Berenberg Bank: Ärger an der Binnenalster
Hässliche Kratzer im glänzenden Imagelack.
Foto: picture alliance/dpaFrankfurt. Echte Erfolgsmodelle haben im deutschen Bankgewerbe derzeit Seltenheitswert. Zu den überraschenderen Geschichten dieser Art zählt der Aufstieg der Hamburger Privatbank Berenberg. Die beiden persönlich haftenden Gesellschafter Hans-Walter Peters und Hendrik Riehmer haben das Traditionshaus konsequent zur Investmentbank umgebaut und weisen Jahr für Jahr in ihren Geschäftsberichten Renditen aus, von denen andere Geldhäuser nur träumen können. Im Jahr 2016 stand unter dem Strich trotz flauer Märkte und dank des Verkaufs von Unternehmensteilen ein Rekordgewinn von 161 Millionen Euro, das entspricht einer stolzen Eigenkapitalrendite von 96 Prozent.
Solche Zahlen sorgen für Getuschel in der Branche. Immer wieder wird darüber spekuliert, ob das Berenberg-Wunder nicht zu schön ist, um wahr zu sein. Von solchen Unterstellungen ist bislang kaum etwas an dem Geldhaus mit der noblen Adresse an der Binnenalster kleben geblieben. Doch jetzt zeigen sich erstmals hässliche Kratzer im glänzenden Imagelack der Bank.
Der Vermögensverwalter macht sich selbstständig.
Foto: PressebildFür erheblichen Ärger sorgt intern zum Beispiel der Umbau der Vermögensverwaltung, der zu einem Exodus erfahrener Investmententscheider geführt hat. Zu den Abtrünnigen gehört auch der frühere Chef des institutionellen Asset Managements, Tindaro Siragusano, der – wie das Handelsblatt erfuhr – mit sieben Ex-Berenberg-Bankern am Donnerstag in Hamburg unweit des alten Arbeitgebers mit einem neuen Vermögensverwalter an den Start geht und der Privatbank Konkurrenz macht. Die Firma mit dem Namen 7Orca bietet Risiko- und Währungssteuerung über Derivate für Großinvestoren an und geht mit zwei strategischen Partnern an den Start: Das Versorgungswerk der Zahnärztekammer Berlin und der Münchener Vermögensverwalter Assenagon beteiligen sich mit je 13 Prozent. Die restlichen Anteile halten die Gründer.
Hinter dem Abgang von Siragusano und seinen Getreuen steckt die Neuordnung der Vermögensverwaltung. Dafür hatte Berenberg Henning Gebhardt angeheuert, der Anfang des Jahres von der Deutsche-Bank-Tochter Deutsche Asset Management kam. Gebhardt steht für den Umbau des Bereichs hin zu einer aktienorientierten, aktiven – also von Fondsmanagerhand gesteuerten – Anlagestrategie. Doch zahlreiche Mitarbeiter von Berenberg sehen diese neue Ausrichtung offenbar skeptisch. Allein in diesem Jahr verließen neun Investmentexperten das Haus, im vergangenen Jahr hatten bereits fünf weitere gekündigt. Darunter auch Siragusano. Dass er jetzt ein ganzes Team mit Kenntnissen in quantitativen und Währungsstrategien aus der Bank mitnimmt, wird als Kritik an Gebhardt und dessen neuem Fokus interpretiert.
Ein Sprecher der Bank macht für das Personalkarussell schlicht die „schlechte Performance“ der Vermögensverwaltung in den vergangenen Jahren verantwortlich, die 2017 einen Umbau erzwungen habe. Von einem Ausbluten könne keine Rede sein – im Gegenteil, der Bereich wachse. Aktuell arbeiteten nun 45 Fonds- und Geldmanager in der Vermögensverwaltung, vor einem Jahr seien es erst 38 gewesen.
Der Umbau der Vermögensverwaltung ist allerdings nicht der einzige Unruheherd in der Bank. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen einen Mitarbeiter, der Beteiligungen an börsennotierten Unternehmen angehäuft haben soll, ohne dies wie vorgeschrieben öffentlich zu machen. Dabei geht es um Aktien des Pumpenherstellers Pfeiffer Vacuum, des Kabelnetzbetreibers Tele Columbus und der Immobilienfirma WCM.
Außerdem musste die Schweizer Berenberg-Tochter ein Bußgeld von vier Millionen Euro bezahlen, um Ermittlungen wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung aus der Welt zu schaffen, und schließlich gab es herbe Kritik an der Amtsführung von Berenberg-Chef Peters als Präsident des Bundesverbands deutscher Banken (BdB). Der Verband hatte sich auf Druck von Peters im Oktober überraschend vom langjährigen Geschäftsführer Michael Kemmer getrennt. Zur Begründung hieß es damals, Kemmer sei zu eigensinnig. Führende Verbandsmitglieder hatten daraufhin allerdings ihrerseits Peters attackiert und ihm vorgeworfen, er genieße zwar die Privilegien seines prestigeträchtigen Amtes, vernachlässige aber die Pflichten.