Modeportale mit Stilberatung: Betreutes Einkleiden
Bequeme Bestellung von zu Hause.
Foto: picture alliance/dpaDüsseldorf. Für viele Männer ist das Shoppen am Samstag eine Qual. Sie wollen nicht durch volle Läden ziehen und nach dem richtigen Sakko oder Anzug und dem dazu passenden Hemd suchen. Von der Kaufunlust der Männer profitieren Online-Portale wie Outfittery oder Modomoto, die einen Online-Einkauf mit Stilberatung anbieten.
„Wir haben im vergangenen Jahr einen signifikanten zweistelligen Millionen-Umsatz erreicht“, sagte Andreas Fischer, Chef von Modomoto und der Curated Fashion Group. „Wir wollen dieses Jahr schnell weiter wachsen und in den neuen Ländern Gas geben.“
Mit den neuen Ländern meint er die Benelux-Staaten und Skandinavien. Denn gerade erst hat Fischer mit seiner Curated Fashion Group in Berlin den niederländischen Konkurrenten The Cloakroom übernommen. Das Amsterdamer Unternehmen hat sich auf diese Länder konzentriert. Modomoto bietet seinen Service nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz an.
Sie setzen gemeinsam auf einen neuen Markt: das sogenannte Curated Shopping, also das betreute Einkaufen mit Stilberatung. Wer ein neues Outfit sucht, beantwortet einen Fragenkatalog zu Größe und Stil. Wer will, telefoniert noch mit einem Stilberater. Dann schicken die Unternehmen Komplett-Sets einschließlich Hemden und Schuhen nach Hause. Der Kunde probiert alles an und zahlt nur das, was ihm gefällt. Den Rest schickt er zurück.
Die beiden Unternehmen wollen davon profitieren, dass der Beratungsbedarf im Modegeschäft wächst. Denn immer mehr Textilläden müssen schließen. Allein von 2004 bis 2013 ist der Unternehmen nach Angaben des Bundesverbands des Deutschen Textileinzelhandels BTE von 29.084 auf 19.921 geschrumpft. Außerdem gibt es in vielen größeren Häusern zu wenige Verkäufer.
Ein Massen- oder Nischenmarkt?
„Der Europäische Modemarkt für Männer hat ein Volumen von rund 100 Milliarden Euro“, sagt Julia Bösch, Mitgründerin und Geschäftsführerin von Outfittery. „Davon wollen wir uns als Europas größter Anbieter ein gutes Stück abschneiden.“ Auch Modomoto-Chef Fischer sieht in dem Markt ein „Milliarden-Potenzial“.
Solche Euphorie bremst Martin Groß-Albenhausen. „Es ist ein Nischenmarkt im Onlinegeschäft“, sagt der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands E-Commerce und Versandhandel (BEVH) in Berlin. „Das Marktpotenzial dürfte in Europa bei einem mittleren dreistelligen Millionenumsatz liegen.“ Das ist nicht viel bei einem Gesamtumsatz im Onlinehandel mit Mode, der in Deutschland laut BEVH 2015 rund zehn Milliarden Euro erreichte.
Aber Groß-Albenhausen räumt ein, dass der Markt sehr lukrativ ist. Es gibt keine Rabattaktionen wie sonst im Online-Modegeschäft. „Die Anbieter kommen auf eine Marge wie ein Herrenausstatter.“ Die Marge muss schließlich auch die Beratungsleistung decken. So beschäftigt etwa die 2012 gegründete Outfittery inzwischen 150 Stylisten.
Das Geschäftsmodell lockt auch Unternehmen wie Mey & Edlich. Die Männermode-Marke, die zum Spezialversender Walbusch aus Solingen gehört, wirbt seit letztem Sommer mit dem Motto „Wir ziehen an“ für ein „ganz persönliches Männerpaket“. Der Service kommt offensichtlich an. Zumindest musste Mey & Edlich das Team schon aufstocken.
Einige Männer wollen ab und zu noch persönlich beraten werden wie früher.
(Foto: PR)
Foto: HandelsblattDer ein oder andere hat sich jedoch schon wieder aus dem Markt zurückgezogen. Das Düsseldorfer Textilkaufhaus Peek & Cloppenburg hat sein Modell des Curated Shopping, die „Stilbox“, im vergangenen Dezember nach einer neunmonatigen Testphase wieder eingestellt. Zwar hätten zahlreiche Kunden das Angebot der Stilbox nachgefragt, „das Gesamtinteresse blieb dennoch hinter den Erwartungen“, begründet P&C den Rückzug.
Beratung auch offline
Die Spezialisten Fischer und Bösch sehen das selbstverständlich anders. „Wir haben 2015 unseren Umsatz mehr als verdoppeln können“, berichtet Outfittery-Geschäftsführerin Bösch. „Eine ähnliche Steigerung erwarten wir für 2016.“ Fischer setzt bei Modomoto nach der Übernahme von The Cloakroom auf Synergieeffekte. So können die Niederländer künftig auch das Speziallager von Modomoto in Berlin nutzen. Außerdem erhofft er sich bessere Konditionen bei den Modemarken, weil mit The Cloakroom das Einkaufsvolumen wächst.
Aber ganz auf die Ferndiagnose wollen sich die Shoppingberater doch nicht verlassen. Modomoto betreibt in Berlin einen sogenannten „Fitting Room“ und Outfittery einen Showroom. Dort können die Kunden einen Termin mit einem Stilberater vereinbaren, um bei einem Glas Prosecco das neue Outfit anzuprobieren.