Gewalt gegen ZDF-Reporterin: Schwere Vorwürfe gegen AfD-Vize Gauland
Alexander Gauland spielt die Attacke auf eine ZDF-Reporterin als „Ausrutscher“ herunter.
Foto: ReutersBerlin. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) hat den stellvertretenden Bundesvorsitzenden der Alternative für Deutschland (AfD), Alexander Gauland, mitverantwortlich für den Angriff von Partei-Anhängern auf eine ZDF-Reporterin gemacht. Gauland hatte den Vorfall als falsch bezeichnet, ihn aber zugleich mit der Berichterstattung des Senders über das Flüchtlingsthema begründet.
Der Sprecher des DJV, Hendrik Zörner, sagte dazu dem Handelsblatt: „Das ist eine vergiftete Entschuldigung, die der AfD-Politiker Gauland der ZDF-Journalistin nachgerufen hat. Mit seiner dümmlichen Kritik am angeblichen Willkommensfernsehen heißt er die Gewalt gegen Journalisten indirekt gut.“ Die deutschen Medien und damit auch ARD und ZDF berichteten „umfassend und ausgewogen“ über das Flüchtlingsthema, fügte Zörner hinzu. „Was Gauland fordert, wäre Hofberichterstattung für die AfD. So etwas hat in einer Demokratie aber keinen Platz.“
Scharfe Kritik an der AfD äußerte auch Bundesjustizminister Heiko Maas. Wer versuche, tätliche Übergriffe auf Medien zu rechtfertigen, verlasse den Boden des Grundgesetzes, sagte der SPD-Politiker am Freitag mit Blick auf Gauland.
Die Studio-Leiterin des ZDF in Brandenburg, Britta Hilpert, war am Mittwochabend bei einer AfD-Kundgebung in Cottbus von mehreren Demonstranten angerempelt und geschubst worden, als sie ein Interview führen wollte. Er habe sich persönlich bei der Journalistin entschuldigt, sagte Gauland im ZDF-„Morgenmagazin“.
Er sagte allerdings auch: „Man muss erst einmal fragen, warum sind Menschen gegen das öffentlich-rechtliche Fernsehen?“ Da könne man deutlich sagen, dass die Menschen, die in Cottbus auf die Straße gegangen seien, „dieses Willkomensfernsehen, was zum Teil über ARD und ZDF läuft, nicht sehen und hören wollen“. Da gebe es „Ausrutscher“, was er jedoch „falsch“ finde. Man müsse aber sehen, „dass diese Menschen über vieles empört sind, was sie sehen, weil sie glauben, sie kommen selber im Fernsehen (…) mit ihren Bedenken und Sorgen und der Ablehnung von Flüchtlingen nicht vor“. Aber: „Natürlich distanziere ich mich von Angriffen auf die Pressefreiheit.“
Die ZDF-Reporterin ist auch Vorstandssprecherin von Reporter ohne Grenzen. Die Organisation dokumentiert den Vorfall in einer Pressemitteilung. Demnach sei Hilpert bei der Demonstration, die unter dem Motto „Asylchaos stoppen“ stattfand, durch mehrere Demonstranten so „massiv“ angegriffen, dass die anwesende Polizei habe dazwischen gehen müssen.
Nachdem sie Hilpert beim Pressesprecher der AfD beschwert hat, habe die AfD-Kreisvorsitzende Marianne Spring von der Bühne herab den Vorfall erwähnt und die Demonstranten aufgefordert, friedlich zu bleiben. „Die Menge reagierte darauf mit Buh-Rufen und skandierte „Lügenpresse, Lügenpresse!““, teilte Reporter ohne Grenzen mit. Nach der Veranstaltung habe sich Spring persönlich bei Hilpert entschuldigt.
In einem späteren ZDF-Interview habe dann der Thüringer AfD-Chef Björn Höcke die Pressefreiheit als „ein hohes Gut“ bezeichnet, er habe aber auch die Kritik wiederholt, viele Journalisten transportierten nur „die Meinung einer kleinen politischen Kaste“.
Reporter ohne Grenzen beobachtet mit Sorge, dass die bei Pegida-Demonstrationen und NPD-Veranstaltungen schon „alltäglich gewordenen Angriffe auf Journalisten jetzt auch bei AfD-Anhängern kein Tabu mehr“ seien. „Hier offenbart sich eine deutliche Diskrepanz zwischen dem propagiertem Selbstbild der Partei und den Einstellungen zumindest eines Teils ihrer Anhänger, bis hin zur Gewaltbereitschaft“, erklärt die Organisation
Seit Januar 2015 zählte Reporter ohne Grenzen in Deutschland insgesamt 22 tätliche Angriffe gegen Journalisten. Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht Deutschland auf Platz 12 von 180 Staaten.