„Hans im Glück“ und „Peter Pane“: Heißer Kampf am Gourmet-Grill
Innerhalb von nur fünf Jahren wuchs die Kette mit frischen Burgern, abendlichen Cocktails und freundlichem Ambiente auf zuletzt 90 Millionen Euro Umsatz.
Foto: dpaMünchen/Hamburg. Der erste Gang führt in die Küche. Nicht nur weil Thomas Hirschberger selbst ausgebildeter Koch ist, wirft er im „Hans im Glück“-Restaurant in der Münchener Innenstadt erst einmal einen Blick hinter die Kulissen. Alles blitzblank, der Gründer ist zufrieden. Kontrolle ist in der franchisegetriebenen Systemgastronomie alles. Manche Ketten sind zu schnell gewachsen. Bei Burger King gab es großen Ärger mit einem Partner, bei Vapiano Berichte über Qualitätsprobleme. Hirschberger beteuert: „Wir sind noch nicht so groß, dass die Qualität nicht mehr kontrollierbar wäre.“
Doch auch er hatte zuletzt Ärger mit einem Franchisenehmer. Selbst wenn es da um Eigenmächtigkeit und nicht um fehlende Qualität ging. Hirschberger trennt sich gerade von seinem wichtigsten Partner Patrick Junge, der zuletzt mit seinen Filialen immerhin 30 Prozent des Umsatzes beisteuerte. Schlimmer noch: Junge will „Hans im Glück“ jetzt mit einer eigenen Kette Konkurrenz machen.
Junge legt dafür gerade die Axt an: Die „Hans im Glück“-typischen dekorativen Birkenbäume kommen raus aus seinen zwölf Filialen, Echtholzboden in Schwalbenschwanzoptik hinein. 200.000 Euro lässt er sich den Umbau jedes Restaurants kosten. Unter der Marke „Peter Pane“ will er Marktführer „Hans im Glück“ nun Konkurrenz machen und weitere Filialen eröffnen. Das Fernduell um die Boombranche Edelburger ist eröffnet.
„Hans im Glück“ war bisher eine einzigartige Erfolgsgeschichte. Innerhalb von nur fünf Jahren wuchs die Kette mit frischen Burgern, abendlichen Cocktails und freundlichem Ambiente auf zuletzt 90 Millionen Euro Umsatz, während Burger King und McDonald’s Marktanteile verloren. Die Birkenstämme in den Restaurants sind inzwischen ein bekanntes Markenzeichen.
Einheitlichkeit ist bei einer Kette Pflicht. Doch habe Junge eigene Produkte wie Kuchen und Joghurt angeboten und sei auch beim Marketing von der allgemeinen Linie abgewichen, klagt Hirschberger. „Das ging anderen Franchise‧nehmern tierisch auf den Geist.“ Die Trennung sei unumgänglich gewesen. „Er passte nicht mehr in die Familie. Ich bin persönlich enttäuscht.“ Junge entgegnet, als Hanseat halte er sich an Verträge. Er wolle aber keine schmutzige Wäsche waschen.
Den Rückschlag durch die Trennung von Junge, dessen Restaurants teils an prestigeträchtigen Lagen wie der Berliner Friedrichstraße liegen, will Hirschberger in naher Zukunft mehr als ausgleichen. „Wir legen beim Wachstum noch einmal nach“, kündigt er im Gespräch mit dem Handelsblatt an. Allein im ersten Halbjahr will er 20 neue Restaurants eröffnen.
Bis Jahresende sollen dann 50 Filialen hinzukommen, so dass „Hans im Glück“ über mehr als 80 Ableger verfügen würde. Das Potenzial in Deutschland sieht Hirschberger bei bis zu 500 Filialen. „Das könnte eine Größenordnung für uns sein.“
Auch das Ausland nimmt Hirschberger ins Visier. Demnächst eröffnet die erste Filiale in Kufstein. Geplant ist die weitere Expansion ins deutsch- und englischsprachige Ausland in Kooperation mit Partnern vor Ort.
Hamburger, ist Hirschberger überzeugt, sind ein Evergreen. Schon in seiner Kette Sausalitos war der Burger das meistverkaufte Produkt. „Der Hamburger war nie weg“, meint der Gastronom, der selbst fünfmal die Woche Hamburger isst, wie er sagt. Testweise in den eigenen Restaurants oder bei der Konkurrenz.
Sollten die Wachstumspläne aufgehen, würde sich „Hans im Glück“ unter den größten Systemgastronomen in Deutschland etablieren. Klarer Marktführer ist trotz Wachstumsproblemen laut Fachzeitschrift „Food-Service“ mit etwa drei Milliarden Euro Umsatz McDonald’s. Um in die Top Ten zu kommen, waren 2014 etwa 180 Millionen Euro Umsatz notwendig, für „Hans im Glück“ wohl allenfalls eine Etappe. „Das Wachstum ist ambitioniert“, warnt eine Branchenkennerin. Die Marke „Hans im Glück“ sei aber stark. Abspaltungen wirtschafteten hingegen bislang selten erfolgreich, weil ihnen die etablierte Marke fehle. So ist etwa aus den Reihen der zahlreichen fahnenflüchtigen Subways-Partner keine neue große Baguette-Kette entstanden.
Hirschbergers neuer Konkurrent Junge will auf Qualität setzen: Geflügel von frei laufenden Tieren aus dem Emsland, Angusrind aus Deutschland. Zudem plane er ein breiteres Sortiment, um Frauen intensiver anzusprechen: mehr Salat, vegetarische Burger, vegane Mayonnaise. Backwaren sollen mittelfristig aus der 170 Filialen starken Familienbäckerei Junge kommen, die seit Holger Junges Ausscheiden aus der Geschäftsführung 2012 allein von dessen Cousin geführt wird. Fünf bis sechs Peter-Pane-Restaurants will Junge im Jahr eröffnen, vielleicht später noch jährlich zwei weitere mit Franchisepartnern. „Das ist unser Tempo, alles, was wir tun, ist auf Langfristigkeit ausgerichtet.“
„Hans im Glück“-Gründer Hirschberger glaubt nicht, dass sein hohes Wachstumstempo zulasten der Qualität gehen könnte. Das Tempo sei bei der Kontrolle nicht entscheidend, sondern Sorgfalt. „Das Qualitätsversprechen gilt auch für die nächsten 1 000 Läden.“ Dabei helfen Zulieferer wie der Hamburger Fleischexperte Block House.
In einem sind sich Hirschberger und Junge einig: Hauptkonkurrent ist nicht McDonald’s. „Dazwischen liegen Welten“, sagt der „Hans im Glück“-Gründer. Seine Kette biete Gourmet-Burger an und stehe für Slow Food. Der US-Konzern habe derzeit Wachstumsprobleme, doch habe der Gigant noch immer die Kurve geschafft. „McDonald’s ist für die nächsten 100 Jahre ein Marktteilnehmer.“
Und auch die beiden Kontrahenten wollen selbst als Kapitäne auf der Brücke bleiben. Immer wieder gebe es Offerten von Private-Equity-Firmen, sagt Hirschberger. Auf absehbare Zeit wolle er aber nicht verkaufen: „Mir macht es Spaß.“ Auch da ist er sich mit Junge einig, der den Neustart aus seiner Lübecker Zentrale mit viel Energie in kurzer Zeit stemmt. Denn beide sind erfahrene Unternehmer: Hirschberger machte einst die Kneipenkette Sausalitos zu einem bundesweiten Erfolg, Junge die Familienbäckerei für den Wettbewerb mit Billigketten fit. Vielleicht hat ihr Streit ja auch eine ganz profane Ursache: Die beiden Machertypen sind sich schlichtweg zu ähnlich.