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Apple-ZuliefererberichtWie viel Kongo darf in einem iPhone stecken?

Der IT-Konzern Apple dokumentiert die Lieferkette für seltene Metalle – mehr als 30 davon stecken in einem iPhone. Firmen, die sich nicht dauerhaft an die Regeln des Unternehmens halten, droht der Ausschluss.Christof Kerkmann 27.03.2017 - 17:19 Uhr Artikel anhören

Das seltene Metall kommt in den Akkus von Smartphones, Laptops und Elektrofahrzeugen zum Einsatz.

Foto: Bloomberg

Düsseldorf. Kobalt ist ein wichtiges Element für die vernetzte Welt: Das seltene Metall kommt in den Akkus von Smartphones, Laptops und Elektrofahrzeugen zum Einsatz. Allerdings wird es oft unter menschenunwürdigen Bedingungen gewonnen. So beklagte die Menschenrechtsorganisation Amnesty International 2016, dass bedeutende Elektronikhersteller wie Apple, Samsung und Sony den Einsatz von Kobalt aus Kinderarbeit nicht ausschließen können.

Der iPhone-Hersteller aus Cupertino in den USA will die Herkunft nun genau kontrollieren: Im neuen Zuliefererbericht, dem „Supplier Responsibility Progress Report“, dokumentiert er zum ersten Mal seine Lieferkette für das Metall vollständig. „Alle Zulieferer werden von unabhängiger Seite überprüft“, sagte die zuständige Apple-Managerin Paula Pyers dem Handelsblatt. Unternehmen, die sich dauerhaft nicht an die Standards halten, drohe die Beendigung der Geschäftsbeziehung.

Menschenrechtsorganisationen loben die Bemühungen, mahnen aber weitere Verbesserungen an. „Es ist ein wichtiger Schritt, dass sich Apple damit befasst“, sagt Johanna Sydow, Referentin für Ressourcenpolitik und die IT-Branche beim Verein Germanwatch. „Man muss aber genau schauen, wie es umgesetzt wird.“ Sie fordert zudem, die Initiative auf weitere Rohstoffe wie Kupfer auszuweiten – auch hier gebe es zahlreiche Menschenrechtsverstöße. Die Organisation Amnesty International, drängt derweil darauf, konsequent durchzugreifen, wenn solche Verstöße entdeckt werden.

Die Lieferkette der Elektronikbranche ist komplex. In Smartphones stecken bis zu 30 verschiedene Metalle: Gold, Platin, Wolfram und Zinn beispielsweise und viele weitere mehr. Ein Teil der Materialien wird unter fragwürdigen Umständen gewonnen: So stammen bestimmte Stoffe mehrheitlich aus der Demokratischen Republik Kongo, wo sich einige Kriegsherren mit dem Handel finanzieren. Amnesty International beklagte 2016 zudem die gefährlichen Arbeitsbedingungen.

Woher die Rohstoffe stammen, lässt sich aber nur schwer nachvollziehen: An der Gewinnung sind zahlreiche Firmen beteiligt, vom Abbau der Erze über Sammlung und Transport bis zur Herstellung der verschiedenen Komponenten. Selbst die Firma Fairphone, die Konfliktrohstoffe so weit wie möglich meidet, kann nach eigenen Angaben immer noch nicht vollständig darauf verzichten.

Seit einigen Jahren steigt der Druck auf die Unternehmen, sich um mehr Transparenz zu bemühen. So sind in den USA Elektronikhersteller durch den Dodd-Frank-Act verpflichtet, auf bestimmte Rohstoffe zu verzichten, die den Bürgerkrieg im Kongo finanzieren – das betrifft beispielsweise Gold, Tantal, Wolfram und Zinn. Die Europäische Union hat im November eine Konfliktrohstoff-Verordnung verabschiedet, deren Umsetzung aber noch nicht im Detail feststeht.

Für die Konfliktrohstoffe Gold, Tantal, Wolfram und Zinn dokumentiert Apple bereits die Lieferkette vollständig, nun kommt Kobalt hinzu – damit ist der iPhone-Hersteller in der Elektronikbranche ein Vorreiter. Er verzichtet aber bewusst nicht vollständig auf Erze aus dem Kongo. „Wir glauben fest daran, dass man nicht komplette Regionen ausschließen sollte“, sagt Pyers. Ein Boykott würde vielen Menschen die Lebensgrundlage rauben und könnte somit den Konflikt sogar verschärfen.

Apple nimmt Arbeitsbedingungen unter die Lupe

Apple versuche, so lange wie möglich mit Unternehmen zusammenzuarbeiten, sagt Pyers. „Aber wenn es klar wird, dass ein Zulieferer unsere Standards nicht einhalten kann oder will, dann werden wir die Geschäftsbeziehungen beenden“, heißt es in dem Konzern. Derzeit verzichtet er auf Kobalt aus einigen Kleinbergwerken im Kongo, in denen laut Berichten von US-Medien Kinder arbeiten. In Kooperation mit dem Zulieferer Huayou arbeite man an einem Programm, um die Einhaltung der Standards zu gewährleisten und dann die Rohstoffe aus den Minen wieder zu verwenden, teilt der Konzern mit.

Apple dokumentiert zum elften Mal die Bedingungen bei den Zulieferern. Der Konzern gibt seinen Zulieferern einen Verhaltenskodex vor, etwa für Arbeitsbedingungen, Gesundheit und Umweltschutz. Die Einhaltung lässt er regelmäßig überprüfen. Im vergangenen Jahr seien 705 Betriebe bewertet worden, erklärt Pyers. Knapp die Hälfte (332) hielt die Standards weitgehend ein. 349 Zulieferer erhielten eine mittlere, 24 eine niedrige Punktzahl.

In dem Bericht geht der Konzern auch auf die Arbeitsbedingungen in den Fabriken ein, in denen er seine Geräte fertigen lässt. Die maximale Arbeitszeit von 60 Stunden pro Woche wird zu 98 Prozent von den Betrieben eingehalten, etwas mehr als im Vorjahr. Kinderarbeit sei in nur einem Fall dokumentiert worden, und das bei 1,2 Millionen Arbeitern bei den Zulieferern.

Als größter börsennotierter Konzern der Welt steht Apple unter besonderer Beobachtung – auch wenn es um Umweltschutz und Arbeitsstandards geht. Der Transparenzbericht soll die Bemühungen dokumentieren. „Wir sind das Thema vieler Diskussionen“, sagt Pyers. Vorwürfen etwa zu Arbeitsrechtsverstößen gehe Apple nach. „Kritik hilft uns, besser zu werden, und wird oft zu Kooperation“, sagt die Apple-Managerin.

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Allerdings sieht Germanwatch-Expertin Sydow ein grundsätzliches Problem, an dem auch der Bericht nichts ändert: „Das Geschäftsmodell von Apple besteht darin, immer neue Produkte auf den Markt zu bringen und damit den Abbau von Rohstoffen weiter zu betreiben.“ Besser wäre es, gleich Geräte mit längerer Lebensdauer zu verkaufen.

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