Kommentar: Der Schaden für das Image von Adidas ist gewaltig
Konzernchef Rorsted hätte darauf verzichten sollen, überhaupt die Mietzahlungen in Deutschland auszusetzen.
Foto: dpaAdidas leidet unter der Coronakrise, und die anderen sollen dafür bezahlen: So kam der Entschluss von Vorstandschef Kasper Rorsted, die Miete für die Läden des Sportkonzerns auszusetzen, am Wochenende bei vielen Konsumenten an. Ein gewaltiger Aufschrei in den sozialen Medien folgte.
Tausende schworen auf Twitter, nie wieder zu der Marke mit den drei Streifen zu greifen. Politiker geißelten den Dax-Konzern als unsolidarisch. Die Boykottaufrufe wären zu vermeiden gewesen. Rorsted hätte die Maßnahme schneller und detaillierter erklären müssen. Dann hätten sich gewiss weniger Leute empört.
Denn größtenteils betrifft seine Entscheidung milliardenschwere Immobilienfonds, Versicherer und die Betreiber von Einkaufszentren. Privatvermieter nahm der Däne ausdrücklich aus. Das allerdings ging in dem Sturm der Entrüstung weitgehend unter.
Mehr noch: Rorsted hätte von vornherein darauf verzichten sollen, überhaupt die Mietzahlungen hierzulande auszusetzen. Schließlich geht es auf dem Heimatmarkt Deutschland nur um 26 Ladenlokale. Selbst im schlimmsten Abschwung der Nachkriegszeit handelt es sich bei einem Konzern mit 22 Milliarden Euro Umsatz um einen vergleichsweise geringen Kostenblock.
Gewaltig ist dagegen der Schaden für das bislang so gute Image von Adidas. Womöglich werden sich die Konsumenten noch in Jahren an den Vorfall erinnern und stattdessen zu den Shirts, Shorts und Schuhen der Konkurrenz greifen. Schaden nimmt auch die Glaubwürdigkeit. Umweltschutz- und Sozialinitiativen des Unternehmens kommen auf einmal weniger glaubwürdig daher.