1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Handel + Konsumgüter
  4. Omnibrand-Chef Patrick Andrist: „Umgang mit Streikenden in Bangladesch ist menschenverachtend“

Omnibrand-Chef Patrick Andrist„Umgang mit Streikenden in Bangladesch ist menschenverachtend“

Patrick Andrist kauft Mode für Hersteller wie Bogner und Bench, aber auch für Händler wie Peek & Cloppenburg und Zara. Der Chef der Firma Omnibrand in Hongkong über unfaire Produktionsbedingungen in Bangladesch, Kontrollen und Preise.Florian Kolf und Georg Weishaupt 10.01.2017 - 16:10 Uhr Artikel anhören

Der Chef von Omnibrand will Pilotprojekte in Bangladesch initiieren.

Foto: Thomas Lohnes

Herr Andrist, haben Sie Verständnis für die protestierenden Arbeiter in Bangladesch?
Absolut. Weil Löhne zum Leben reichen müssen. Das ist in vielen Fabriken dort aber bei weitem noch nicht der Fall.

Es gab als Reaktion auf die Streiks Entlassungen und Festnahmen. Ist das der richtige Weg, damit umzugehen?
Das ist menschenverachtend. Und das ist genau der Grund, warum wir sicherstellen möchten, solchen Ausbeutern keine Aufträge zu geben.

Sind auch Fabriken betroffen, mit denen Sie arbeiten?
Nein.

Gefordert wird die Erhöhung des Mindestlohns. Was halten Sie davon?
Der gesetzliche Mindestlohn ist auch in Bangladesch eine politische Entscheidung. Über 80 Prozent der Arbeiter in den Firmen, mit denen wir arbeiten, verdienen deutlich mehr. Und es geht ihnen besser: geregelte Arbeitszeiten, Sicherheitsstandards, Gesundheitsvorsorge.

Können Textilien trotz des Preiskampfs in der Branche überhaupt unter fairen Bedingungen gefertigt werden?
Ich bin davon überzeugt, dass man heute in asiatischen Fabriken wirtschaftlich produzieren kann, die unter menschenwürdigen Bedingungen arbeiten. Im Markt für Discountmode jedoch frage ich mich auch manchmal, wie diese Anbieter ihre Textilien produzieren lassen. Da wundere ich mich, dass einige Firmen die Textilien so günstig anbieten können.

Warum wird nicht mehr unternommen, um verantwortungsbewusst zu fertigen?
Vielleicht weil die Quartalszahlen für börsennotierte Unternehmen wichtiger sind, als die Produktionsbedingungen zu verbessern.

Aber Sie glauben und zeigen doch, dass Verbesserungen möglich sind, oder?
Absolut. Aber man muss es eben auch wollen, das ist der entscheidende Punkt.

Bangladesch

Das Schmuddelkind der globalen Textilindustrie

Geht also das Geschäft vor dem Gewissen?
Ja, Stand heute ist das so. Der Druck auf die Modeunternehmen wird aber immer höher, etwas in den Fabriken zu verändern. Dem kann sich langfristig kein seriöses Unternehmen entziehen, davon bin ich überzeugt.

Fertigen Billigmarken also vor allem in Werken, die nicht die internationalen Standards einhalten?
Nein, das heißt es nicht. Sie können auch nicht davon ausgehen, dass Premiummarken immer in einwandfreien Fabriken produzieren lassen. Sie können auch ihre Premium-Ware in Italien von schlecht bezahlten Arbeitern aus China fertigen lassen.

Die Kunden können also noch nicht einmal am Preis erkennen, ob die Ware unter fairen Bedingungen gefertigt wurde?
Das ist leider so.

Können Sie das denn wirklich garantieren?
Wir arbeiten seit über 20 Jahren in Fernost, in China, in Pakistan, Indonesien, Bangladesch und haben Techniker und Leute für Qualitätssicherung vor Ort. Wir sehen, wie die Mitarbeiter behandelt werden. Das ist der Vorteil gegenüber einer Modemarke oder einem Modehändler, der die Ware von Deutschland aus bestellt und hoffen muss, dass die Ware auch so produziert wird, wie er denkt, dass sie produziert wird.

Viele Händler betonen, dass sie die Anforderungen an Produktionsbedingungen in den Lieferverträgen verankern.
Es reicht nicht, so etwas auf ein Stück Papier zu schreiben. Man muss die Produktion vor Ort kontrollieren.

Aber absolute Sicherheit gibt es nicht?
Es passiert da inzwischen viel. Aber es ist noch nichts perfekt. Es ist ein langer Weg. Bangladesch ist im Textilbereich in den vergangenen 15 Jahren stark gewachsen. Da gab und gibt es auch viele schwarze Schafe, weil es relativ einfach ist, eine Fabrik aufzubauen: Man kauft ein paar Nähmaschinen und los geht’s.

Verwandte Themen
Bangladesch
China
Mindestlohn

Sie wollen die Arbeitsbedingungen in vier Fabriken in Bangladesch verbessern, die Ihnen nicht mal gehören. Warum?
Es ist wichtig, dass jeder die Verantwortung für seine Tätigkeit in der Modebranche übernimmt. Dass dies wichtig ist, hat spätestens der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza vor mehr als drei Jahren gezeigt. Wir wollen als Agentur, die für viele Marken von Peek & Cloppenburg bis Zara die Ware in Fernost beschafft, unseren Beitrag dazu leisten.

Was haben Sie bisher erreicht?
Wir haben erst mal die Fabriken mit Fachleuten analysiert und dann die ersten Programme in den vergangenen sieben bis acht Monaten eingeführt. Wir haben etwa bei einer Fabrik den Wasserverbrauch von 290 auf 179 Liter pro Kilogramm produzierter Textilien senken können. Aber auch bei der Verringerung des CO2-Ausstoßes und bei der Gesundheit der Mitarbeiter haben wir große Fortschritte erzielt.

Herr Andrist vielen Dank für das Interview.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt