1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Medien
  4. Metropolitan Cities: Fünf Thesen zur Stadt der Zukunft

Metropolitan CitiesFünf Thesen zur Stadt der Zukunft

Experten haben klare Vorstellungen, wie sich Metropolen in den kommenden Jahren verändern werden. Fünf Thesen zum Leben in der Stadt der Zukunft.Johannes Steger 20.07.2018 - 20:15 Uhr Artikel anhören

Kleine Fluggeräte sollen den Stadtverkehr der Zukunft revolutionieren.

Foto: dpa

Aachen, Düsseldorf. Die Welt, die Experten wie Günther Schuh entwerfen, wirkt heute noch ganz weit entfernt. Der Geschäftsführer der RWTH Aachen Campus hat eingeladen, um sie zu erklären. Auf der Konferenz „Metropolitan Cities“ in Aachen erzählt der Professor – von fliegenden Taxis und smarten Laternen, die Stadtplanern bei der Arbeit helfen.

Dass er eine Vision zum Leben erwecken kann, hat er schon bewiesen: Schuh ist Miterfinder der Streetscooter, also jener Elektroautos, mit denen die Deutsche Post bereits Pakete ausliefert, und hat mit seiner Elektroautomarke Ego Mobile gerade eine Fabrik in Aachen eröffnet.

Auf der Konferenz, die Schuh gemeinsam mit Michael Mronz, Chef der Rhein Ruhr City GmbH, ins Leben gerufen hat, trafen sich am Donnerstag und Freitag Experten und Konzernlenker, um über die Zukunft der Stadt zu diskutieren. Anlass ist die geplante Bewerbung der Region für die Olympischen Spiele 2032. Am Ende der Konferenz standen fünf Visionen für die Stadt der Zukunft.

Professor Günther Schuh von der RWTH Aachen entwickelt immer wieder Ideen für künftige Mobilität.

Foto: imago/Günther Ortmann

1. Die neuen Straßen entstehen in der Luft

Die Deutschen stehen immer länger im Stau: Von 2014 bis 2017 wuchs die Zahl der Staustunden nach Angaben des ADAC von 285.000 auf 457.000. Experten sind sich sicher: Damit dürfte es weiter gehen. Die Lösung dagegen liegt nicht zwingend auf der Straße: Geht es nach Professor Schuh, wird der Verkehr auf der Straße durch den Verkehr in der Luft entlastet.

Nicht nur Volocopter, eine Art elektrisch betriebener Mini-Helikopter, der 2017 seine Weltpremiere im Wüstenstaat Dubai feierte, wird dabei immer wieder genannt. Schuh glaubt auch an die sogenannten „Silent Air Taxis“, die von der RWTH Aachen entwickelt werden.

Staubedingte Wartezeiten im Jahr 2017
In München verbrachten Autofahrer 2017 im Schnitt 51 Stunden im Stau. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von fünf Prozent.
Die Autofahrer in Hamburg mussten hinsichtlich der Stauzeit im vergangenen Jahr ein Plus von acht Prozent hinnehmen. 44 Stunden pro Fahrer sind das im Ergebnis.
Die Bundeshauptstadt Berlin belegt mit 44 Stunden Stau pro Fahrer Platz drei im Ranking. Satte zehn Prozent mehr im Vergleich zum Jahr 2016.
In Stuttgart scheinen sich Investitionen in das Straßennetz auszuzahlen. Die Zeit, die Autofahrer durchschnittlich im Stau verbringen, ist 2017 um fünf Prozent zurückgegangen. Trotzdem bleiben absolut 44 Stunden Stillstand pro Fahrer.
Im Ruhrgebiet standen die Reifen staubedingt im Schnitt 40 Stunden pro Jahr still. Im Vergleich zu 2016 ein Plus von elf Prozent.
In der rheinischen Metropole hat sich die Stausituation 2017 verbessert. Statt 45 Stunden im Vorjahr mussten die Kölner „nur noch” 40 Stunden im Stau verbringen – ein Rückgang um 13 Prozent.
In Heilbronn ist Besserung in Sicht: Während 2016 noch Platz zwei im Stau-Ranking (45 Stunden) belegt wurde, verbesserte sich die Stadt in Baden-Württemberg 2017 deutlich um 19 Prozent (38 Stunden).
In Frankfurt am Main kosten Staus die Autofahrer jährlich jeweils 36 Stunden. Im Vergleich zu 2016 eine Verbesserung um neun Prozent.
In Würzburg war ein leichter Anstieg der Staustunden zu verzeichnen. Nach 33 Stunden in 2016 waren es im Folgejahr 35 Stunden.
Ein Stau-Plus von 14 Prozent mussten Autofahrer in Karlsruhe hinnehmen. 2017 stand man dort durchschnittlich 34 Stunden still.

Dabei handelt es sich, wie der Name verrät, um besonders leise Fluggeräte, die Anwohner weniger stören sollen. Schuh verspricht: „Die Lautstärke entspricht etwa der einer fünf Meter entfernten laufenden Waschmaschine.“ Bis zu sechs Menschen sollen Platz in den Gefährten haben. Die Volocopter könnten zum Beispiel Geschäftsleute über kurze Strecken von A nach B bringen.

Tatsächlich hat die nordrhein-westfälische Landesregierung für den nächsten Haushalt zusätzliche Mittel bewilligt, um den Flugplatz Aachen-Merzbrück zum Forschungsstandort auszubauen.

2. Mobilität: Aus Individualität wird Kollektiv

Die Zukunft gehört dem Kollektiv: Autos werden zu einem Allgemeingut, so sehen es manche Experten. Auch Stefan Hansen, Europachef des Cloud-Geodatendienst Here, meint: „Zwei Drittel der Weltbevölkerung sollen im Jahr 2050 in Städten leben. Die Notwendigkeit der Ressourcenschonung, aber auch die Tatsache, dass im Jahr 2032 vielleicht nicht mehr alle ein Auto besitzen möchten, wird dazu führen, dass wir zum Beispiel verstärkt Ridesharing sehen werden.“

Here kooperiert mit Vodafone in der Forschung zum autonomen Fahren, das ebenfalls im öffentlichen Nahverkehr eine entscheidende Rolle spielen soll.

Wie kollektive Mobilität aussehen könnte, zeigt das Berliner Start-up Getaway. Gründer Edgar Scholler nennt eindrucksvolle Zahlen: 45 Millionen Autos in Deutschland stehen im Durchschnitt 23 Stunden am Tag still. Gleichzeitig ist spontane Mobilität für elf Millionen Führerscheinbesitzer ohne eigenes Auto bis auf wenige Großstädten kaum verfügbar.

Die Idee von Getaway: Autobesitzer können ihren Wagen in die Vermietungsflotte des Start-ups integrieren. Das verbaut entsprechende Technik, rechnet ab und bietet sogar Versicherungsschutz. Erste Tests laufen in einer bayerischen Kleinstadt, auch in der Großstadt Essen sollen Autobesitzer von der Idee überzeugt werden. Bislang ist privates Carsharing in Deutschland allerdings noch nicht weit verbreitet.

Dennoch glauben auch große Autohersteller wie Daimler, dass Autos in Zukunft eher benutzt als besessen werden. Daimler hat darum unter anderem in den Limousinenservice Blacklane oder auch die Mobilitätsplattform Moovel investiert. Der Hersteller ist Partner der Aachener Konferenz und schickte Forschungsvorstand Ola Källenius, der eine Botschaft mitgebracht hat: „Wir denken, dass Mobilitätsdienstleister eine Hauptschnittstelle zum Kunden werden.“

Doch naturgemäß glaubt Daimler nicht, dass der Privatbesitz von Autos komplett verschwinden wird. Die Kombination aus Individualität und ÖPNV müsse stimmen: „Wir müssen den Dialog zwischen Mobilitätsdienstleistern, Autoherstellern und Städten suchen und gestalten“, sagt der Manager auf der Konferenz.

Ob sich die Menschen tatsächlich dauerhaft vom eigenen Auto verabschieden werden, ist noch offen. Das Carsharing erlebt indes einen Boom: Im Jahr 2018 wurden 2,1 Millionen registrierte Carsharing-Nutzer in Deutschland gezählt. Gerade unter jungen Menschen hat das Auto zudem als Statussymbol an Wert verloren.

3. Smarte Städte werden Allesüberwacher

Die Stadt weiß über alles Bescheid, was in ihr vorgeht. Stadtplaner erhalten dank Sensoren einen Überblick, wo eine verkehrsberuhigte Zone Sinn ergeben würde oder eine Ampel aufgestellt werden müsste. Die Luftqualität wird konstant gemessen, Mülleimer nur geleert, wenn sie ein Signal senden, dass sie voll sind.

Und es kann noch weiter gehen: Mittels Erhebung von biometrischen Daten werden Straßenzüge oder Viertel mit einem hohen Anteil von älteren Bewohnern seniorengerecht umgestaltet, Haltestellen an die besonderen Bedürfnisse zielgerichtet angepasst.

Selbstversuch

Die Überwachungsstadt – ein Besuch im chinesischen Shenzhen

Schon heute stecken überall moderne Sensoren, weiß Stefan Schwarz vom Datenmanager Teradata: „Ob in Fahrzeugen, Verkehrskameras, Maschinen, Ampeln und Laternen. Die Smart City lebt von eben diesen modernen Sensoren, die mit dem Internet verbunden sind. Daten sind und bleiben der Rohstoff unserer Zeit, um wertvolle Informationen zu erhalten und Services und Dienste anzubieten – und eigentlich ist eine Smart City nichts anderes als ein Service, den eine Stadt den Bürgern macht.“

Und dieser Service wird in Teilen bereits angewendet – nicht nur in China oder den USA. In Bonn etwa startete gemeinsam mit der Deutschen Telekom ein Projekt zur intelligenten Stadt. Dort wurden beispielsweise Straßenlaternen oder Glas- und Altkleidercontainer mit Sensoren ausgestattet.

4. Daten sind der Treibstoff der Zukunft

Damit Städte schlau, Autos selbstfahrend und Menschen mit Flugtaxis unterwegs sein können, braucht es Daten oder besser die richtige Verarbeitung. Auch Schwarz von Teradata meint: „Schlau werden Städte erst, wenn sie in der Lage sind, Wissen zu erwerben und dazuzulernen – und das geht in der digitalen, vernetzten Stadt der Zukunft eben nur durch Daten und ihre Analyse.“

Das weiß auch Hansen vom Technologieanbieter Here: „Jedes Auto, jedes Smartphone, jedes Gebäude, jedes Paket, jede Straße hat eine Location und sendet Daten: Die Frage ist aber: Wie bekommen wir daraus einen Mehrwert?“ Der Anbieter entwickelt deshalb die sogenannte Here Open Location Platform, erklärt der Manager: „Wir haben 400 Fahrzeuge, die Daten sammeln. Darüber hinaus erhalten wir hochwertige Sensordaten von über einer Million vernetzter Fahrzeuge – plus aus weiteren 80.000 Datenressourcen. Dazu gehören Informationen von Unternehmen wie Mastercard oder sehr spezialisierten Datenanbietern.“

Die Location der Daten sei der Klebstoff, damit alle Bereiche miteinander kommunizieren und entsprechende Services entstehen können, sagt Hansen: „Auf unserer Plattform wollen wir die physische Welt in Echtzeit digital abbilden.“ Darauf sollen dann von der Logistik über den Einzelhandel bis zur Gesundheitsbranche alle zugreifen können.

Klingt bei allen Vorzügen auch ein wenig unheimlich. Hansen verweist jedoch darauf, dass die Datenschutzgrundverordnung einen Rahmen setze, in dem sich alle Anbieter bewegen müssten.

5. Aus Städten werden Metropolregionen

Verwandte Themen
Deutschland
Volocopter

Im Mekka der Techindustrie, der San Francisco Bay Area, in deren Süden das berühmte Silicon Valley liegt, leben sieben Millionen Menschen. In der Metropolregion Rhein-Ruhr sind es sogar zehn Millionen. Potential gebe es genug, da sind sich auch die Sprecher auf der Konferenz in Aachen einig. Um zu einer Metropolregion der Mobilität zu werden, fehle es zwischen Düsseldorf und Köln aber an Zusammenhalt.

Jeder denke zuerst an sich, das fange bei der Start-up-Förderung an und höre beim Nahverkehr auf. Dabei müsse sich niemand um Identitätsverlust sorgen, beschwichtigt Mitinitiator Mronz: „Jeder Düsseldorfer kann weiter Alt trinken und kein Kölner muss Karneval woanders feiern.“ Es gehe vielmehr um das Schaffen gemeinsamer Ziele und deren Durchsetzung.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
remind.me
Jetziges Strom-/Gaspreistief nutzen, bevor die Preise wieder steigen
Anzeige
Homeday
Immobilienbewertung von Homeday - kostenlos, unverbindlich & schnell
Anzeige
IT Boltwise
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Presseportal
Direkt hier lesen!
Anzeige
STELLENMARKT
Mit unserem Karriere-Portal den Traumjob finden
Anzeige
Expertentesten.de
Produktvergleich - schnell zum besten Produkt