Kommentar: Pro Sieben Sat 1 braucht schnelle und zählbare Erfolge
Die Investoren blicken skeptisch auf den Medienkonzern.
Foto: dpaPro Sieben Sat 1 war schon immer für eine Überraschung gut: im Programm, vor allem aber in der Chefetage. So auch an diesem Mittwoch. Da teilte die Co-Chefin der TV-Sparte, Michaela Tod, den verblüfften Mitarbeitern mit, dass sie den Medienkonzern im Sommer nach nur gut einem Jahr wieder verlassen werde.
Damit geht eine der wichtigsten Führungskräfte, die Konzernchef Max Conze seit seinem Amtsantritt im Juni 2018 geholt hatte. Die Österreicherin war angetreten, das Kerngeschäft fit für die Zukunft zu machen. Dass sie als Ex-Managerin des Staubsaugerherstellers Dyson keine Medienerfahrung hatte, nahm Conze in Kauf. Er wollte frische Impulse bekommen. Zudem stellte er ihr den erfahrenen Fernsehmanager Wolfgang Link als Co-Chef zur Seite.
Zusammen haben sie die TV-Division umgekrempelt. Sie versuchen, neue Umsätze zu erzielen. Mit Konzerten, auf Youtube, mit Podcasts, mit personalisierten Spots und der Streaming-Plattform Joyn.
Es ist der richtige Weg, und Pro Sieben Sat 1 tut gut daran, ihn weiterzugehen. Die Einnahmen aus klassischen TV-Spots werden weiter sinken, genauso wie die Zuschauerzahlen im linearen Fernsehen. Ob es allerdings reicht, um gegen die immer größer werdende Zahl der amerikanischen Konkurrenten zu bestehen, ist völlig offen.
Ob Amazon oder Apple, ob Disney oder Netflix, die US-Konzerne nehmen Milliarden in die Hand, um die eingesessenen TV-Gruppen zu verdrängen. Mit lokalen Inhalten versucht Pro Sieben Sat 1 dagegenzuhalten. Diese Formate, so die Idee, sollen auf möglichst vielen Plattformen verbreitet und vermarktet werden. Das allerdings ist erst einmal teuer, und ob das Konzept langfristig bei Nutzern und Werbetreibenden verfängt, lässt sich noch nicht sagen.
Viel Zeit bleibt indes nicht. Der Aktienkurs von Pro Sieben Sat 1 ist seit Conzes Amtsantritt stark gefallen, den Investoren fehlt das Vertrauen. Wer auch immer auf Tod folgt: Schnelle und zählbare Erfolge sind jetzt Pflicht.
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