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Finanz-App NumbrsBanking für die Hosentasche

Die Finanzen überall und jederzeit im Blick. Das bietet die Schweizer-App Numbrs. Doch die Nutzer-Zahlen halten sich in Grenzen. Jetzt bietet das Unternehmen neue Zusatzfunktionen an – und plant den Eintritt in die USA.Holger Alich 30.11.2015 - 10:04 Uhr Artikel anhören

Möglicher Mangel: fehlender Datenschutz.

Foto: dpa

Zürich. Schwarzer Rollkragen-Pulli, schwarze Jeans: Wer den Internet-Unternehmer Martin Saidler in der schicken Züricher Zentrale seiner Centralway AG besucht, sieht auf den ersten Blick, wer sein Vorbild ist: Apple-Gründer Steve Jobs. Andere Unternehmer haben teure Kunst an den Wänden, Saidler stellt Jobs erste Rechner wie den Apple II oder den Macintosh unter Plexiglashauben aus.

Und sowie Jobs glaubte zu wissen, was der Kunde will, bevor dieser es selbst wusste, ist auch Saidler von sich und seinem Produkt überzeugt: Die Finanzplanungs-App Numbrs.

Mit der Software für Smartphones können Nutzer ihre Konten bei mehreren Banken verwalten, Überweisungen tätigen; die App ordnet automatisch die Ausgaben Kategorien zu wie „Reisen“ oder „Auto“. Und auf Basis des vergangenen Ausgabe-Verhalten errechnet die App eine Budget-Prognose – auf diese Funktion ist Saidler besonders stolz.

Doch mittlerweile gibt es einen ganzen Strauß solcher Apps, in Deutschland ist die beliebteste jene der Sparkassen. Und die Nutzer-Zahlen halten sich in Grenzen. Laut dem Digitalverband Bitkom nutzen nur vier Prozent aller Deutschen über 14 Jahre solch eine App.

Dennoch denkt Saidler schon an die nächste Stufe: „Ab dem kommenden Jahr wollen wir Mehrwertdienste kostenpflichtig machen“, kündigte er im Gespräch mit dem Handelsblatt an. 

Ausgewählte Banking-Apps im Schnelltest
Kerngeschäft: Eigenes Girokonto mit Kreditkarte. Anmeldung und Nutzung: Einfach anmelden funktionierte hier in den ersten Monaten nicht. Anfangs wurde der Interessent zunächst auf eine Warteliste gesetzt - noch bis September 2015 gab es diesen Umweg. Die eigentliche Anmeldung läuft unkompliziert. Pro: Schnelle Zusendung der Kreditkarte. Gutes Sicherheitsmerkmal: Nach jeder Transaktion mit der Number26-Karte erhält man eine Push-Meldung auf das Smartphone.Kontra: Kreditkarte statt Debit-Karte, daher fallen beim Einsatz der Karte häufig Gebühren an. In der App gibt es keine Verknüpfung mit anderen Konten.
Kerngeschäft: Mobile Banking mit Fokus auf Haushaltsübersicht.Anmeldung und Nutzung: Man verknüpft seine bestehenden Konten mit der App, gibt seine Online-Banking-Zugangsdaten ein und kann direkt auf sein Konto zugreifen. Pro: Automatische Kategorisierung der Ausgaben, die in einem Diagramm angezeigt werden, etwa "Öffentliche Verkehrsmittel". Die App funktioniert mit iOs, Android und im Web-Browser. Kontra: Häufiges Abfragen der Nutzerkennung dient zwar dem Datenschutz, verzögert aber die Nutzung.
Kerngeschäft: Mobile Banking für Sparkassen-Kunden.Anmeldung und Nutzung: Mit einem bereits vorhandenen Online-Banking-Konto der Sparkasse ist sowohl die Anmeldung als auch die Nutzung sehr einfach. Nachdem man seine Login-Daten eingegeben hat, funktioniert die App fast genauso wie die Internetplattform. Pro:Die App ist schnell installiert, durch die bekannte, klar strukturierte Optik fällt die Bedienung leicht. Kontra: Keine automatische Kategorisierung, der Nutzer kann seine Ausgaben nur manuell in Kategorien einteilen.
Kerngeschäft: Mobile Banking mit Fokus auf Haushaltsübersicht. Anmeldung und Nutzung: Die Anmeldung funktioniert ähnlich wie bei den anderen Überblick-Apps: Man verknüpft seine Konten und legt ein Passwort fest. Pro: Das Passwort kann bei einem aktuellen iPhone durch Touch-ID - also durch Erkennung des Fingerabdrucks - ersetzt werden. Das ermöglicht ein schnelles Wechseln zwischen verschiedenen Apps. Im Bereich "Offline-Konten" können ergänzend Barausgaben eingetragen werden. Kontra: Monatliche Kosten in Höhe von 0,99 Euro oder jährlich 8,99 Euro.
Kerngeschäft: Mobile Banking mit Fokus auf Haushaltsübersicht.Anmeldung und Nutzung: Unmittelbar nach der Anmeldung kann man seine Konten mit der App verknüpfen und mit Passwort darauf zugreifen.Pro: Die Ausgaben werden automatisch in einem Haushaltsbuch kategorisiert. Zudem kann der Nutzer auch Barausgaben in Kategorien einteilen. Ein- und Ausgaben werden in Grafiken angezeigt, sobald man das Smartphone dreht. Kontra: Kosten: 4,99 Euro.

Er weiß, dass er dazu den Kunden mehr bieten muss. Daher will er seine Plattform, in die Centralway nach eigenen Angaben rund 30 Millionen Franken investiert hat, weiter ausbauen. „Wir wollen nicht nur Bankkonten anbinden, sondern auch Hypotheken-Kredite, Kredit-Karten, Paypal-Konten und Bonus-Programme wie Miles and More“ kündigt Saidler an. Auch Konten von ausländischen Banken will er an Numbrs anbinden. „Der Kunde soll bei uns die Komplett-Übersicht über seine Finanzen haben.“ Und betont: „Wir bieten Kontrolle, keine Beratung.“

Die Kritik von Finanztest prallt an ihm ab: Die Tester hatten Numbrs mit „mangelhaft“ benotet, weil der Nutzer alle Daten auf die Server von Centralways überspielt - und die Schweizer damit den kompletten Zahlungsverkehr eines Nutzes durchleuchten könnten.

„Im Unterschied zu vielen unserer Wettbewerber stehen unsere Server in Deutschland und unterliegen dem deutschen Datenschutz“, entgegnet Saidler. „Es ist allemal sicherer, die Daten auf unseren Servern zu speichern, als auf dem Handy - denn geht das verloren, sind alle Daten weg.“

Der Unternehmer, der das Jobportal jobinteractive.com aufbaute und an die Metro-Eigner Beisheim Holding verkaufte, will noch weiter gehen: „In den nächsten Jahren planen wir mit Numbrs den Start in Großbritannien und den USA“. In den USA habe er keine Angst vor den Giganten wie Apple und Google, diese würden eigene Zahlungssysteme aufbauen: „Finanzplanung interessiert sie nicht.“

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Saidlers Pläne stoßen bei Experten auf Skepsis. So gibt es in den USA bereits etablierte Finanzplanungs-Software wie Mint, Quickbooks oder Moven. „Um sich neben diesen zu positionieren, müsste ein neuer Wettbewerber schon deutlich besser sein und klare Vorteile bieten“, sagt Til Klein, Partner der Boston Consulting Group und Leiter der Segments Retail Banking Deutschland. Eine europäische Lösung müsste zudem auf die Besonderheiten des US-Marktes zugeschnitten sein; so sind dort Scheck-Zahlungen noch sehr verbreitet.

Auch mit Blick auf die Monetisierung von Zusatzfunktionen ist BCG-Partner Klein vorsichtig. „Die Zahlungsbereitschaft für eine reine Finanzverwaltungsapp, insbesondere für Basisfunktionen wie einen Budgetforecast, sehe ich eher kritisch“, so Klein. Er kann sich allenfalls vorstellen, dass über das Angebot an Beratungs-Diensten der Einstieg in ein Bezahlmodell gelingen könnte.

Beraten will Saidler mit Numbrs aber nicht. Dennoch ist er von seinem Plan überzeugt. „Der Kunde weiß, wenn er etwas Gutes will, dann muss er dafür zahlen.“ Und dass Numbrs gut ist, davon ist Saidler so überzeugt wie einst Jobs von seinen Computern und Smartphones.

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