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KommentarSiemens-Chef Kaeser blieb kaum eine andere Wahl – Die Fehler passierten vorher

Der Adani-Auftrag passt nicht gut zum grünen Image, das sich der Konzern gibt. Siemens muss aber auch seinen Kunden gegenüber verlässlich sein.Axel Höpner 13.01.2020 - 01:33 Uhr

Es war eine undankbare Entscheidung, die Siemens-Chef Joe Kaeser und der Vorstand zu treffen hatten: Der öffentliche Druck, sich aus dem umstrittenen Kohleminen-Projekt in Australien zurückzuziehen, war groß. Durch die Bilder von den verheerenden Bränden gewann das Thema an Brisanz. Doch auf der anderen Seite muss Siemens Kunden gegenüber verlässlich sein, von drohenden Vertragsstrafen mal ganz abgesehen.

Am Ende haben Kaeser und seine Kollegen die erwartbare und zu diesem Zeitpunkt wohl unumgängliche Entscheidung getroffen. Siemens wird den Vertrag in Australien erfüllen und die Signaltechnik für den Zug liefern, der die Kohle von der Mine abtransportiert. Andere Kunden müssen nun nicht fürchten, dass Siemens trotz Vertrag abspringt, wenn ein Projekt nicht mehr opportun erscheint. Pacta sunt servanda.

Gut steht Kaesers‘ Siemens dennoch nicht da, die Fehler wurden zuvor gemacht. Der Konzern sieht sich als Vorreiter der Energiewende und gerade Kaeser betont immer wieder die gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen. Das letzte Prozent Rendite dürfe nicht der alleinige Maßstab sein.

Wer so hohe Ansprüche propagiert, wird daran gemessen. Der Adani-Auftrag passt nicht sonderlich gut zum grünen Image, das sich der Konzern gibt. Da hilft es wenig, dass Siemens bei dem umstrittenen Projekt eigentlich nur eine kleine Nebenrolle spielt und als Ziel der Kritik vor allem ausgewählt wurde, weil er einen prominenten Namen hat und den Anspruch, nachhaltig zu wirtschaften.

Die internen Alarmglocken im Fall Adani hätten lauter schrillen müssen. Bei dem 18-Millionen-Euro-Auftrag für Signaltechnik kann Siemens nicht viel gewinnen – die Reputationsrisiken bei dem Vertrag waren dafür umso größer.

Daher ist es kein gutes Zeichen, dass der Vorstandschef erst von dem Fall etwas mitbekam, als die Verträge schon unterschrieben waren. Die Brisanz des Falls wurde von der Organisation unterschätzt. Das darf nicht noch einmal passieren.

Siemens muss die Frühwarnsysteme verbessern und den Dialog mit den Kritikern weiter führen. Mit seinem Treffen mit Klimaaktivistin Luisa Neubauer hat Kaeser einen Anfang gemacht.

Mehr: Das Angebot des Siemens-Chefs an Neubauer war ein geschickter Schachzug. Da schadet es kaum, dass die Klimaschützerin abgesagt hat.

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