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Weltgrößter VermögensverwalterRazzia bei Blackrock – Staatsanwaltschaft durchsucht Münchner Büros

Ermittler der Kölner Staatsanwaltschaft haben ein Büro des Vermögensverwalters Blackrock durchsucht. Für Aufsichtsratschef Merz kommt die Razzia zur Unzeit.Volker Votsmeier und Robert Landgraf 06.11.2018 - 16:28 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Blackrock ist der größte Vermögensverwalter der Welt. Die New Yorker verwalten Gelder über rund 6,3 Billionen Dollar.

Foto: Reuters

Frankfurt. Die Kölner Staatsanwaltschaft hat am Dienstag Räume des Vermögensverwalters Blackrock in München durchsucht. Grund ist nach Handelsblatt-Informationen ein Ermittlungsverfahren zu umstrittenen Cum-Ex-Geschäften. Über die Razzia hatte zuerst die „Bild“-Zeitung berichtet.

Ein Konzernsprecher sagte: „Blackrock arbeitet in einer laufenden Untersuchung im Zusammenhang mit Cum-Ex-Transaktionen im Zeitraum 2007 bis 2011 uneingeschränkt mit den Ermittlungsbehörden zusammen.“

Damit würden die Ermittlungen einen Zeitraum betreffen, lange bevor Friedrich Merz bei Blackrock Deutschland Aufsichtsratschef wurde. Der Kandidat für den CDU-Vorsitz leitet seit 2016 das Kontrollgremium des deutschen Ablegers.

Die Staatsanwaltschaft München schwieg auf Nachfrage, auch ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Köln wollte sich zu der Durchsuchung nicht äußern. Er bestätigte den Bericht nicht, dementiert ihn aber auch nicht.

Bekannt ist allerdings, dass die Staatsanwaltschaft Köln in dem Cum-Ex-Steuerskandal im Umfeld zahlreicher Banken ermittelt und inzwischen eine dreistellige Zahl von Beschuldigten führt.

Für Blackrock-Aufsichtsratschef Friedrich Merz kommt die Durchsuchung zur Unzeit. Der Kandidat für den Parteivorsitz der CDU muss sich nun als Chefaufseher des Vermögensverwalters mit den Durchsuchungen in München auseinandersetzen.

Das könnte seiner Kandidatur um den CDU-Parteivorsitz schaden. Merz steht im Wettbewerb mit CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Zwar ist der 62-Jährige erst seit März 2016 Aufsichtsratsvorsitzender von Blackrock Deutschland und trägt damit keine Verantwortung für die Jahre der Steuerdeals. Doch Merz muss befürchten, dass die Geschichte dennoch seinem Ruf schadet.

Friedrich Merz hatte sich zuletzt in der „Süddeutschen Zeitung“ ausdrücklich von dieser Art von Steuerspargeschäften distanziert, wie sein Sprecher betonte. „Aktiengeschäfte wie Cum-Ex und Cum-Cum dienen letztlich dazu, die Steuerzahler auszunehmen“, hatte Merz gesagt. Derartige Geschäfte seien vollkommen unmoralisch, unabhängig von der juristischen Bewertung.

Erst kürzlich berichtete das Handelsblatt über neue Ermittlungen der Kölner gegen die australische Investmentbank Macquarie, die in die Geschäfte verwickelt sein soll. Daneben laufen unter anderem Ermittlungen gegen die Privatbanken J. Safra Sarasin und M.M. Warburg.

Es geht um komplizierte Steuerdeals

Die umstrittenen Cum-Ex-Geschäfte zahlreicher Finanzinstitute beschäftigen die Staatsanwaltschaft seit langem. Hierbei geht es um komplizierte Steuerdeals, bei denen Investoren zu Unrecht Steuerlücken nutzten, um Milliardengewinne auf Kosten des Steuerzahlers einzufahren.

Konkret ließen sich Anleger die einmal gezahlte Kapitalertragsteuer mit Hilfe ihrer Bank mindestens zwei Mal erstatten. Dadurch sind dem Fiskus in Deutschland nach Angaben des Bundesfinanzministeriums mehr als fünf Milliarden Euro entgangen. Federführend ermittelt in der Sache Oberstaatsanwältin Anne Brorhilker.

Blackrock ist der größte Vermögensverwalter der Welt. Die New Yorker verwalten Gelder über rund 6,3 Billionen Dollar. Diese Summe ist doppelt so groß wie das deutsche Bruttosozialprodukt, also alle in einem Jahr in Deutschland erzeugten Güter und Dienstleistungen.

Der Konzern ist nahezu an allen großen deutschen Unternehmen beteiligt. Dazu zählen neben dem Sportartikelhersteller Adidas und dem Versicherungskonzern Allianz etwa auch die beiden Chemie- und Pharmaunternehmen BASF und Bayer. In Deutschland arbeiten rund 150 Leute für Blackrock.

Larry Fink

Blackrock will an Friedrich Merz festhalten – wenn der nicht CDU-Vorsitzender wird

Friedrich Merz hat sich lange Zeit um den Vermögensverwalter verdient gemacht. Er sorgte nicht nur für eine größere Bekanntheit des Namens, sondern mischte sich auch in alle Debatten ein, die die Öffentlichkeit bewegten.

In Diskussionen verteidigte er Blackrock gegen Kritik am zunehmenden Einfluss von börsennotierten Indexfonds auf die Aktienkurse. Die Amerikaner sind die weltgrößten Anbieter dieser sogenannten ETFs.

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Politische Kritik entzündete sich zuletzt vor allem am Blackrock-Engagement von Merz, der Macht des Finanzriesen und seinem Geschäftsgebaren. Merz hat diese Kritik zurückgewiesen. Blackrock sei „keine Heuschrecke. Das ist kein Private Equity, das ist ein Vermögensverwalter. Ich fühle mich da ausgesprochen wohl mit“, hatte er jüngst vor Journalisten in Berlin gesagt.

Die Firma verwalte das Vermögen von Hundertausenden von Kunden treuhänderisch. Das sei „keinerlei Konfliktlage“. Für seine großen politischen Pläne ist die jüngste Durchsuchung der Kölner Staatsanwaltschaft aber sicherlich nicht förderlich.  

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