1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Medien
  4. Yossi Vardi: Israels Papa Start-up

Yossi VardiIsraels Papa Start-up

Mit dem Messenger ICQ fing alles an: Der 74-Jährige Yossi Vardi gilt als Vater des israelischen Start-up-Booms. Auf dem DLD-Digitalfestival in Tel Aviv hält „Mr. Tech“ Hof – und verrät sein Erfolgsgeheimnis.Johannes Steger 07.09.2017 - 16:30 Uhr Artikel anhören

Sein ICQ-Investment gilt als Startschuss für die Start-up-Nation Israel.

Foto: picture alliance / Robert Schles

Eine Szene während der DLD-Konferenz in Tel Aviv macht Yossi Vardis Einfluss deutlich: „Steig auf den Stuhl, dann sehen dich alle“, sagt der 74-Jährige zu einem der anwesenden Manager im Anzug. Der zögert. „Du bist jung“, legt Vardi nach. Der Manager gehorcht.

Joseph „Yossi“ Vardi zählt zu den Gründervätern des israelischen Start-ups-Booms: Kein anderes Land der Welt verfügt über so viele Start-ups pro Kopf wie das Land am Mittelmeer. Allein Tel Aviv zählt über siebzig Entwicklungs- und Forschungszentren von Konzernen wie Apple oder Siemens. In dieser Woche sind über zehntausend Menschen zum DLD Innovation Festival gekommen. Das ist auch Vardis Verdienst.

1996 kamen sein Sohn und drei Freunde auf ihn zu und baten ihn um Geld für eine Unternehmensgründung. Was genau sie vorhatten, verrieten sie nicht. Vardi gab ihnen trotzdem 75.000 Dollar. Die vier Israelis gründeten den einst weltweit beliebten Messenger ICQ, der später für 400 Millionen Dollar an AOL verkauft wurde. Viele sehen in Vardis Investment in ICQ den Startschuss für die „Start-up-Nation“ Israel. Bis heute investiert er immer wieder in Start-ups. Er interessiere sich weniger für Manager und Politiker, sagt Freundin und DLD-Gründerin Steffi Czerny dem Handelsblatt: „Ihn interessieren junge Leute und Gründer, die Ideen haben.“ Und er halte es für seine Pflicht, diese zu unterstützen.

Vardi, stets im Kurzarmhemd, hat die gütigen Augen eines Vaters, wenn er mit anderen spricht. Gefragt nach dem Erfolgsgeheimnis der israelischen Gründerzeit, lacht Vardi leise: Seine Mutter habe lange ein eigenes Restaurant gehabt und sei eine exzellente Köchin gewesen. Wenn Freunde sie nach ihren Rezepten gefragt hätten, hätte sie stets die entscheidende Zutat ausgelassen. Das Geheimrezept Israels sei eine Mischung aus Militär, Investitionen der Regierung und akademischer Landschaft. Die entscheidende Zutat verrät Vardi dann aber doch: „Es sind die Menschen.“

Hinter jedem Israeli stünde eine fordernde Mutter, die ihren Zöglingen stets eins vor Augen hielte: „Wir haben so viel für dich getan – ein Nobelpreis ist da doch nicht zu viel verlangt.“

Verwandte Themen
DLD
Apple
Siemens
AOL

Überzeugen muss Vardi indes niemanden mehr. Fällt der Name „Yossi“ in Gesprächen, huscht andächtiger Respekt über die Gesichter der Teilnehmer. „Yossi hat Tausende Listen mit Kontakten, deshalb nenne ich ihn auch gerne ‚Mr. Lists‘“, sagt Czerny. Die DLD-Geschäftsführerin kennt Vardi seit 1997, zusammen haben sie 2006 die Konferenz ins Leben gerufen, die zum Burda-Verlag gehört: „Er ist extrem loyal – wenn du einmal sein Freund geworden bist, dann bleibst du es ewig“, sagt Czerny.

Das gilt wohl auch für den Manager im Anzug: Auf der Eröffnungsveranstaltung steigt er tatsächlich auf den Stuhl. Das Publikum applaudiert. Und Vardi? Der grinst.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt