 4.200 steigen, in Moskau von 8.600 auf 11.700. Das ist aber noch kein Vergleich zu asiatischen Metropolen wie etwa dem indischen Kalkutta: Heute sterben dort 13.500 Menschen jährlich durch Luftverschmutzung – für 2050 prognostizieren die Wissenschaftler bis zu 54.800 Todesopfer. Natürlich immer nur, solange die Regierungen weiterhin „Business as usual“ betreiben.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt