Kommentar: Pete Buttigiegs Rückzug ist ein selbstloser Akt zugunsten der US-Demokraten
Der moderate Kandidat stärkt mit seinem Rückzug die Position seines Flügels im internen Wahlkampf – und damit die Chancen, einen Konsenskandidaten gegen Trump aufzustellen.
Foto: imago images/MediaPunchPete Buttigieg wurde als „Dorfvorsteher“ verspottet, der sich anmaßt, Präsident werden zu wollen. Das hat den ehemaligen Bürgermeister aus South Bend nicht davon abgehalten zu kämpfen. Der 38-Jährige hat mit seiner starken Rhetorik und seiner pragmatischen Nüchternheit den rationalen Diskurs im Wahlkampf gestärkt, was in diesen Tagen in den USA keine Selbstverständlichkeit ist. Und er hat als bekennender Homosexueller ein Stück Normalität in den USA geschaffen, einem Land, in dem Homosexualität in weiten Teilen tatsächlich als Todsünde betrachtet wird.
Buttigieg gebührt Respekt für all das. Nun hat er die einzig richtige Entscheidung getroffen und kurz vor dem wichtigen Super Tuesday, an dem in 14 Bundesstaaten abgestimmt wird, seinen Rückzug angekündigt. Denn damit erhöht er für die übrigen Kandidaten der Mitte die Chance, sich gegen Bernie Sanders, den bekennenden „demokratischen Sozialisten“, durchzusetzen.
Buttigieg gibt seinen Unterstützern die Möglichkeit, für jene moderaten Bewerber zu stimmen, die tatsächlich eine Chance haben: allen voran den ehemaligen Vizepräsidenten Jo Biden, der in South Carolina einen ebenso fulminanten wie überraschenden Sieg hingelegt hat, aber auch für Michael Bloomberg, den New Yorker Milliardär, der erst am Dienstag in das Rennen einsteigt.
Am Ende ist aus Sicht der Demokraten nicht nur die Frage wichtig, wer die besten Chancen hat, Kandidat der Partei zu werden. Es geht vor allem darum, wer gegen Donald Trump bestehen kann. Da gehört der junge Mann aus Indiana sicherlich nicht dazu. Allerdings war Buttigieg, der zum Abschied noch einmal eine fast formvollendete Rede gehalten hat, bei Weitem nicht der aussichtsloseste Bewerber. Er hat in Iowa gesiegt, in New Hampshire war er Zweiter dicht hinter Sanders.
Sein Verzicht ist am Ende also auch ein Akt der Selbstlosigkeit – auch das ist in diesen Tagen in Amerika alles andere als eine Selbstverständlichkeit.