1. Startseite
  2. Technologie
  3. Forschung + Innovation
  4. Rohstoffe am Meeresboden: Der Schatz in der Tiefsee

Rohstoffe am MeeresbodenDer Schatz in der Tiefsee

Am Meeresboden lagert ein riesiger Rohstoff-Schatz: Manganknollen. Die kleinen Klumpen enthalten Metalle wie Kupfer, Nickel und Kobalt. Eine deutsche Expedition geht nun auf Schatzsuche. Doch lohnt sich der Aufwand überhaupt?Regine Palm 18.04.2016 - 12:45 Uhr Artikel anhören

In den zurückliegenden Jahren ist die Suche in der Tiefsee von vielen Staaten vorangetrieben worden, obwohl ein Abbau der Meeresrohstoffe heute wirtschaftlich noch gar nicht möglich ist.

Foto: dpa

Düsseldorf. Sie sind gerade einmal so groß wie Kartoffeln, tragen aber einen wahren Schatz in sich: Manganknollen. Im Inneren der kleinen Klumpen lagern wertvolle Rohstoffe, darunter vor allem Industriemetalle wie Kupfer, Nickel und Kobalt. Daneben finden sich aber auch Konzentrationen von selteneren Metallen wie Molybdän, Lithium und Neodym, die etwa in der Elektronik und Elektrotechnik heiß begehrt sind. Das Problem: Die Manganknollen, die nur sehr langsam wachsen, sind nur schwer zu fördern – sie lagern in der Tiefsee.

Eine Gruppe von zwölf Wissenschaftlern will nun für Deutschland den Schatz erkunden. Die Mitarbeiter der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) brachen gerade mit dem amerikanischen Forschungsschiff „Kilo Moana“ in den Zentralpazifik auf. Ihr Ziel ist der Manganknollengürtel, der in rund 5000 Meter Tiefe zwischen Hawaii und Mexiko liegt.

Deutschland hält dort eine Lizenz, die Milliarden wert sein könnte. Die Expedition soll darüber mehr Klarheit bringen: „Ein Faktor dabei ist die Belegungsdichte mit Manganknollen“, sagt Christian Reichert, Leiter des Bereichs Marine Rohstoffforschung bei der BGR. Der Wert schwanke mit den Preisen an den internationalen Rohstoffmärkten. Aktuell wird davon ausgegangen, dass der potenzielle Wert des deutschen Lizenzgebiets sechs bis zehn Milliarden Dollar beträgt.

Dieser Schatz lockt nicht nur die Deutschen. In den zurückliegenden Jahren ist die Suche in der Tiefsee von vielen Staaten vorangetrieben worden, obwohl ein Abbau der Meeresrohstoffe heute wirtschaftlich noch gar nicht möglich ist. Weltweit hat die Internationale Meeresbodenbehörde (ISA) in Jamaika fast 30 Lizenzen vergeben. Neben Deutschland auch an China, Frankreich, Indien, Japan, Russland, Südkorea, Kuba sowie einen Zusammenschluss mehrerer osteuropäischer Staaten.

Wunsch nach Versorgungssicherheit

Getrieben wird die Suche nach mineralischen Rohstoffen vom Wunsch nach Versorgungssicherheit der Industrie, insbesondere mit strategisch wichtigen Metallen. „Unter dem Aspekt der wirtschaftlichen Verwertbarkeit und der langfristigen Sicherung des Zugangs zu Metallrohstoffen sind vor allem Vorkommen von Manganknollen, kobaltreichen Manganerzkrusten, Massivsulfiden und Phosphoritknollen von großem Interesse“, heißt es etwa bei der Deep Sea Mining Alliance (DSMA), die im April 2014 gegründet wurde.

Zu ihr gehören namhafte Unternehmen wie zum Beispiel der Maschinenbaukonzern Bauer, aber auch Institute wie die TU Clausthal. Ziel ist es, die Versorgung gerade mit Metallen zu sichern und – wie es die DSMA beschreibt – „neue eigene Rohstoffquellen“ zu finden.

Die Knolle aus der Tiefsee enthält unter anderem Mangan, Kobalt, Kupfer und Seltene Erden.

Foto: dpa

Auch wenn aktuell an den meisten Rohstoffen kein Mangel besteht, kann sich dies schnell ändern. „Es werden in Zukunft mehr metallische Rohstoffe benötigt“, prognostiziert Josef Auer von der Deutschen Bank, mit Blick auf die wachsende Weltbevölkerung. Daher sei es trotz niedriger Rohstoffpreise der richtige Zeitpunkt für solche Expeditionen. „Gleichwohl wird der Meeresbergbau vor allem ein Thema für die nächste Generation sein“, urteilt Auer.

Deutschland forciert daher die Suche und hält inzwischen zwei Lizenzen. Grundlage für die neue Expedition, die 42 Tage dauern wird, ist ein Vertrag mit der Internationalen Meeresbodenbehörde in Jamaika, der 2006 geschlossen wurde. Seit 2015 hat die Bundesrepublik zudem eine Explorationslizenz für Massivsulfide im Indischen Ozean. Das deutsche Lizenzgebiet im Pazifik umfasst insgesamt 75.000 Quadratkilometer und ist verteilt auf zwei Areale mit 17.000 und 58.000 Quadratkilometern, die sogenannten Manganknollengürtel. Die Wissenschaftler waren bereits achtmal vor Ort.

Wann ist der Abbau wirtschaftlich?

Bisher hat die Bundesrepublik in die Untersuchung des Meeresbodens nach den Worten Reicherts etwa 25 bis 30 Millionen Euro investiert. „Es sind Zukunftsinvestitionen – sehr langfristige Investitionen in einen risikobehafteten Bereich“, betont der BGR-Experte. Die deutschen Lizenzen im Manganknollengebiet laufen noch bis 2021. Bis dahin müsse sich zeigen, ob der Tiefseebergbau möglich und sinnvoll ist.

Bisher wurde noch nicht im industriellen Maßstab nachgewiesen, wie die Metalle aus den Manganknollen mit Gewinn gelöst werden können. Stark umstritten sind zudem die Auswirkungen auf das Leben am Meeresboden. Auch hier untersuchen deutsche Wissenschaftler den Einfluss des maritimen Bergbaus.

Verwandte Themen
Deutschland

Ab wann der Abbau wirtschaftlich ist, hängt darüber hinaus von der Entwicklung der internationalen Rohstoffmärkte ab. „Aktuell liegt der Meeresbergbau knapp unter der geschätzten Gewinngrenze“, sagt BGR-Experte Reichert. Bis Mitte März haben sich die Preise wichtiger Industriemetalle wie Kupfer zwar wieder erholt, zuvor hatten sie allerdings mehrjährige Tiefs gesehen. Auch an Land haben daher große Minengesellschaften wie BHP Billiton oder Rio Tinto Investitionen zurückgestellt oder ganz gestrichen.

Die Marktteilnehmer hoffen nun vor allem auf eine wirtschaftliche Erholung in China. Mit seinem immens hohen Bedarf hatte das Land schon einmal für kräftig steigende Preise an den Rohstoffmärkten gesorgt. Die Commerzbank schließt zwar kurzfristige Rückschläge in ihrer jüngsten Metallpreisprognose nicht aus, mittel- bis langfristig sind die Analysten aber von höheren Metallpreisen überzeugt, „da an vielen Märkten zum einen das Angebot eingeschränkt werden dürfte und zum anderen die Nachfrage zulegen sollte“.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt