Kommentar: Im Ölpreisstreit zwischen Russland und Saudi-Arabien dürfte die Vernunft siegen
Zwischen Russland und Saudi-Arabien ist wegen des Einbruchs des Ölpreises ein Machtkampf entbrannt.
Foto: dpaLange hat Kremlchef Wladimir Putin sein Volk über das zu erwartende Ausmaß der Corona-Pandemie für sein Land belogen. Er hat abgewiegelt, beschwichtigt und russische Helfer ins Ausland geschickt, um Größe zu demonstrieren.
Die verheerende Lage des heimischen Gesundheitssystems, in dem es in vielen Provinzen nur wenige und oft alte Beatmungsgeräte gibt, hat seine Regierung schöngeredet. Nun hat Putin fast alle Unternehmen seines Landes für mehr als eine Woche zum Stillstand verdonnert.
Ob das reicht, darf bezweifelt werden. Gleichzeitig versucht Moskau zusammen mit dem Iran, Nordkorea und Venezuela, die Vereinten Nationen zum Aufheben aller Sanktionen zu drängen.
Auch Saudi-Arabien hat die Coronakrise anfangs unterschätzt, will jetzt aber mit drastischen Strafen von bis zu 800.000 Dollar harsche Ausgangssperren durchsetzen und die Wirtschaft mit einem gewaltigen Stimuluspaket am Laufen halten.
Bei ihren Bemühungen im Kampf gegen Corona hindert der Ölpreisstreit zwischen beiden Ländern massiv. Nachdem Russland am 6. März Pläne des Opec-Kartells durchkreuzt hatte, gemeinsam den Ausstoß zu senken, hatte der Ölkonzern Saudi Aramco die Förderung massiv hochgefahren und erhebliche Rabatte für saudisches Rohöl angeboten.
Ölnachfrage sinkt in der Krise
Der Ölpreis war daraufhin abgestürzt. Denn zugleich sinkt die Ölnachfrage in der Krise deutlich. Goldman Sachs prognostizierte am Donnerstag eine weiter deutliche Abnahme.
US-Außenminister Mike Pompeo redete in einem Telefonat dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman zu, die Ölmärkte zu stabilisieren. Ein Aufruf zur Vernunft. Und ebendiese Vernunft dürfte am Ende über die Machtspielchen von Kremlchef und Kronprinz siegen.
Für ein Einlenken spricht, dass sich beide Staaten einen lange anhaltenden Ölpreiskrieg schlicht nicht leisten können. Momentan zieren sie sich noch, wer als Erster zur Vernunft kommt und an den Verhandlungstisch ruft. Dabei hindern die überbordenden Egos des absolutistisch herrschenden Kronprinzen Mohammed und des de facto wie ein Zar allein herrschenden Putins. Doch um sich an der Macht zu halten, brauchen sie Erfolg – und dafür sehr viel Geld.
So spricht die ökonomische Ratio dafür, dass es in Kürze zu Verhandlungen und einem Kompromiss kommt. Denn ein rasantes Abschmelzen der gut 500 Milliarden hohen saudischen und 580 Milliarden hohen russischen Devisenreserven können sich beide Länder nicht erlauben – angesichts der wirtschaftlichen Talfahrt in ihren Ländern brauchen sie diese finanzielle Feuerkraft noch.