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Infineon beliefert LenovoDie kleinste 3D-Kamera der Welt

Eine neue Mini-Kamera von Infineon bringt die dritte Dimension aufs Smartphone. Lenovo baut das System jetzt erstmals in ein Handy ein. Das soll für das Mobilfunk-Geschäft des Dax-Konzerns aber nur der Anfang sein.Joachim Hofer 10.06.2016 - 11:50 Uhr Artikel anhören

Die gesamte Elektronik ist kaum größer als die Spitze eines Streichholzes.

Foto: Infineon

München. Virtuelle Dinosaurier trampeln durchs Kinderzimmer, wie aus dem Nichts schwebt die neue Kommode in den Flur, die eben noch blütenweiße Wand zieren auf einmal bunte Regale. In der sogenannten Augmented Reality lassen sich künstliche Gegenstände in die wirkliche Welt einblenden. Inzwischen braucht es dazu keine Großrechner mehr und auch keine Spezialkameras. Mit einer zukunftsweisenden Technik des Halbleiterherstellers Infineon kommt die dritte Dimension auf jedes Smartphone.

Am Donnerstagabend hat Lenovo als erster Hersteller ein Handy mit der neuen 3D-Kamera des Dax-Konzerns vorgestellt. Infineon zufolge ist es die kleinste 3D-Kamera der Welt. Der eher sperrige Name des Mobiltelefons: Phab 2 Pro.

Für Infineon soll das Geschäft mit dem chinesischen Elektronikkonzern aber nur der Anfang sein. Die Münchener rechnen fest damit, dass ihre Kamera in zahllose weitere Handys verschiedenster Anbieter eingebaut wird. Denn sie ist Teil des Projekts „Tango“ von Google, einem neuen Konzept, das Handys eine räumliche Wahrnehmung verleiht.

Mit seinem Betriebssystem Android beherrscht Google einen Großteil der Mobilfunkwelt. Entsprechend zuversichtlich ist Infineon für die Kamera: „Das wird hoffentlich fester Bestandteil von Android und bietet uns dementsprechend große Absatzchancen“, betont Infineon-Manager Matthias Halsband.

30 Jahre Lenovo
Eine Gruppe von elf chinesischen Wissenschaftlern gründet die Firma unter dem Namen Legend. Die Chinesische Akademie der Wissenschaften hilft mit einem Darlehen und Räumen. Anfangs verkauft die Firma die Geräte anderer Hersteller, 1990 baute sie eine eigene Fertigung auf.
Im Februar 1994 geht Lenovo in Honkong zu einem Preis von 1,33 Hongkong-Dollar pro Aktie an die Börse, Börsenkürzel: LNVGY.
1997 ist Legend der größte PC-Hersteller in China. Doch das Unternehmen will international expandieren. Da der Name Legend in einigen Märkten bereits besetzt ist, benennt es sich um in Lenovo. Darin steckt noch etwas vom alten Namen, es deutet aber auch auf das Neue.
Das Thinkpad ist der Favorit der Manager, dennoch will sich IBM von seiner PC-Sparte mit dem legendären Laptop trennen. Lenovo übernimmt das Geschäft für 1,75 Milliarden Dollar.
Auch in Deutschland suchte sich Lenovo Verstärkung: Der Konzern übernahm den Elektronikhersteller Medion, der sich vor allem durch den Verkauf beim Discounter einen Namen gemacht hat. Kaufpreis: 630 Millionen Euro.
Lenovo stellt bereits unter eigenem Namen Smartphone und Tablets her, mit Motorola kauft der Konzern einen Hersteller hinzu, der auch im Westen einen bekannten Namen hat – wenn auch nicht mehr viel Marktanteil. Zusammen sind sie drittgrößter Smartphone-Hersteller der Welt.
Und wieder übernimmt Lenovo ein schwieriges Geschäft von IBM: Das chinesische Unternehmen kauft die Serversparte. Die Mainframes behält IBM aber.

Die 3D-Kamera vermisst die Umgebung per Laser. Kernstück ist ein Sensor, der die zurückkehrenden Strahlen erfasst. Entscheidend für das Bild ist dabei, wie lange das Licht unterwegs ist. „Ein wesentlicher Vorteil der aktiven Beleuchtung: Das System ist fast völlig unabhängig vom Umgebungslicht“, erklärt Infineon-Entwickler Martin Gotschlich. Um die komplexe Technik zu perfektionieren, hat sich Infineon mit PMD Technologies verbündet, einem jungen Unternehmen aus Siegen.

PMD-Chef Bernd Buxbaum schwärmt: „Die Anwendungsmöglichkeiten sind riesig. Sie reichen von Spielen bis hin zur Indoor-Navigation und der 3D-Vermessung von Objekten und ganzen Räumen.“ In der Tat: Wer wissen will, ob der neue Schrank auch tatsächlich in die Lücke in der Wand passt, der kann den Meterstab jetzt getrost im Werkzeugkasten stecken lassen. Einmal das Handy gezückt, und die Frage ist geklärt.

Oder der Besuch im Museum: Mit der neuen 3D-Kamera erkennt das Mobiltelefon sofort, wo sich der Gast befindet. Einmal abfotografiert, merkt sich das System den Grundriss. Entsprechend können Neugierige alle Informationen zu den Ausstellungsstücken direkt vor ihnen abrufen. Damit könnten auch Käufer durch Supermärkte navigieren oder Mitarbeiter durch die langen Gänge ihrer Firma geleitet werden.

Sperriger Namen, innovative Technik.

Foto: Infineon

Die gesamte Elektronik ist kaum größer als die Spitze eines Streichholzes. „Die größten Pluspunkte des Chips: Er ist klein, stromsparend und liefert schnell präzise und robuste Ortsdaten“, unterstreicht Entwickler Gotschlich. Wie viele Kameras Infineon in den nächsten Jahren absetzen möchte, will der Konzern nicht verraten. Das Unternehmen beteuert lediglich, dass Infineon bislang der einzige Anbieter weltweit sei, der den Bildsensorchip gemäß den Anforderungen von Google anbietet.

Experten schätzen, dass pro Jahr etwa 150 Millionen Oberklasse-Smartphones mit dem Betriebssystem Android über die Ladentheken gehen. Für günstigere Handys, die nur gut 200 oder 300 Euro kosten, ist das System noch zu aufwändig. Doch das Potenzial ist enorm. Die Marktforscher von Gartner rechnen damit, dass sich die Menschen dieses Jahr weltweit rund 1,5 Milliarden neue Smartphones zulegen. Das entspricht einem Plus von sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich Infineon mit Google verbündet. Mitte Mai haben die Partner bereits ein System vorgestellt, mit dem sich Elektrogeräte mit Gesten steuern lassen. Infineon vollzieht bei der Partnerschaft mit Google eine strategische Wende. Vor fünf Jahren hatte der Konzern seine Handy-Sparte an Intel verkauft. Damit schien sich Deutschlands größter Chiphersteller endgültig aus dem Mobilfunkgeschäft zu verabschieden. Doch es kam anders. Inzwischen beliefern die Münchener die Telefonhersteller wieder im großen Stil. Von Apple über Huawei und Lenovo bis Samsung stehen alle bekannten Namen der Branche in der Kundenkartei.

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Allerdings: Infineon ist weit davon entfernt, das einstmals umfassende Mobilfunkgeschäft wieder aufleben zu lassen. Bis Anfang des Jahrzehnts haben die Bayern praktisch das komplette Innenleben eines Telefons angeboten. Gegen wesentlich größere Wettbewerber wie den US-Konzern Qualcomm tat sich die ehemalige Siemens-Tochter aber zunehmend schwer. Daher war der damalige Vorstandschef Peter Bauer heilfroh, als Intel Anfang 2011 mehr als eine Milliarde Euro für den Bereich bezahlte.

Nun beliefert Infineon die Handyproduzenten wieder – aber eben nur in ausgewählten Bereichen, in denen der Konzern eine führende Position einnimmt. Das sind insbesondere Chips für Handy-Ladegeräte, aber auch Mikrofone und Signalverstärker.

Nun kommt die 3D-Kamera hinzu. Die wird allerdings nicht nur den Handyproduzenten angeboten. Die Technik lasse sich auch gut zur Fahrerüberwachung im Auto oder zur Gestenerkennung im Fahrzeug anwenden, ist Infineon-Manager Halsband überzeugt. Das neue Lenovo-Telefon kommt im September in die Läden und wird 499 Euro kosten.

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