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NeuemissionenEuropäische Unternehmen geben Rekord-Volumen an Anleihen aus

Europäische Firmen leihen sich Milliarden an den Kapitalmärkten. Die Zinsen sind extrem niedrig – trotzdem sind die Anleihen bei Investoren begehrt. Jakob Blume 10.01.2020 - 17:44 Uhr

Der bayrische Autobauer kann sich zu null Prozent Geld am Kapitalmarkt leihen.

Foto: Reuters

Frankfurt. Unternehmen haben in der ersten Januarwoche Milliarden Euro an frischem Kapital auf dem europäischen Anleihemarkt eingesammelt. In der ersten, durch den Drei-Königs-Feiertag verkürzten, Handelswoche hätten Firmen neue Anleihen mit einem Volumen von 16 Milliarden Euro ausgegeben, sagt Matthias Schell, Anleiheanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). „Nach dem Rekordjahr 2019 startete auch das Jahr 2020 mit einem beeindruckenden Emissionsvolumen an Unternehmensanleihen“, so Schell.

2019 betrugen die Neuemissionen am Anleihemarkt mehr als 400 Milliarden Euro – so viel wie noch nie. Jan Samow, Anleihehändler bei der Berenberg Bank in Hamburg, erwartet, dass die Flut der Neuemissionen weiter anhält: „Man merkt: Viele Emittenten stehen in den Startlöchern und treffen auf hohe Liquiditätsbestände bei Kapitalsammelstellen wie Banken, Fonds oder Versicherungen.“

Besonders deutsche Unternehmen waren zuletzt sehr aktiv: Sie standen mit über sieben Milliarden Euro für fast die Hälfte der gesamten Neuemissionen im neuen Jahr. So brachten etwa die Dax-Unternehmen Fresenius, Merck, BMW und Eon neue Anleihen auf den Markt.

Sie profitierten dabei auch von dem extrem niedrigen Zinsniveau in der Eurozone. BMW und Eon konnten jeweils eine Anleihe mit einem Zinskupon von null Prozent ausgeben. Das bedeutet, dass für diese Unternehmen bis zur Rückzahlung der Papiere keine Zinslast anfällt.

Günstiges Zinsumfeld

Auffällig war zudem, dass viele Unternehmen sich das derzeit extrem günstige Zinsumfeld langfristig gesichert haben: So hat die Deutsche Bahn in dieser Woche einen Bond mit einer Laufzeit von 15 Jahren ausgegeben.

Auch Andreas Meyer, Fondsmanager beim Vermögensverwalter Aramea, sagt: „Zahlreiche Emittenten nutzen die derzeitigen extrem niedrigen Risikoaufschläge, um sich durchzufinanzieren.“ Die Unternehmen könnten sich darauf verlassen, dass die Europäische Zentralbank mit ihrem Anleihekaufprogramm für eine stabile Nachfrage nach neu ausgegebenen Unternehmensanleihen sorgt.

Gleichzeitig sind Unternehmensanleihen auch bei Profi-Anlegern extrem begehrt. Viele Anleihen, etwa von der Deutschen Bahn, waren trotz der geringen Zinsen mitunter vierfach überzeichnet. Das bedeutet, dass das Unternehmen auch die vierfache Menge an Kapital zu guten Konditionen hätte einsammeln können.

Die starke Performance der Anleihemärkte im abgelaufenen Jahr sorgt auch 2020 für eine hohe Nachfrage nach Bonds, sagt Fondsmanager Meyer. Manches Anleiheportfolio hatte Anlegern zuletzt aktienähnliche Gewinne beschert. „Gewinnmitnahmen Ende 2019 aber auch Zuflüsse aufgrund der Performance im Jahr 2019 sorgen zu Beginn dieses Jahres dafür, dass viele Marktteilnehmer die neuen Anleihen händeringend aufnehmen“, sagt Meyer.

Der Anlagedruck wird noch dadurch verstärkt, dass sich die Investoren auf ein rekordniedriges Angebot von Staatsanleihen einstellen müssen. Analysten der US-Bank JP Morgan schätzen, dass die Euro-Staaten 2020 netto so wenig Anleihen ausgeben wie zuletzt im Jahr 2008.

Unattraktive Papiere

Während also die EZB monatlich für 20 Milliarden Euro Staats- und Unternehmensanleihen kauft, fahren viele Euro-Länder ihre Staatsausgaben zurück. Dadurch sinkt auch der Bedarf, über Anleihen Geld am Kapitalmarkt einzusammeln.

Bestes Beispiel ist Deutschland: Wegen des ausgeglichenen Haushalts geht der Finanzierungsbedarf der Bundesrepublik seit Jahren zurück. Zwar steigen die Neuemissionen des Bundes 2020 um 14 Milliarden auf 210 Milliarden Euro. Das ist der höchste Wert seit sieben Jahren.

Doch von den bei Investoren stark gefragten zwei- bis 30-jährigen Bundesanleihen kommen nur 148 Milliarden Euro auf den Markt – acht Milliarden weniger als im Vorjahr. Zudem muss Deutschland 2020 auch Anleihen mit diesen Laufzeiten in vergleichbarem Umfang zurückzahlen. Insgesamt werden weniger neue Anleihen aus- als alte zurückgegeben. Unterm Strich wird es also keine Bundesanleihen auf dem Markt geben oder zumindest weniger als noch 2019.

Viele Investoren haben daher kaum eine Wahl, als auf Unternehmensanleihen mit guter Bonität, einem sogenannten Investment-Grade-Rating auszuweichen. Die Folge: Die Risikoaufschläge, also die durchschnittliche Mehrrendite gegenüber einer Bundesanleihe, sinkt seit Monaten.

„Alle möglichen Sorgen wie der Handelskonflikt oder geopolitische Krisen scheinen davongewischt und viele Marktteilnehmer sind zumindest aktuell in eine Phase der Sorglosigkeit übergegangen“, warnt Aramea-Manager Meyer.

Aus seiner Sicht sind die Risikoaufschläge auf historisch niedrigen Niveaus und viele Rendite-Risiko-Verhältnisse ambitioniert. Aramea nutzt daher unter anderem höher verzinste Nachranganleihen, um noch attraktive Renditen zu erzielen.

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