Kredit-Fintech: Russischer Investor steigt bei Spotcap ein
Spotcap verleiht zwischen 500 und 500.000 Euro an Unternehmen.
Foto: dpaBerlin. Die private Investment-Gesellschaft des russischen Milliardärs Oleg Boyko hat einen Anteil am Fintech Spotcap gekauft. Das Start-up gehört neben Lendico und Zencap zur Rocket Internet-Familie und vergibt Kredite zwischen 500 und 500.000 Euro an kleine und mittlere Unternehmen.
Nach dem Einstieg der Finstar Financial Group von Oleg Boyko hat Spotcap laut seinem Geschäftsführer Toby Triebel nun insgesamt 31,5 Millionen Euro Kapital eingesammelt. Zuvor hatte auch schon Holtzbrinck Ventures investiert. „Das ist die zweitgrößte Fintech-Finanzierungsrunde, die es bisher in Deutschland gab“, sagt Peter Barkow, Gründer der gleichnamigen Unternehmensberatung aus Düsseldorf. Mehr Geld konnte in einer Runde bisher nur Kreditech einsammeln: 82,5 Millionen Euro.
Gegründet wurde Spotcap 2014 in Spanien, hat inzwischen seinen Sitz aber in Berlin und beschäftigt insgesamt etwa 70 Mitarbeiter.
Spotcap will das neue Geld nutzen, um sein Angebot in Spanien, den Niederlanden und Australien auszuweiten. Nach Angabe von Triebel werden auch andere Märkte in Augenschein genommen. Konkreter wollte er nicht werden, man schließe allerdings nicht aus, auch in Russland aktiv zu werden, wo Finstar vor allem in die das Geschäft mit Konsumentenkrediten investiert hat. Auch auf dem deutschen Markt ist das Unternehmen bisher nicht aktiv.
Der Investor Boykos hat sein Vermögen als Banker und in der Stahlindustrie gemacht. Zudem hatte er in Spielautomaten investiert, bevor Glückspiel 2009 durch den russischen Präsidenten Vladimir Putin verboten worden war. Seitdem hat seine Gesellschaft in Unternehmen wie die Kreditplattform 4finance Holding und deren Tochtergesellschaft SMS Finance angelegt.
„Boyko ist längst nicht der erste russische Investor, der in deutsche Fintechs investiert“, sagt Barkow. Er zählt inzwischen knapp 500 Geldgeber in der deutschen Fintech-Szene, neun davon kämen aus Russland. „Damit bilden sie die fünftgrößte Gruppe“, sagt Barkow. Auf Platz ein liegen – wenig überraschend – Finanzierer aus Deutschland.
Die Finanzdienstleistungsbranche steht infolge der Digitalisierung im Wettbewerb mit Start-ups aus der Internetwelt. Sieben der 50 erfolgreichsten Fintech-Firmen kommen aus China. Dies geht aus dem Ranking „Fintech 100“ hervor, das die Unternehmensberatung KPMG und die Investmentgesellschaft H2 Ventures für das Jahr 2015 erstellt haben. Doch auch deutsche Unternehmen sind vertreten.
Den Reigen der Top Ten eröffnet demnach OurCrowd, der weltweit führende Wagniskapitalgeber mit Sitz in Jerusalem. Das Unternehmen, das 2013 gegründet wurde, ermöglicht Investoren auf der ganzen Welt den Zugang zu und das Investment in vielversprechende Start-ups. Gründer Hon Medved zufolge haben bislang rund 1.500 Geldgeber insgesamt 170 Millionen Dollar in 80 Technologiefirmen investiert.
Foto: ScreenshotDas schwedische Unternehmen Klarna bietet Zahlungslösungen für Onlineshop-Betreiber in 18 Ländern an. Auch in Deutschland ist es möglich über „Klarna“ zu bezahlen. Das im Jahr 2005 gegründete Unternehmen ist derzeit 2,25 Milliarden Dollar wert.
Foto: ScreenshotIm Jahr 2014 gegründet, hat sich die britische Atom Bank zur Aufgabe gemacht, die Bankenbranche zu verändern. Das Ziel könnte bald erreicht werden: Bereits jetzt wird der Finanzdienstleister mit dem Online-Vermittlungsdienst Uber verglichen, der die Taxibranche aufmischte. Erst kürzlich hat die spanische BBVA 68 Millionen Dollar in das Unternehmen investiert.
Foto: ScreenshotDer im Jahr 2012 gegründete Finanzdienstleister AvantCredit bietet seinen Kunden Privatdarlehen an. Das Unternehmen konnte im Jahr 2014 Investitionen in Höhe von 75 Millionen Dollar verbuchen.
Foto: ScreenshotDie Aufbauleistung der Kreditech-Gründer ist beachtlich: Sebastian Diemer und Alexander Graubner-Müller haben in nur drei Jahren eines der wenigen deutschen Startups hochgezogen, das auch international wahrgenommen wird. Ende September verkündete das Unternehmen, im Rahmen der dritten Finanzierungsrunde bislang umgerechnet 85 Millionen Dollar eingesammelt zu haben. Das Startup gilt als heißer Börsenkandidat, doch das Geschäftsmodell ist umstritten. Zuletzt räumte Diemer seinen Posten als CEO.
Foto: ScreenshotDie Internet-Konkurrenz der Banken wächst rasant. Neben der US-amerikanischen Plattform Lending Club zählt Funding Circle zu den bedeutenden internationalen Spielern. Seit Oktober steht fest, dass das Unternehmen zudem den schnell wachsenden deutschen Online-Marktplatz für Unternehmenskredite, Zencap, übernimmt. Funding Circle wurde 2010 gegründet und hat nach eigenen Angaben in fünf Jahren Kredite in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar vermittelt.
Foto: ScreenshotDie Kreditvergabe-Plattform bietet monatliche Ratenzahlungslösungen für Studenten und Berufstätige in China – und das mit Erfolg. Die meisten Investments in Asien flossen im vergangenen Jahr unter anderem in Qufenqi: 100 Millionen Dollar.
Foto: ScreenshotDer US-Vermögensverwalter Wealthfront wurde 2011 gegründet. Das Unternehmen, das sich auf langfristige Geldanlage spezialisiert hat, ist führender Robo-Advisor. Nach eigenen Angaben verwaltete Wealthfront im vergangenen Jahr 2,6 Milliarden Dollar.
Foto: ScreenshotDer Krankenversicherer Oscar sammelt die Daten seiner Kunden durch Fitnessarmbänder und Smartwatches ein und zahlt Prämien für einen gesunden Lebenswandel. Das kommt in den USA scheinbar gut an, denn Oscar hat sich einen einflussreichen Partner gesichert: Google investiert in den digitalen Krankenversicherer. Das Start-up aus New York gilt als großes Tech-Versprechen im Versicherungsmarkt und hat einen geschätzten Marktwert von 1,75 Milliarden Dollar.
Foto: ScreenshotDas chinesische Versicherungsstartup wurde erst vor zwei Jahren gegründet. Mit knapp 20 Prozent ist der Onlinehändler Alibaba der größte Anteilseigner. Auch die Ping Insurance Group ist an Zhong An, das sich auf Online-Sachversicherungen spezialisiert hat, beteiligt. Derzeit ist das Unternehmen acht Milliarden Dollar wert.
Foto: ScreenshotNoch recht weit hinten im Ranking, aber dennoch auf Erfolgskurs: das deutsche Unternehmen Spotcap. Nach Lendico und Zencap hat Rocket mit Spotcap 2014 sein drittes Fintech-Startup gestartet. Das Plattform vergibt Mittelstandskredite – vorerst aber nur in Spanien. Sie verspricht eine schnelle und flexible Finanzierung. So soll die Beantragung der Beträge von 500 bis 50.000 Euro nicht länger als fünf Minuten in Anspruch nehmen, wirbt Spotcap.
Foto: Screenshot„Spotcap ist einer der führenden Anbieter im Bereich der Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen“, sagte CEO Nicholas Jordan, CEO von Finstar gegenüber Bloomberg. „Einige unserer bisherigen Investitionen werden dadurch sehr gut ergänzt.“