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Dax aktuellDax schließt 5,3 Prozent im Minus – Panik der Anlageprofis erreicht Rekordniveau

Der Schein von Gold als sicherem Hafen und Krisenwährung bekommt die ersten Kratzer. Der Kurs rutscht um mehr als drei Prozent ab. Der Grund dafür ist einfach. Jürgen Röder 16.03.2020 - 17:45 Uhr

Düsseldorf. Die Talfahrt am deutschen Aktienmarkt hat sich am Montag fortgesetzt. Zum Handelsschluss lag der Dax 5,3 Prozent im Minus bei 8.742 Zählern. Doch der gesamte Handelstag verlief wesentlich dramatischer, weil der Leitindex einen großen Teil seiner Verluste wieder wettmachen konnte. Das Tagestief lag kurz nach der Eröffnung der US-Börsen bei 8.255 Punkten, einem Minus von mehr als zehn Prozent.

VW ist mit knapp 12,8 Prozent der größte Dax-Verlierer. Im MDax musste Flughafenbetreiber Fraport mit minus 16,2 Prozent die höchsten Verluste hinnehmen.

Vier Wochen nach seinem Rekordhoch bei 13.795 Punkten findet sich der Dax wegen der Coronavirus-Pandemie mehr als 40 Prozent niedriger und nahe einem Fünfeinhalb-Jahres-Tief von 8.255 Zählern wieder. Nie zuvor in seiner Geschichte ging es für den deutschen Leitindex so schnell so drastisch bergab. Mit einem Minus von fast 37 Prozent seit Jahresbeginn steuert er zudem auf sein schwärzestes Quartal zu.

Noch am vergangenen Freitag hatte der deutsche Leitindex erste Stabilisierungstendenzen gezeigt, als er nach zwischenzeitlich hohen Gewinnen zumindest mit einem kleinen Plus den Handel abschloss. Endstand: 0,8 Prozent bei 9.232 Zählern. Nachbörslich war die Frankfurter Benchmark am Freitag gegen 22 Uhr sogar bis auf 9.630 Punkte gestiegen. Doch das ist kein Thema mehr.

Die Reaktion der Märkte auf die drastische Zinssenkung in den USA auf fast null Prozent am Sonntagabend zeigt: Die Probleme sind nicht mit einer lockeren Geldpolitik zu lösen. Bereits die erste Zinssenkung in den USA vor einigen Tagen hatte die Märkte nicht beruhigt, sondern die Talfahrt weiter verschärft.

„Die US-Notenbank hat mit ihren Maßnahmen nicht zur Beruhigung beigetragen“, kommentierte der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel, nach der erneuten Zinssenkung. Nur wenige Tage vor der regulären Zinsentscheidung solch einen deutlichen Schritt zu vollziehen lasse auf Stress schließen.

Auch die japanische Notenbank hat ihre Geldpolitik am Montag weiter gelockert: So fährt sie unter anderem die Ankäufe börsennotierter Fonds, sogenannter ETFs, und anderer riskanter Anlagen hoch. Bereits die Märkte in Asien rutschten deutlich ab. Die chinesischen Indizes verloren rund vier Prozent, obwohl dort das Coronavirus angesichts von wenigen neuen Fällen kaum noch eine Rolle spielt.

Die wichtige Frage in Europa lautet nach den vielen Grenzschließungen: Wie lange dauern diese an? „Nach der Logik, mit der die Regierungen die Einschränkungen derzeit einführen, sind sie sehr, sehr lange begründet“, meint Commerzbank-Devisenanalyst Ulrich Leuchtmann.

Wie in der Finanzkrise sollten Anleger die Kurse der Banken im Blick behalten. Denn seit Jahresbeginn ist der Index „Stoxx 600 Banken“ um rund 40 Prozent eingebrochen. Die deutlichen Gewinne am vergangenen Freitag bedeuteten nur eine kleine Zwischenerholung. Die Deutsche-Bank-Aktie verlor im Vormittagshandel rund zehn Prozent, zuletzt betrug das Minus noch 3,9 Prozent. Commerzbank-Papiere verloren 7,3 Prozent. Der europäische Bankenindex gab 11,5 Prozent nach.

Am härtesten getroffen sind die Banken in Griechenland, deren Aktienkurse zwischenzeitlich um rund 18 Prozent fielen. Als Folge fällt auch der griechische Börsenindex ASE um 12,2 Prozent und ist damit der europäische Auswahlindex mit dem größten Minus.

Eine beunruhigende Tatsache ist, dass sich in den vergangenen Tagen die Kreditausfallversicherungen, sogenannte Credit Default Swaps (CDS), sprunghaft verteuert haben: Sie signalisieren heute eine steigende Wahrscheinlichkeit, dass die in den vergangenen Jahren aufgebauten Eigenkapitalpolster nicht ausreichen werden, um alle Banken ohne Kapitalklemme durch eine möglicherweise einschneidende Coronakrise zu bringen.

Darüber hinaus droht eine höhere Risikovorsorge für ausfallgefährdete Kredite, wenn Unternehmen in wirtschaftliche Probleme geraten. Dazu kommt, dass die Zinsen wahrscheinlich noch länger niedrig bleiben werden. Die Margen der Banken werden also stärker als bislang unter Druck geraten. Die Banken mögen seit der Finanzkrise ihre Widerstandskraft deutlich gestärkt haben. Aber die massiven Verluste an der Börse zeigen, dass das Vertrauen in die Stabilität des Finanzsystems noch immer fragil ist.

Die Furcht vor den wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Pandemie brockt auch Versicherern einen erneuten Kursrutsch ein. Der europäische Branchenindex fällt um 9,6 Prozent. Der Branche drohen hohe Zahlungen aus Kredit- und Handelsversicherungen. Außerdem brechen ihnen die Erträge aus Geldanlagen weg.

Panik an den Märkten auf Rekordniveau

Die Nervosität an den Aktienmärkten hat ein höheres Niveau als während der Finanzkrise erreicht. Der Volatilitätsindex VDax, das Nervenbarometer der Börse, stieg am heutigen Montag um mehr als 20 Prozent auf 93,30 Punkte. Solch eine große Panik haben Anlageprofis noch nie gezeigt. Selbst während der Finanzkrise lag dieser Index bei maximal 85,12 Prozent.

Je höher der VDax notiert, desto größere Kursschwankungen erwarten die Anlageprofis in den kommenden Tagen und Wochen. Der Wert wird aus den tatsächlich an der Frankfurter Terminbörse gehandelten Optionen berechnet.

Die Kreditausfallversicherungen von europäischen Unternehmen verteuern sich weiter. Der „Markit iTraxx Europe Crossover“-Index, der als Barometer für die Absicherungskosten europäischer Unternehmen mit einem Rating im Junkbereich gilt, steigt um 79 auf 602 Basispunkte. Das ist der höchste Stand seit 2012. Ein entsprechender Finanzfirmen-Index steigt um 47 auf 315 Basispunkte.

Blick auf andere Assetklassen

Wegen der zweiten drastischen US-Zinssenkung binnen zwei Wochen steuert der Kurs des Dollars am Montag auf den größten Tagesverlust seit gut drei Jahren zu. Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, verliert 1,1 Prozent auf 97,645 Punkte. Im Gegenzug verteuert sich der Euro um 0,8 Prozent auf 1,1199 Dollar.

Die Ölpreise sind am Montag trotz einer erneuten massiven Zinssenkung in den USA zur Stützung der Konjunktur deutlich gefallen. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete 30,43 US-Dollar. Das waren 3,50 Dollar weniger als am Freitag. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte WTI fiel um 2,5 Dollar auf 29,50 Dollar.

Die Ölpreise fielen am Montagmorgen, obwohl US-Präsident Donald Trump am Freitag Maßnahmen zur Stützung der Ölpreise angekündigt hatte. Laut Meldungen aus der vergangenen Nacht bereiten sich die USA derzeit darauf vor, in den kommenden zwei Wochen 77 Millionen Barrel Rohöl auf dem Markt zur Aufstockung der Notfallreserve des Landes zu kaufen.

Am Anleihemarkt sorgen sich die Anleger stärker über die künftige Schuldentragfähigkeit der einzelnen Euro-Länder, da die Haushaltsdefizite steigen dürften. So geht beispielsweise Österreich von einem kräftigen Anstieg aus. Portugal erwartet Mehrbelastungen in Höhe von 300 Millionen Euro. Entsprechend ist die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen aus Portugal seit Donnerstag von 0,4 auf aktuell 1,008 Prozent angestiegen.

Die Rendite von zehnjährigen italienischen Staatsanleihen lag am Montag zwischenzeitlich bei 2,166 Prozent. Am vergangenen Donnerstag hatte dieser Wert noch bei 1,12 Prozent gelegen. Aktuell liegt die Rendite der italienischen Anleihen auf dem Niveau der griechischen Staatsbonds.

Der Schein von Gold als sicherem Hafen und Krisenwährung bekommt die ersten Kratzer. Denn trotz der hohen Aktienmärkte gibt der Preis für das Edelmetall um 3,3 Prozent nach und notiert bei rund 1.500 Dollar je Feinunze.

Bereits vergangene Woche verzeichnete Gold mit einem Minus von 8,6 Prozent den stärksten Wochenverlust seit 2011. Die Commerzbank führt das nach wie vor auf Verkäufe spekulativer Finanzanleger zurück, um Nachschussforderungen an anderen Märkten nachzukommen („margin calls“).

Die Verkäufe scheinen nun sogar auch auf die börsengehandelten Indexfonds (ETFs) überzugreifen: Die vom Wirtschaftsdienst Bloomberg erfassten Gold-ETFs vermeldeten am Freitag mit 17 Tonnen den größten Tagesabfluss seit Dezember 2016.

Ein ähnliches Verhaltensmuster bei Gold gab es während der Finanzkrise 2008. Damals hatte sich Gold nach dem starken Rückgang aber relativ schnell wieder erholt. Sollte sich das Szenario wiederholen, bietet Gold eine attraktive Einstiegsmöglichkeit.

Blick auf die Einzelwerte

Tui: Der Touristikkonzern stoppt wegen des Coronavirus den größten Teil seines Geschäfts und beantragt zur Überbrückung Staatshilfe. Alle Pauschalreisen und Kreuzfahrten finden wegen der Vorgaben vieler Regierungen zur Eindämmung des Virus vorerst nicht statt, Hotels werden geschlossen. Die Aktie rutschte zwischenzeitlich um mehr als 35 Prozent ab, liegt aktuell aber nur noch 15,4 Prozent im Minus.

Salzgitter: Der deutsche Stahlkonzern ist im vergangenen Jahr in die roten Zahlen gerutscht. Der Vorsteuerverlust lag bei rund 253 Millionen Euro, wie das Unternehmen bekanntgab. Im laufenden Jahr peilt der Konzern weiterhin ein ausgeglichenes Vorsteuerergebnis an, er teilte aber mit, dass die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie noch nicht eingeschätzt werden könnten. Die Aktie verliert 6,7 Prozent.

Talanx: Der Versicherungskonzern erhöht die Dividende für das abgelaufene Geschäftsjahr um fünf Cent auf 1,50 Euro je Aktie. Dennoch verliert das Papier 12,3 Prozent. An den Zielen für 2020 hält der Konzern aus Hannover fest. Das Ziel gelte, solange sich durch die Corona-Pandemie keine größeren Verwerfungen an den Märkten ergäben, teilte Talanx mit. Die „verschärfte Niedrigzinsphase“ werde das Ergebnis aber mit rund 25 Millionen Euro belasten.

Wacker Neuson: Unter dem Eindruck der Pandemie befürchtet der Baumaschinenhersteller einen Rückgang von Umsatz und Gewinn, was die Anleger zunächst mit einem Minus von 10,2 Prozent bei der Aktie quittierten. Zum Handelsschluss lag das Papier aber zwei Prozent im Plus. Der Vorstand rechnet damit, dass die für 2020 geplanten Produktionszahlen aufgrund von Engpässen in den Lieferketten teilweise nicht erreicht werden können und dass einzelne Absatzmärkte empfindlich geschwächt werden.

Was die Charttechnik sagt

In den vergangenen 17 Handelstagen ist der deutsche Aktienindex 14-mal mit einem Minus aus dem Handel gegangen. Von einer Stabilisierung ist das Aktienbarometer also unverändert weit entfernt. Charttechnik und fundamentale Gründe spielen bei Investoren derzeit keine Rolle. Charttechnisch gesehen haben wir einen Bärenmarkt, da die großen Indizes mittlerweile mehr als 20 Prozent unter ihren Allzeithochs notieren. Um den größten Druck vom Dax zu nehmen, bedarf es zumindest eines Handelstags ohne neues Verlaufstief.

Hohe Dividendenrenditen

Gibt es überhaupt noch gute Nachrichten? Ja, wenn man nur auf die Dividendenrenditen schaut. Denn vor einigen Wochen wurden Aktien nur deshalb gekauft, weil Zinsanlagen unattraktiv geworden sind. Und weil es zurzeit keine bessere Alternative im Hinblick auf die Dividendenrendite gibt.

Und dieses Kriterium hat sich nach den Kursrückgängen deutlich verbessert.

Vermögensverwalter Marc-Oliver Lux hat in Sachen Dividendenrenditen einen guten Tipp für Investoren, die mit der Dividende einen Teil ihres Lebensunterhalts bestreiten.

Denn jedes Land hat in Sachen Dividenden einen eigenen Rhythmus. In Deutschland wird das Geld meist auf einen Schlag nach der Hauptversammlung ausgezahlt. Hochsaison ist darum im April und Mai. In den USA strecken die Unternehmen ihre Ausschüttung in der Regel über vier Quartale. Statt einer einzigen großen Überweisung gibt es somit vier kleinere Zahltage.

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Wer sein Depot geschickt zusammensetzt, kann dann sogar jeden Monat Quartalsdividende kassieren. Schon drei Aktien reichen. Ein Beispiel: Cisco Systems zahlt gewöhnlich im Januar, April, Juli und Oktober; der Telekomkonzern Verizon im Februar, Mai, August und November; Royal Dutch Shell im März, Juni, September und Dezember.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax. Aktuelle Leerverkäufe von Investoren finden Sie in unserer Datenbank zu Leerverkäufen.

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