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Studie zur ChancengerechtigkeitSozialer Aufstieg in Deutschland bleibt die Ausnahme – OECD fürchtet Vergeudung von Talent

Für Kinder aus Arbeiterfamilien ist der soziale Aufstieg in Deutschland besonders schwer – ähnlich wie in den USA. Das hat Folgen für die Wirtschaft.Donata Riedel 15.06.2018 - 11:00 Uhr Artikel anhören

Wer erst einmal einen Job mit hohem Einkommen erreicht hat, wird ihn kaum je verlieren: 74 Prozent aus dieser Gruppe steigen nicht wieder ab.

Foto: dpa

Berlin. „Der soziale Aufzug ist kaputt“, schreiben die Ökonomen der Industrieländer-Organisation OECD. In einer neuen Studie vergleichen sie die soziale Mobilität in 30 Industrie- und Schwellenländern.

Die ist schwer eingeschränkt. In Deutschland kann es sechs Generationen dauern, bis die Nachkommen einer einkommensschwachen Familie das Durchschnittseinkommen erreichen, heißt es in der Studie. In Dänemark seien es nur zwei Generationen, in den übrigen skandinavischen Ländern drei Generationen. Nur in Schwellenländern wie China und Indien brauchen Menschen aus einkommensschwachen Familien noch länger – nämlich sieben bis acht Generationen.

Vergleicht man Väter und Söhne in Deutschland, dann gelingt nur neun Prozent der Söhne von Vätern mit geringem Einkommen der Aufstieg in die höchste Verdienstgruppe. Ganz anders sieht es für Kinder von Vätern mit hohem Verdienst aus: Die Hälfte von ihnen wird später einmal gut verdienen.

Ebenso schlecht sieht es bei den Bildungschancen aus: 53 Prozent der Kinder von Eltern mit hohem Bildungsstatus schaffen einen Uni-Abschluss, aber nur jedes zehnte Kind von Hauptschulabsolventen.

Ein gewisser Trost mag sein, dass es in anderen europäischen Ländern nicht besser aussieht, etwa in Frankreich und Großbritannien. Die Skandinavier allerdings haben es geschafft, Chancengerechtigkeit weitgehend herzustellen.

Die OECD-Ökonomen glauben, dass in Deutschland das Bildungssystem eine entscheidende Rolle für die fehlende soziale Mobilität spielt: Noch immer gebe es zu wenig Kitas und Ganztagsschulen, die Kindern aus sozial schwachen Familien mehr Bildung bieten könnten.

Die frühe Trennung nach der Grundschule in Gymnasien und andere Schulen verbaue zudem vielen Schülern die Chance auf Abitur und Universität.

Die OECD fürchtet, dass Deutschland damit Chancen verspielt und Talent verschwendet. Dies drücke auf die Produktivität der Wirtschaft insgesamt. Auch die Chance auf möglichst viele innovative Unternehmensgründer verspiele Deutschland so.

Die Ökonomen haben zudem die Aufstiegschancen innerhalb einer Generation verglichen, also die Frage gestellt, wie gut es gelingt, aus einem Niedriglohnjob in höhere Einkommenssphären aufzusteigen.

Auch diese Einkommensmobilität ist in Deutschland begrenzt. 58 Prozent der Geringverdiener bleiben für immer arm. Viele Teilzeitbeschäftigte blieben unter ihren Möglichkeiten, vor allem Frauen. „Ein Arbeitsplatz allein ermöglicht oftmals keine großen Schritte auf der Einkommensleiter“, heißt es in dem Bericht.

Wer allerdings erst einmal einen Job mit hohem Einkommen erreicht hat, wird ihn kaum je verlieren: 74 Prozent aus dieser Gruppe steigen nicht wieder ab. Dies erhöhe die Gefahr, dass sich Vermögen in Händen weniger konzentrieren.

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Die Ökonomen empfehlen als Gegenmittel eine Erbschaftsteuer mit niedrigeren Freibeträgen und weniger Ausnahmen. Gleichzeitig sollten niedrigere Einkommen von Steuern und Sozialabgaben entlastet werden. Denn je höher das Nettoeinkommen, desto eher gelingt der Bildungsaufstieg der Kinder.

Die Zahlen der OECD sind allerdings mit gewisser Vorsicht zu betrachten. Sie sind relativ alt und stammen überwiegend aus dem Jahr 2014. Seither gibt es mehr Kitas und Ganztagsschulen. Dass die Zahl allerdings bei weitem nicht ausreicht, wissen in Deutschland alle Eltern kleiner Kinder.

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