US-Wahl 2020: Sechs Lehren aus der Vorwahl in New Hampshire
Der Linksdemokrat gewinnt in New Hampshire und untermauert seinen Favoritenstatus.
Foto: AFPBerlin. Diesmal lagen die Ergebnisse wirklich innerhalb weniger Stunden vor. Im US-Bundesstaat New Hampshire hat Bernie Sanders die Vorwahl der demokratischen Partei für sich entscheiden können.
Klar ist: Im kleinen Bundesstaat an der US-Ostküste hat sich das Feld der demokratischen Bewerber um die US-Präsidentschaft gelichtet.
Dennoch ist auch nach New Hampshire noch nicht klar, wer die Partei mit welcher politischen Botschaft in den Wahlkampf gegen Donald Trump führen wird.
Der Linke Bernie Sanders liegt nun in Führung, hat aber in Pete Buttigieg, Amy Klobuchar und Michael Bloomberg immer noch drei Konkurrenten aus der politischen Mitte.
Die wichtigsten Erkenntnisse aus New Hampshire:
1. An Bernie Sanders müssen alle vorbei
Nach seinen Erfolgen in Iowa und New Hampshire ist der Linksaußen der Demokraten das Maß der Dinge, die jetzt kommen. Sanders stützt sich auf eine verschworene Fangemeinde und zahlreiche Kleinspender. Dass Partei-Establishment glaubt zwar nicht, dass der 78-Jährige aus Vermont mit seinen sozialistisch anmutenden Rezepten gegen Donald Trump gewinnen kann. Bislang hat sich jedoch kein Gegenkandidat etabliert, hinter dem sich der Rest der Partei versammeln könnte.
2. Das politische Zentrum der Demokraten bleibt gespalten
Pete Buttigieg hat zwar nach seinen guten Ergebnissen in Iowa und New Hampshire die Nase bei den moderaten Kandidaten vorn. Die wirklichen Bewährungsproben für den 38-jährigen ehemaligen Bürgermeister aus Indiana kommen jedoch erst noch. Vor allem die Vorwahl Ende des Monats in South Carolina wird zeigen, ob Buttigieg auch die wichtige afro-amerikanische Wählerschaft für sich gewinnen kann. Zudem hat er in Amy Klobuchar jetzt eine formidable Rivalin um die politische Mitte. Die Senatorin aus Minnesota ist die Überraschung von New Hampshire und könnte das Rennen noch lange offenhalten.
3. Joe Biden kämpft ums politische Überleben
Der frühere Vizepräsident musste in New Hampshire die zweite Enttäuschung in Folge einstecken. Nun muss er vor allem in South Carolina liefern, will er seine Kampagne am Leben erhalten.
4. Bloombergs Chancen wachsen
Der frühere Bürgermeister von New York hat zwar noch keine Delegierten gewonnen, hat aber angesichts der ideologischen Zersplitterung der Partei immer bessere Chancen, das Feld von hinten aufzurollen. Michael Bloomberg wird erst am 3. März beim „Super Tuesday“ in das Rennen einsteigen. Dann wird in 14 Bundesstaaten gleichzeitig gewählt.
Er buhlt wie Buttigieg und Klobuchar um die politische Mitte, konzentriert sich aber auch stark auf die ethnischen Minderheiten. Was den Milliardär so gefährlich für die anderen Bewerber macht, sind seine nahezu unbegrenzten finanziellen Möglichkeiten. In nationalen Umfragen liegt Bloomberg bereits bei über zehn Prozent.
5. Die maue Wahlbeteiligung bleibt ein Problem für alle Demokraten
In New Hampshire haben sich relativ zwar mehr Demokraten an den Vorwahlen beteiligt als zuvor in Iowa. Ein Signal des Wechsels ist von beiden Bundesstaaten bislang aber nicht ausgegangen. Noch fehlt die massenhafte Begeisterung, Einigkeit und unbedingte Entschlossenheit, Donald Trump im November zu schlagen.
6. New Hampshire war ein erster wirklicher Test
Anders als bei den „Caucuses“ in Iowa wurde in New Hampshire in – üblicher – geheimer Abstimmung gewählt und gezählt. An der Abstimmung konnten sogar bis zu 40 Prozent parteiunabhängige Wähler teilnehmen. Es gab keine Probleme bei der Auszählung der Stimmen, was nach dem Debakel in Iowa besonders wichtig war. Mehr als 260.000 Bürger des insgesamt 1,3 Millionen Einwohner zählenden Bundesstaates haben an der Vorwahl der Demokraten teilgenommen.
So geht es jetzt weiter: Eine Übersicht über alle Vorwahlen der Demokraten.