Studium: MBA-Markt Deutschland – Viel Masse, wenig Klasse
Nur etwa jeder zehnte Student belegt noch das klassische Executive-MBA-Programm, das über ein oder zwei Jahre geht.
Foto: Imago/Westend61Krise? Welche Krise? Während in den USA mehrere MBA-Programme mangels Nachfrage eingestellt wurden und das King’s College in London bei der Gründung seiner Wirtschaftskaderschmiede 2017 den renommierten Abschluss gar nicht erst ins Curriculum aufnahm, erfreut sich der ursprünglich aus den USA stammende Master of Business Administration in Deutschland nach wie vor großer Beliebtheit.
„Die Studentenzahlen haben sich in den letzten zehn Jahren auf circa 10.000 verdreifacht“, sagt Detlev Kran, Bildungsexperte und Herausgeber des Studienführers MBA-Guide.
Zwar wächst das Angebot nicht mehr so rasant wie vor einigen Jahren, doch mit knapp 280 unterschiedlichen Studiengängen ist die Auswahl im einstigen MBA-Entwicklungsland Deutschland groß (siehe Grafik). Und die in jüngster Zeit immer beliebteren spezialisierten Wirtschaftsstudiengänge sind dabei noch nicht eingerechnet.
Doch nicht alle sind glücklich mit der Entwicklung. Die Inflation der Programme entwerte den klassischen MBA, beklagt Christian Scholz, Wirtschaftsprofessor an der Universität des Saarlandes. Ursprünglich als Zweitstudium konzipiert, um Führungskräfte im Umgang mit Entscheidungssituationen im Betrieb zu schulen, hat sich die MBA-Ausbildung in Deutschland stark in Richtung eines allgemeinen Wirtschaftsstudiums verschoben.