ZEW-Studie: Innovations-Elan der Wirtschaft lässt nach
Der Fachkräftemangel bremst die Innovationsaktivitäten.
Foto: Moment/Getty ImagesBerlin. Die Innovationstätigkeit der deutschen Wirtschaft verliert deutlich an Schwung – und der Fachkräftemangel ist die Hauptursache dafür. 2018 steigerten die Unternehmen ihre Ausgaben für neue Produkte und Prozesse zwar noch um mehr als vier Prozent auf insgesamt 173 Milliarden Euro. 2019 jedoch betrug das Plus nach vorläufigen Daten noch 3,6 Prozent.
Und für 2020 werden sogar nur noch zwei Prozent Zuwachs erwartet. Das zeigt die noch unveröffentlichte Innovationserhebung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für die Bundesregierung, die dem Handelsblatt vorliegt.
Der Hauptgrund für die erlahmende Innovationsfreude ist dabei erstmals nicht das liebe Geld, sondern fehlendes Personal: Schon für 2018 gab gut jedes dritte Unternehmen an, dass der Fachkräftemangel seine Innovationsaktivitäten bremst. Das war der höchste je gemessene Wert.
Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte, der Fachkräftemangel sei eine große Herausforderung: „Um die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes Deutschland zu erhalten, müssen wir sicherstellen, dass eine ausreichende Anzahl von qualifiziertem Personal zur Verfügung steht“, sagte sie dem Handelsblatt. Ihr Haus trage dazu bei, indem es beim Aufstiegs-Bafög für Meister, Techniker und andere Fortbildungen die Zuschüsse und Freibeträge so stark erhöhe wie noch nie.
Die Reform des „Meister-Bafögs“ soll im August in Kraft treten. Daneben soll das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz, das Anfang März in Kraft tritt, den Zuzug von dringend gesuchten Spezialisten erleichtern. Das Bildungsministerium fördert dazu eine zentrale Servicestelle zur Berufsanerkennung.
Besonders groß war das Personalproblem nach der ZEW-Erhebung zuletzt in der Elektroindustrie: Hier konnte mehr als die Hälfte der Unternehmen wegen fehlender Leute nicht so innovativ sein, wie es ansonsten möglich wäre. Überdurchschnittlich groß ist der Mangel auch im Maschinenbau und bei den IT-Dienstleistern. Selbst in der „weniger innovationsorientierten Branche“ Konsumgüterindustrie kann fast ein Drittel der Unternehmen Innovationen nicht realisieren.
Ministerin lobt Mittelstand
Zugleich sind auch die Finanzierungsprobleme wieder deutlich gewachsen: Jedes vierte Unternehmen gibt an, dass Probleme bei der internen Finanzierung Innovationen behindern, jedes fünfte verweist auf Schwierigkeiten, Gelder für neue Produkte oder Verfahren von außen zu bekommen. Damit sind diese Werte „aktuell wieder ähnlich hoch wie in den Jahren der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008 bis 2012, sagte ZEW-Experte Christian Rammer.
Positiv wertete die Ministerin die überdurchschnittlich gute Entwicklung im Mittelstand, sowohl 2018 als auch im Vorjahr: „Die Innovationsausgaben sind erfreulicherweise besonders stark in kleinen und mittleren Unternehmen gestiegen, dem Herzen unserer Wirtschaft“, so Karliczek. Das werde die Regierung nun mit der neu eingeführten steuerlichen Forschungsförderung auch weiter unterstützen. Das ZEW geht allerdings davon aus, dass sich die Entwicklung 2019/20 umkehrt und dann wieder die Großunternehmen die Antreiber bei den Innovationsausgaben sein werden.