Gehälter für ESM-Rettungsschirm-Mitarbeiter: „Davon können gemeine Arbeitnehmer nur träumen“
Der Euro-Rettungsfonds ESM hat zunehmend Schwierigkeiten, Mitarbeiter zu finden.
Foto: dpaBerlin. Der Euro-Rettungsfonds ESM hat zunehmend Schwierigkeiten, Mitarbeiter zu finden. Nach Informationen des Handelsblatts warb ESM-Chef Klaus Regling deshalb in der Direktoriumssitzung Ende September bei den Vertretern der Euro-Staaten um ein Gehaltsplus für seine Leute. Er berichtete über „wachsende Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal für den ESM zu finden und zu halten“, wie aus einem Bericht des Bundesfinanzministeriums über die Sitzung hervorgeht. Das als vertraulich eingestufte Papier liegt dem Handelsblatt vor.
Ein Grund für die Personalsorgen sei die „nicht mehr wettbewerbsfähige Ausgestaltung der Gehälter“, sagte Regling laut der Zusammenfassung des BMF. „Gehaltspakete für vergleichbare Positionen liegen beim ESM um rund ein Drittel niedriger als bei der EU-Kommission, der EZB, der Europäischen Investitionsbank oder der Weltbank“, erklärte ein Sprecher des Rettungsfonds auf Anfrage des Handelsblatts. Dem ESM falle es deshalb schwer, im Wettbewerb mit diesen Institutionen Spitzenkräfte zu rekrutieren oder zu halten.
Der ESM-Chef habe bei der Direktoriumssitzung eine Erhöhung „in Richtung des Gehaltsniveaus der Europäischen Investitionsbank“ vorgeschlagen, heißt es in dem Papier des Bundesfinanzministeriums. Doch das schien vielen Finanzstaatssekretären aus dem ESM-Direktorium offenbar als zu üppig. Auch der Vertreter des Bundesfinanzministeriums habe den „Vorschlag als zu hoch und nicht ausgewogen bezeichnet“.
Dem CDU-Wirtschaftspolitiker Klaus-Peter Willsch hält die ESM-Mitarbeiter generell für überbezahlt. In seinem jüngst erschienenen Buch zur Euro-Krise „Von Rettern und Rebellen: Ein Blick hinter die Kulissen unserer Demokratie“ tituliert er den ESM als „Selbstbedienungsladen“. Für den Geschäftsführenden Direktor der Behörde Klaus Regling sei ein Jahresgrundgehalt in Höhe von 324.000 Euro vorgesehen. „Damit verdient er deutlich mehr als die Bundeskanzlerin“, stellt der Bundestagsabgeordnete fest.
Willsch gibt zu bedenken, dass die gleiche Summe wie Regling bei Genehmigung durch den ESM-Vergütungsausschuss alle Mitglieder des Direktoriums hätten erhalten können. „Dieser Gehaltswahnsinn zog sich bis in die untersten Verwaltungsränge durch“, schreibt er. „Selbst Hilfskräfte und sogar Praktikanten konnten auf ein Jahresgehalt von 72.000 Euro kommen. Mindestens aber sollte ihre Tätigkeit mit 22.000 Euro Jahresgehalt vergütet werden.“
Willsch stößt sich auch deshalb an den Summen, weil beim ESM aus seiner Sicht Beschäftigungsbedingungen herrschten, „von denen der gemeine Arbeitnehmer nur träumen kann“. Es gebe Auslands- und Familienzulagen sowie eine Erstattung der Ersteinrichtungs- und Reisekosten. Die Regelarbeitszeit betrage 40 Stunden in der Woche, Überstunden könnten abgefeiert oder ausgezahlt werden.
Auch an die medizinische Versorgung der Mitarbeiter werde gedacht, schildert Willsch in seinem Buch. So gebe es zum Beispiel einmal pro Jahr einen kostenlosen Besuch beim Augenarzt. „Wenn dem Mitarbeiter dort eine Brille verschrieben wird, damit dieser bei der Euro-Rettung den Durchblick behält, erstattet der ESM bis zu 100 Prozent der Kosten“, schreibt Willsch. Und er fügt hinzu: „Damit man mit dem ESM gut alt werden kann, gibt es einen hauseigenen Altersvorsorgeplan.“
Die Finanzstaatssekretäre aus dem ESM-Direktorium haben jedoch Verständnis für die Personalsorgen Reglings – vor allem im Hinblick darauf, dass der ESM „auf dem Arbeitsmarkt wettbewerbsfähig bleiben“ müsse. Nun soll Regling ein neues Gehaltsmodell entwerfen. Es geht vor allem um eine Verbesserung für die „unteren und mittleren Gehaltsbezieher“, wie der ESM-Sprecher erklärte. Der ESM hat derzeit rund 145 Mitarbeiter.