Karriere: So funktioniert Networking in der Digitalwelt
Jeder dritte Job wird über private Kontakte vergeben. Warum Sie Netzwerken auch als Arbeit ansehen müssen, erklären unsere beiden Expertinnen.
Foto: Getty ImagesDüsseldorf. Sind Sie gut im digitalen Netzwerken? Ganz am Anfang meiner Berufslaufbahn war ich noch eine sehr faule Netzwerkerin. Hätte ich das nicht geändert, wäre meine Karriere anders verlaufen. Inzwischen behandle ich meine Kontakte wie Orchideen, die ohne die richtige Pflege irgendwann eingehen. Als ich nach ein paar Treffen mit Tijen Onaran, für mich die absolute Networking-Queen, verstanden habe, wie einfach Netzwerken ist, war das für mich so, als hätte ich einen Geheimcode geknackt.
Onaran selbst hat es in kürzester Zeit geschafft, zwei beeindruckende Frauennetzwerke zu etablieren: die Women in Digital und die Global Digital Women. Vor kurzem haben Onaran und Bianca Lorenzen, die Recruiting Managerin bei Microsoft war und jetzt für die Telekom arbeitet, in der Businessnetzwerk-Gruppe Leader.in über das Thema Networking in der Digitalwelt gesprochen. Für alle, die den Best-Practice-Talk verpasst haben, gibt es jetzt die besten Tipps und Tricks der beiden hier zum Nachlesen.
Frau Onaran, was gehört zum erfolgreichen Netzwerken alles dazu? Klar, die Chemie muss stimmen, aber wie oft oder wie wenig oder wie direkt sollte man dabei sein?
Onaran: Ich glaube, es gehören drei Dinge dazu. Offenheit, Vertrauen und gemeinsame Ziele. Offenheit, weil man auch mal sagen kann und sollte, wenn etwas nicht klappt oder schiefläuft. Vertrauen, weil man gemeinsam nie die Hoffnung aufgeben sollte, dass es auch in stürmischen Zeiten weitergeht. Und ein Ziel: damit man gemeinsam an der Realisierung spannender Projekte arbeiten und sie dann auch feiern kann.
Lorenzen: Dem kann ich nur zustimmen. Wir waren immer verdammt ehrlich zueinander. Und haben von beiden Seiten aber auch eine klare Erwartungshaltung gehabt.
Sie sind inzwischen eine echte Profi-Netzwerkerin. Aber lassen Sie uns einen Schritt zurück gehen, Frau Onaran: Welcher Kontakt hat Ihre Karriere beschleunigt?
Onaran: Mir haben Kontakte geholfen, die sich zu Mentorings entwickelt haben. Zu Beginn waren das sicher meine jeweiligen Chefinnen, aber auch Menschen wie Miriam Wohlfarth (Gründerin von Ratepay, Anm. der Red.), die ich für ihre Leidenschaft, ihren Mut und unternehmerisches Gen bewundere. Mir haben aber auch Kontakte geholfen, die mir nicht geholfen haben. Konkret: Zu lernen, auf eigenen Füßen zu stehen, kann auch hilfreich sein.
Frau Lorenzen, auch Sie sind sehr engagiert in Sachen Networking und begegnen vielen spannenden Menschen. Wie behalten Sie dabei den Überblick?
Lorenzen: Überblick behält man dadurch, dass man sich mit den Menschen, die man trifft, zuerst einmal digital vernetzt via Twitter, LinkedIn, Instagram oder Facebook. Und dann sollte man sich auch ab und an in der realen Welt treffen. Mir hilft es dabei sehr, dass ich mir Gesichter sehr gut merken kann.
Der erste Eindruck ist im Geschäftsleben oft entscheidend - gilt das umgekehrt auch beim digitalen Kennenlernen? Und auf was achten Sie konkret, wenn Sie im Netz jemanden potenziell Interessantes scannen?
Lorenzen: Beim digitalen Vernetzen achte ich immer auf Gemeinsamkeiten, also was postet der- oder diejenige zu welchen Themen. Insbesondere das Thema Diversity und Digitalisierung finde ich spannend.
Ich stelle mal die Frage nach dem Geld. Das ist sicherlich auch ein Thema, wenn man, wie Sie beide, gemeinsame Projekte auf die Beine stellt. Ist es schwierig, den richtigen Zeitpunkt zu finden, wann man beim Netzwerken über Geld und ähnliches redet?
Onaran: Ja, über Geld spricht man nicht – ich finde doch! Es ist bei Kooperationen ganz wichtig, zu Beginn offen die Karten auf den Tisch zu legen und einerseits zu sagen, was man zur Realisierung der Projekte braucht. Andererseits aber auch offen für Gegenvorschläge zu sein, wenn das Budget mal klein(er) sein sollte. Nur so kann man die Partnerschaft mit Offenheit, Vertrauen und einem Ziel gemeinsam starten.
Lorenzen: Da kann ich Tijen nur zustimmen, man muss über Geld reden. Tijen hat mit ihrem Netzwerk für uns als Unternehmen ja auch einiges zu bieten. Und es ist nur fair, das man bei gemeinsamen Projekten auch Geld in eine solche Partnerschaft investiert.
Sie hat das Netzwerk Women in Digital e.V. gegründet, mit dem sie Entscheiderinnen der Digitalbranche zusammenbringt.
Foto: HandelsblattFrau Onaran, viele Menschen gehen zu Events, Kongressen und Veranstaltungen - analog. Wie bereite ich mich optimal vor, wenn ich mein Netzwerk erweitern möchte?
Onaran: Die Vorbereitung sollte ein gesunder Mix aus Planung und Zufall sein. Planung: Bei Events finde ich es wichtig sich anzuschauen wer die Zielgruppe ist – wer kommt potentiell dorthin (manchmal gibt es auch digitale Teilnehmerlisten) und die Referentinnen und Referenten sind ja auch oft einsehbar auf der Website. Zufall: Ich habe schon oft Menschen auf Veranstaltungen kennengelernt, ohne dass ich überhaupt wusste, dass sie da sein werden. Oder ich saß zufällig an einem Tisch mit spannenden Menschen, wie eben beispielsweise bei der Leader.In-Veranstaltung in Düsseldorf neben Bianca.
Grob geschätzt, wie viel Zeit investieren Sie etwa pro Woche ins (digitale) Netzwerken?
Lorenzen: Pro Woche investiere ich bis zu sieben Stunden. Man muss hier am Ball bleiben, wenn man sein Netzwerk auch strategisch erweitern möchte.
Onaran: Zum zeitlichen Aspekt: In das digitale Netzwerken – bei mir ist das relativ fließend, da ich die digitalen Netzwerke großartig finde, bin ich auch jeden Tag aktiv. Analoges Netzwerken: Es heißt ja ”never lunch alone“ – jeden Tag schaffe ich es nicht, aber ich finde Lunch-Dates großartig.
Frau Lorenzen, würden Sie jemals einen Kontakt hinzufügen, den Sie nicht kennen?
Lorenzen: Das würde ich nicht kategorisch ausschließen, aber ich recherchiere erst einmal über den neuen Kontakt und schaue, wenn kenn derjenige noch. Bei mir ist es aber auch berufsbedingt so, dass ich sehr viele Anfragen gerade über LinkedIn bekomme.
Frau Onaran, mal eine praktische Frage zu Offline-Events: Sie haben bereits zehn Minuten mit jemandem geplaudert, wollen aber langsam den Gesprächspartner wechseln. Wie kommen Sie galant aus der Situation?
Onaran: Ich finde es immer gut, den Zirkel zu erweitern und eine dritte Person dazu zu holen, die gerade an einem vorbeiläuft oder die man entdeckt. Durch die Erweiterung entstehen nochmal neue Aspekte und Themen, die man zu zweit noch nicht auf dem Zettel hatte und man lässt die erste Person auch nicht alleine im Regen stehen.
Wie viele Gesprächspartner haben Sie so an einem Abend?
Lorenzen: Je nachdem, wie lange der Event geht, schafft man bis zu 20 Kontakte. Und ab und an muss man sich galant mit dem Satz: Oh, das ist xyz, dem wollte ich noch unbedingt Hallo sagen, aus dem Gespräch ziehen.
Onaran: Die Anzahl der Gesprächspartner variiert. Es gab Veranstaltungen, da habe ich den Abend mit einer Person verbracht, weil es so spannend war und andere, da habe ich über 20 kennengelernt. Hängt sehr stark von a) den Teilnehmern und b) meiner Verfassung ab.
Lorenzen: Tijen könnte echt mein Zwilling sein, genau das wollte ich noch hinzufügen. Es gibt Abende, da hat man einfach keine Lust, mit ganz vielen zu sprechen.
Was macht einen Kontakt oder ein Netzwerk für Sie zu einem lohnenswerten Kontakt? Nennen Sie mir bitte jeweils 3 Dinge!
Lorenzen: Erstens: Gemeinsame Interessen zum Thema Diversity, Zweitens: Input zu einem mir fremden aber spannenden Thema und drittens: gegenseitiger Support – ein Kontakt sollte nicht einseitig sein.
Onaran: Spannend finde ich immer, wenn andere Talente mitbringen, die ich nicht habe. Das zweite: gesunder Optimismus – romantisieren muss nicht sein, aber grundsätzlich in der Zukunft das Positive sehen und das dritte: Offenheit, was auch Ehrlichkeit impliziert. Lieber ehrlich sagen: Das war nix, als es ewig mitzuschleppen in der Hoffnung, der/die andere merkt was los ist.
Frau Onaran, Frau Lorenzen, vielen Dank für das Gespräch.
Welche Frauen haben das Zeug, unsere Wirtschaft zu revolutionieren? 25 davon suchte Edition F, die Online-Plattform für ambitionierte Frauen, gemeinsam mit dem Handelsblatt und Zeit Online. Wir stellen Ihnen heute die 25 Gewinnerinnen, die im Juni 2018 in Berlin geehrt wurden.
(Credit: Edition F)
Mit Hilfe unserer Leserinnen und Leser und der Jury haben wir 25 Frauen gefunden, die Denkanstöße in ganz unterschiedlichen Bereichen geben: Wie kann die bislang unbezahlte Care-Arbeit wirtschaftlich anerkannt werden? Wie erhalten nach Deutschland geflüchtete Menschen die Chance, beruflich Fuß zu fassen und sich selbst zu versorgen? Wie können Unternehmen eine Kultur entwickeln, die sie von innen heraus gegen Korruption und Verantwortungslosigkeit schützt? Wie sehen unternehmerische Ansätze aus, die globale Gerechtigkeit ins Zentrum stellen und weder andere Menschen noch die Umwelt ausbeuten? Wie verändert Digitalisierung Gesellschaft und Wirtschaft und wie wirkt sich das sowohl auf Kinder als auch Erwachsene aus? Wie kann Erwerbsarbeit re-organisiert werden, so dass rund um die Uhr geöffnete Kitas nicht die einzige Antwort auf Vereinbarkeit bleiben? Die Preisträgerinnen im Überblick.
Foto: Getty ImagesAnka Wittenberg möchte die ungleichen Strukturen in der Arbeitswelt aufbrechen. Als Mutter von drei Kindern bekam sie die Benachteiligung als angehende Managerin zu spüren. Jetzt ist sie Chief Diversity & Inclusion Officer beim weltweit führenden Softwareunternehmen SAP. Dort setzt sie sich für globale Strategien rund um Vielfalt, Integration und Chancengleichheit ein. Damit gestaltet sie die Arbeitsbeziehungen für 85.000 Mitarbeiter_innen, um eine vorurteilsfreie Arbeitsumgebung zu schaffen. Mit verschiedenen Programmen und Trainings setzt sie sich unter anderem für Geschlechtergerechtigkeit, ein Bewusstsein für LGBT und die Integration von Menschen mit Behinderung ein. So wurde SAP als erstes globales IT-Unternehmen mit dem „EDGE Gender Equality Certification“ für Geschlechtergerechtigkeit ausgezeichnet.
(Credit: Joanna Perez)
Vera Schneevoigt ist eine der wenigen Frauen in Spitzenpositionen bei IT-Konzernen. Sie verwaltet seit 2014 als Geschäftsführerin bei Fujitsu die Produktion und Logistik für das Produktgeschäft außerhalb Japans. Mit dem Campus Augsburg leitet sie den europaweit einzigen Entwicklungs- und Produktionsstandort eines IT-Herstellers, der als Vorreiter auf dem Weg zur „Smart Factory“ gilt und auch anderen Unternehmen als Vorbild für die digitale Transformation von Produktion und Logistik dient. Schneevoigt berät Landes- und Bundespolitiker_innen, wie auf politischer Ebene dem immer stärker werdenden Einfluss der Digitalisierung auf die Arbeitswelt begegnet werden sollte, und macht sich für die Frauenförderung stark – gerade in digitalen Berufen.
(Credit: Fujitsu intern)
Unsere Arbeit und unsere Umwelt werden sich durch die Digitalisierung immer weiter verändern. Eine dabei wichtige Frage: Wann und wie führt man Kinder an den Umgang mit digitaler Technologie heran? Kinder mit der Digitalisierung vertraut zu machen, ist das Herzensanliegen und Spezialgebiet von Verena Pausder, Gründerin der Firma „Fox & Sheep“, die Apps für Kinder im Vorschulalter entwickelt und weltweit vermarktet. Zusammen mit dem Spielwarenhersteller Haba hat Pausder als Geschäftsführerin Digitalwerkstätten eröffnet, in denen Kinder Programmieren lernen. Außerdem ist sie Mit-Initiatorin von „Startup Teens“, einer Initiative, die Schüler_innen fürs Unternehmertum begeistern möchte.
(Credit: Kim Keibel)
Als Reaktion auf die sogenannte Flüchtlingskrise 2015 hat Anne Kjær Riechert die „Redi School of Digital Integration“ ins Leben gerufen: Ein Ausbildungsprogramm, das Asylsuchenden Programmieren und technische Kompetenzen vermittelt. Die gebürtige Dänin unterstützt mehrere hundert Geflüchtete bei der Integration in das Arbeitsleben und bereitet sie darauf vor, eine Stelle in der IT-Branche zu besetzen. In einem multikulturellen Umfeld aufgewachsen, ist Anne Kjær Riechert davon überzeugt, dass Technologie Sprachbarrieren überwinden und Menschen aus der ganzen Welt zusammenbringen kann.
(Credit: Sebastian Gabsch)
Barbara Lutz, Gründerin und Geschäftsführerin, Frauen-Karriere-IndexMänner und Frauen sollten gleichermaßen Karriere machen können, und zwar in einem Unternehmen, das ihnen die Möglichkeit dazu gibt. Barbara Lutz nimmt die Karriereentwicklung von Frauen in den Fokus und will in männerdominierten Unternehmen ein Umdenken anstoßen. Als Gründerin des Frauen-Karriere-Index (FKI) will sie Frauen in Führung bringen. Das Management-Instrument ermöglicht es, die Frauenförderung einer Organisation klar zu messen und zu verbessern, so dass die Unternehmen Maßnahmen für Chancengerechtigkeit ergreifen können, die nachhaltig wirken. Die Auszeichnung schafft zudem Transparenz für Bewerber_innen, um sich ein Bild von den Diversity-Anstrengungen eines Unternehmens zu verschaffen. Barbara Lutz wünscht sich, dass weiblich besetzte Führungspositionen endlich auch in Deutschland zur Normalität werden.
(Credit: Frauen-Karriere-Index)
Claudia Kessler gründete die Initiative „Die Astronautin” und sorgt für die weibliche Zukunft der deutschen Raumfahrt. Dabei hat sie ihr Ziel klar vor Augen: Bis zum Jahr 2020 soll die erste deutsche Frau im Weltall gewesen sein. Mit dem privat organisierten und finanzierten Programm möchte die Raumfahrtingenieurin besonders junge Mädchen für technologische Berufe begeistern. Schon 2009 hat sie das Netzwerk „Women in Aerospace in Europe” (WIA-E) mitgegründet, um die internationale Karriere weiblicher Fach- und Führungskräfte zu fördern. Damit tut sie nicht nur etwas gegen den Fachkräftemangel, sondern ebnet den Weg für die gesellschaftlich notwendige Transformation der Arbeitswelt. Seit 2008 ist sie CEO von „HE Space Operations“ und setzt sich besonders für Gleichberechtigung, Diversität und Interdisziplinarität in technischen Berufen ein – mit Erfolg: Der Frauenanteil bei HE Space beträgt 55 Prozent, 200 Frauen aus 29 Nationen sind in dem Unternehmen beschäftigt.
(Credit: Astrid Susanna Schulz)
Das Fashion-Startup „Bridge&Tunnel“ verarbeitet Textilien zu Upcycling-Produkten und bringt Frauen und Männer in Erwerbsarbeit, die auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht unterkommen – sie wollen „Brücken bauen“. Gegründet wurde das Projekt von Constanze Klotz und Hanna Charlotte Erhorn. Als diplomierte Textildesignerin ist Hanna Charlotte Erhorn die Expertin für das Design und die Produktion. Constanze Klotz befasst sich als promovierte Kulturwissenschaftlerin mit Kommunikation, Fundraising und Kooperationen. Die lokale Produktion am Standort Hamburg ist den Frauen ein wichtiges Anliegen, um gesellschaftlich und ökonomisch benachteiligte Menschen beschäftigen zu können.
(Credit: Femtastics)
Migration, Dürre und Hunger – wir stehen weltweit vor großen gesellschaftlichen Herausforderungen. Annette Massmann arbeitet mit der „GLS Zukunftsstiftung Entwicklung“ an Lösungen. Seit zwölf Jahren leitet sie die Stiftung am Standort Bochum und kooperiert mit weltweiten Partnerorganisationen. Daraus ist ein globales und gleichzeitig lokal verankertes, praktisches Netzwerk sozial-ökologischer „Agents of Change“ entstanden. Annette Massmann gibt mit ihrer Arbeit wichtige Impulse in die entwicklungspolitische Debatte in Deutschland. Sie arbeitete bereits für verschiedene Träger der Entwicklungszusammenarbeit in Zentralamerika und ist Mitgründerin des „Institute for Social Banking“, das Studienprogramme für das soziale Bankwesen anbietet.
(Credit: GLS Treuhand)
Die Rechtsanwältin Roda Verheyen setzt sich für klimapolitische Themen ein und berät Länder zur Klimarahmenkonvention. Ihr Schwerpunkt ist das Umwelt- und Völkerrecht. Neben dem Bundesumweltministerium hat sie unter anderem die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, den weltweiten Umweltdachverband „Friends of the Earth“ und Greenpeace beraten. Dr. Roda Verheyen hat in Hamburg, Oslo und London studiert und war an der Gründung des internationalen Netzwerks „Climate Justice Programme“ beteiligt. Das ist eine Anlaufstelle für Juristen aus aller Welt, die Klima-Prozesse führen wollen und damit Menschen, die von den Folgen des Klimawandels betroffen sind, unterstützen.
(Credit: Dinah Hayt)
Stephanie Caspar, seit Anfang März Geschäftsführerin des Digitalbereichs bei Axel Springer, lebt nach dem Motto: „Veränderungen sind positiv, denn sie bedeuten Weiterentwicklung“. Die promovierte Betriebswirtin trägt die konzernweite Verantwortung für Technologie und Daten und besetzt damit eine einflussreiche Position in einem der größten Medienunternehmen Deutschlands. Mit Caspar als Mitglied des Vorstands ist erstmals die übergeordnete Technologie- und Datenstrategie bei Axel Springer auf Vorstandsebene verankert. Nach dem Studium in Lüneburg startete sie als Unternehmensberaterin bei McKinsey & Company in Hamburg, schon 2002 kam sie zu Axel Springer.
(Credit: Matti Hillig)
Jutta Allmendinger hat mit ihren Studien auf dem Gebiet der Bildung, des Arbeitsmarktes und der Gleichstellung von Frauen und Männern Pionierarbeit geleistet. Einer ihrer Themenschwerpunkte ist die Untersuchung von Bildungs- und Berufsverläufen und des Sozialgefälles im Bildungssystem. Um die ökonomische Gleichheit weiter voranzutreiben, fordert die Soziologin eine familiengerechte und kürzere Arbeitszeit von 32 Stunden. Seit 2007 ist Jutta Allmendinger Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung, des größten sozialwissenschaftlichen Forschungsinstituts Europas. Zudem ist sie Professorin für Bildungssoziologie und Arbeitsmarktforschung an der Humboldt-Universität zu Berlin und Honorarprofessorin an der Freien Universität Berlin.
(Credit: Inga Haar)
Monika Frech studierte Sozial- und Kommunikationswissenschaften in Berlin, Florenz und Minnesota sowie Design Thinking in Potsdam. Sie interessiert sich besonders für die Bedingungen und Möglichkeiten sozialer Innovationen. Diese Leidenschaft führte sie zu Dark House, einer Berliner Agentur für Innovationsentwicklung, die Frech 2009 gemeinsam mit anderen Absolventen gründete. Das Start-up will große und mittelständische Firmen dabei unterstützen, eine innovationsfreundliche Unternehmenskultur zu etablieren. Monika Frech will das Thema Design Thinking auch international voranbringen und engagiert sich als Mentorin für Kinder und Jugendliche. In Indien hat sie bereits innovative Bildungsformate entwickelt und angewandt. Im Moment baut sie neben Dark Horse eine ähnliche Initiative in Deutschland auf.
(Credit: Dark Horse)
Zusammen mit drei Mitgründern startete Nele Kapretz 2013 das „Impact Hub Berlin“. Als Teil des weltweit größten Netzwerkes sozialer Innovationszentren, mit mehr als 100 Hubs in über 54 Ländern, werden dort gut 150 Gründer bei der Umsetzung ihrer Ideen unterstützt. Zudem berät und betreut Nele Kapretz Unternehmen, Organisationen und NGOs in Innovationsprozessen zur Erreichung der „UN Sustainable Development Goals“ durch unternehmerische Ansätze. 2017 wurde sie berufen, unter anderem das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und den Berliner Senat zu Themen wie Gründungsförderung und Entwicklungszusammenarbeit zu unterstützen und innovative Ansätze in die Politik zu tragen. Neben ihrer Arbeit im Impact Hub sitzt sie im Steuerungsgremium der „Inequality Challenge“ des BMZ sowie im Beirat Entwicklungszusammenarbeit des Landes Berlin.
(Credit: Impact Hub Berlin)
Das Leben ist für Miriam Meckel wie ein Netzwerk, das aus Interessen, Fähigkeiten und Kontakten besteht und sich durch ständige Neuverknüpfungen verändert. Gerade ist ihr neues Buch zum Thema Brain-Hacking erschienen, das die Frage aufwirft, inwieweit das menschliche Denken berechenbar sein und der Optimierung unterworfen sein darf. Meckel ist Herausgeberin der Wirtschaftswoche, dem wichtigsten deutschen Wochenmagazin für Wirtschaft, und seit 2005 Professorin für Corporate Communication an der Universität St. Gallen in der Schweiz und Direktorin des Instituts für Medien- und Kommunikationsmanagement. Sie war Regierungssprecherin und als Staatssekretärin der Landesregierung Nordrhein-Westfalen für Europa, Internationales und Medien zuständig. Meckel wurde unter anderem mit dem Cicero-Rednerpreis in der Kategorie Wirtschaft und dem „John F. Kennedy Memorial Fellowship“ der Harvard-Universität ausgezeichnet.
(Credit: Stefanos Notopoulos)
Als Chief Financial Officer des US-Kreditkartenunternehmens Mastercard gilt Martina Hund-Mejean weltweit als eine der einflussreichsten Personen der Finanzbranche. Die gebürtige Frankfurterin lebt seit über 30 Jahren in den USA. Nach einer Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Deutschen Bank und einem Volkswirtschaftsstudium fing sie als Kreditanalystin beim US-Chemiekonzern Dow Chemical an. Martina Hund-Mejean will insbesondere Frauen bei Mastercard fördern und dem Gender-Bias entgegenwirken. Sie sieht es außerdem als ihre Aufgabe an, Frauen zu unterstützen und zu befähigen, erfolgreiche Unternehmen zu führen und ein erfülltes Leben zu führen. Sie beschreibt den Finanzgiganten scherzhaft als „Fintech“, denn auch Mastercard arbeitet an der Schnittstelle von Finanzdienstleistung und Technologie und beschäftigt sich mit der Zukunft des digitalen Bezahlens.
(Credit: Mastercard)
Magdalena Rogl ist ein Vorbild für viele: Mit gerade einmal 30 Jahren wurde sie 2016 „Head of Digital Channels“ bei Microsoft Deutschland. Rogl ist eigentlich ausgebildete Erzieherin und arbeitete als alleinerziehende Mutter von zwei kleinen Kindern in einer Kinderkrippe, als sie das Angebot für einen Nebenjob im Community-Management bei Focus Online bekam. Mittlerweile arbeitet sie in einer Führungsposition bei Microsoft, lebt in einer Patchworkfamilie mit vier Kindern und setzt sich für Gleichberechtigung in der digitalen Welt ein. In den Bereichen Social Media, Newsroom, Blog und Influencer Relations versucht sie, die richtigen Menschen zu verbinden und Kontakte zu knüpfen. Sie berät ehrenamtlich Startups und NGOs und teilt als Dozentin und Speakerin gerne ihr Wissen.
(Credit: Justin Faust)
Als Executive Director bei Ernst & Young Fraud Investigation & Dispute Services berät Katharina Weghmann Kund_innen auf der ganzen Welt. In erster Linie geht es ihr darum, Integrität fundiert zu messen und Unternehmenskulturen zu schaffen, in welchen ethisches Handeln, Hinweisgeberschutz und Verantwortungsbewusstsein die soziale Norm sind. Ihre jahrelange Forschung und Promotion an der Columbia-University festigten ihren Glauben an die eigene Mission: der Wirtschaftsethik in einer Zeit voller Korruptions- und Betrugsskandale zu einem Comeback zu verhelfen. Weghmann unterrichtet nebenbei an Universitäten in New York und Deutschland, um sowohl mit Lehre als auch Beratung einen Beitrag zu einer Wirtschaftswelt ohne Korruption, Betrug und Verantwortungslosigkeit zu leisten.
(Credit: Nikita Teryoshin)
Janina Kugel ist Leiterin des Personalwesens und Mitglied des Vorstands der Siemens AG. Aktuell ist Kugel für mehr als 300.000 Mitarbeiter_innen weltweit verantwortlich und plant wichtige HR-Themen wie das Diversity-Management, soziale Innovationen, Umweltschutz, Gesundheitsmanagement und Sicherheit im Unternehmen. Daneben treibt sie das sogenannte „Unconscious Bias”-Training bei Siemens voran. Mit dieser Maßnahme soll der Beurteilungsprozess von Bewerber_innen möglichst fair und geschlechterneutral ablaufen und Personalentscheidungen objektiver werden. Auch außerhalb von Siemens unterstützt Kugel Diversity-Initiativen und gestaltet diese auch auf internationaler Ebene aktiv mit. Vor ihrem Einstieg bei Siemens im Jahr 2001 war Janina Kugel unter anderem in den Bereichen Human Resources, Corporate Executive Development und Business Transformation in Deutschland, Italien und China tätig.
(Credit: Siemens AG München)
Schlechte Arbeitsbedingungen und fehlende Flexibilität frustrieren viele. Daher haben Anna Kaiser und Jana Tepe 2014 „Tandemploy“ gegründet, damit mittelständische Unternehmen genauso wie Dax-Konzerne mit der Software neue Anregungen für ihre Strukturen und Arbeitsmodelle bekommen – denn die digitale Wirtschaft ist ständig im Wandel. Für Kaiser und Tepe ist die flexible und kollaborative Arbeitswelt eine Grundvoraussetzung, um als Unternehmen heute noch agil und aktiv – und damit wirtschaftlich erfolgreich – zu bleiben. Genau dieses Schema setzen sie auch in ihrer Firma um und haben so die starre 40-Stunden-Stelle durch ein flexibles Arbeitszeitmodell in interdisziplinären Teams ersetzt. Die Geschäftsführung teilen sich die beiden durch Jobsharing.
(Credit: Tandemploy)
Ise Bosch ist eine Enkelin und Erbin des Unternehmers Robert Bosch. Sie wuchs mit fünf Geschwistern in Stuttgart auf. Mit ihrem Vermögen will sie anderen Menschen helfen und die Gesellschaft verändern, sie sagt: „Für mich bedeutet mein Erbe auch, soziale Verantwortung zu übernehmen“. Dabei geht es ihr vor allem um die Akzeptanz von Minderheiten. Als Gründerin und Geschäftsführerin der Dreilinden gGmbH setzt sich Bosch gegen Diskriminierung und Gewalt aufgrund von Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung ein. Die studierte Musikerin und Historikerin ist außerdem Mitbegründerin der Frauenstiftung „Filia“, die Frauen in zahlreichen Projekten weltweit fördert.
(Credit: Lucas Wahl)
Seit 2015 leitet Isabelle Sonnenfeld das „Google News Lab“ für Deutschland, Österreich und die Schweiz. In ihrer Position arbeitet sie mit Verlagen, deren Redaktionen und Journalist_innen, sowie Medien-Startups zusammen, um Innovation im digitalen Journalismus zu fördern. Wichtige Themen sind unter anderem Datenjournalismus, Desinformation und die Förderung des journalistischen Nachwuchses. Die Vielfalt in der Medienbranche ist ein weiteres Schwerpunktthema, das sie gemeinsam mit dem Verein „Neue deutsche Medienmacher e.V.“, dem Deutschen Journalisten-Verband und „Dverse Media“ vorantreibt. Gemeinsam mit David Noel hat sie 2015 die Event- und Podcastreihe „Role Models“ ins Leben gerufen: Die beiden sprechen mit bemerkenswerten, erfolgreichen Frauen, deren Geschichten und Lebenswege mutig und inspirierend sind.
(Credit: Jennifer Fey)
Wie baut man die Brücke zwischen Karriere und Familie, wenn man beide Herausforderungen meistern will? Für das Thema Work-Life-Balance engagiert sich die Familienforscherin, Politikerin und Unternehmerin Gisela Erler seit vielen Jahren. Sie leitete eines der ersten Modellprojekte zu Tagesmüttern und ist die Hauptautorin des „Müttermanifests“ der Grünen, das 1986 heftige Diskussionen über die Rolle von Müttern in der Gesellschaft auslöste. 1992 gründete sie mit ihrem Unternehmen „Familienservice” den deutschlandweit größten Dienstleister für Firmen rund Vereinbarkeits-Fragestellungen. Auch in ihrem Amt als Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung im Staatsministerium Baden-Württemberg stößt sie wichtige Debatten zu Geschlechterfragen an. Ihre Aufgabe ist es, die Bürgerbeteiligung auf allen Ebenen auszubauen und zu stärken, im Sinne der Politik des Gehörtwerdens.
(Credit: Landesregierung Baden-Wüttemberg)
Hila Azadzoy gehört zum Gründungsteam von „Kiron Open Higher Education“. Das 2015 gegründete, mehrfach ausgezeichnete soziale Startup verfolgt das Ziel, bestehende Barrieren auf dem Weg zur Hochschulbildung für Geflüchtete mittels digitaler Lern- und Unterstützungsangebote abzubauen. Als Head of Academics prägt Azadzoy die fortschreitende Entwicklung von Kirons akademischem Programm, begründete über 50 strategisch relevante Partnerschaften im In- und Ausland und hat über 2,5 Millionen Euro für den Aufbau der Organisation eingeworben. Kiron hat über 3000 Studierende im Programm und ist in Deutschland, Jordanien und Libanon aktiv. Azadzoy ist Preisträgerin des „Digital Female Leader Awards“, TedX-Speakerin und engagiert sich ehrenamtlich für das Kinderhilfswerk „Visions for Children e.V.“.
(Credit: Privat)
Warum ignoriert die Ökonomie noch immer die haus- und familienbezogenen Arbeiten, die vor allem Frauen leisten? Dieser Frage geht Ina Praetorius, feministische Theologin und Ethikerin, seit vielen Jahren nach. Sie fordert einen neuen gesellschaftlichen Ansatz: „Wirtschaft ist Care“ heißt der Verein, den sie 2016 mit anderen Frauen gegründet hat, ebenso hat sie das Netzwerk „Care Revolution“ mit-initiiert. Ihre wissenschaftliche Arbeit geht von der Frage aus, warum ausgerechnet diejenigen Maßnahmen zur Bedürfnisbefriedigung, die immer noch von viel mehr Frauen als Männern unbezahlt in so genannten Privatsphären geleistet werden, in der Wirtschaftswissenschaft gar nicht oder nur verzerrt am Rande vorkommen, und welche Folgen diese Auslassung hat. Ihre Forderung: Jede Arbeit, die der Gesellschaft nützt, egal ob privat oder öffentlich, muss anerkannt werden. Daher setzt sich Praetorius auch für ein Grundeinkommen ein.
(Credit: Katja Nideröst)
Seit der Gründung 2015 ist Elisa Naranjo bei Einhorn – einem sozialen Startup, das nachhaltig produzierte Kondome verkauft. Ziel des Unternehmens ist es, Design mit Fairstainability-Kriterien zu vereinen. Die Hälfte des Gewinns geht an soziale und nachhaltige Projekte. Als Head of Fairstainability kümmert sich Elisa Naranjo in erster Linie um Nachhaltigkeit und geht der Frage nach, wie Unternehmen für mehr globale Gerechtigkeit sorgen können. So konnte sie Transparenz, gerechte Löhne und Umweltschutz nach und nach in der gesamten Lieferkette erreichen. Darüber hinaus ist Naranjo im Gehaltsrat von Einhorn und hat die langfristige Perspektive des Unternehmens im Blick. In Kopenhagen hat sie Wirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit studiert.
(Credit: Maya Byskov)