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FamilienunternehmenDer westfälische Müllriese Rethmann ist im Kaufrausch

Der westfälische Familienkonzern kauft innerhalb von vier Tagen für fast 600 Millionen Euro zu – und das in völlig unterschiedlichen Branchen.Christoph Schlautmann 03.10.2018 - 17:26 Uhr Artikel anhören

Der Manager Ludger Rethmann, Transdev-Chef Thierry Mallet und Eric Lombard, CEO der Caisse-des-Dépôts-Gruppe (v.l.).

Foto: RETHMANN SE & Co. KG

Eine solche Umgebung genießt bei Deutschlands mächtigstem Müllmanager Seltenheitswert. Vor Brokatgardinen und goldgerahmten Spiegeln unterschrieb Ludger Rethmann, 52, am Montagabend in Paris einen millionenschweren Kaufvertrag. Damit besiegelte sein Familienkonzern den Einstieg beim größten Konkurrenten der Deutschen Bahn, der französischen Nahverkehrsgesellschaft Transdev.

Der Vorstand und Miteigentümer des 14,4 Milliarden Euro Umsatz schweren Abfall- und Logistikriesen Rethmann hat darin Übung. Vergangene Woche erst unterzeichnete er die Übernahme des Grünen Punkts, die das Tochterunternehmen Remondis geschätzte 200 bis 250 Millionen Euro kostet. Gerade mal vier Tage später nimmt Rethmann nun weitere 340 Millionen Euro in die Hand, um bei Transdev einzusteigen.

Das Unternehmen aus dem westfälischen Selm übernimmt die bisherigen 30 Prozent des französischen Entsorgungswettbewerbers Veolia. Der hatte den Ausstieg aus Transdev gegenüber dem Handelsblatt bereits im Dezember 2016 angekündigt.

Zugleich bringt Rethmann sein eigenes Geschäft für den öffentlichen Personennahverkehr bei Transdev ein, wodurch sich die Stimmrechte auf 34 Prozent erhöhen. Mehrheitsgesellschafter bleibt die französische Staatsbank Caisse des Dépôts.

Das 1934 von Großvater Josef Rethmann gegründete Familienunternehmen gehört zu gleichen Teilen den vier Brüdern Klemens, Ludger, Georg und Martin Rethmann. Der Konzern betreibt in Eigenregie die Schienenverbindungen der Moselweinbahn, der Freiburger Eisenbahn und der Hunsrückbahn. Der Konzerntochter Rhenus Veniro unterstehen Trams in Zwickau sowie Buslinien in Zweibrücken, Idar-Oberstein oder Stendal.

Gegenmacht zur Bahn

Die 1 930 Mitarbeiter, die zuletzt knapp 93 Millionen Fahrgäste bewegten, wechseln nun unter das Dach von Transdev, einem Konzern mit 82.000 Mitarbeitern und 6,6 Milliarden Euro Umsatz, der in Deutschland neben einem umfangreichen Busnetz mehrere Regionalbahnen betreibt.

Familienunternehmen

Rethmann steigt bei französischem Transportkonzern Transdev ein

Zu ihnen zählt neben der Nordwestbahn und der Bayerischen Regionalbahn auch die Bayerische Oberlandbahn (BOB), die Anfang 2016 bei Bad Aibling – ohne eigene Schuld – verunglückte, wodurch zwölf Menschen starben.

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In Deutschland verdiente Transdev 2016 bei 49 Millionen Euro Umsatz unterm Strich 9,7 Millionen Euro. Im Dezember 2016 musste allerdings die Nord-Ostsee-Bahn (NOB), die Schleswig-Holsteins Festland über den Hindenburgdamm mit Sylt verband, den Betrieb einstellen.

Den Zusammenschluss mit Rethmann halten Beobachter für einen cleveren Schachzug. „Sowohl in Nordrhein-Westfalen wie auch in Baden-Württemberg werden in nächster Zeit Nahverkehrspakete ausgeschrieben“, sagt ein Brancheninsider, der ungenannt bleiben will. „Die Fusion kann die Position von Transdev etwa gegenüber der Deutschen Bahn kräftig stärken.“

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