Stelios Haji-Ioannou: Easyjet-Gründer liefert sich Schlagabtausch mit der Airline
Die britische Fluggesellschaft wird 24 bei Airbus bestellte Maschinen vorerst nicht abnehmen.
Foto: dpaLondon. Rund um den Globus kämpfen Airlines derzeit mit den Folgen der Coronakrise. Der britische Billigflieger Easyjet muss noch eine weitere Schlacht schlagen: Stelios Haji-Ioannou, Firmengründer und größter Aktionär, geht öffentlich gegen das Management vor. Am Dienstag drohte der griechisch-zyprische Milliardär, dessen Familie 34 Prozent der Firmenanteile hält, mit rechtlichen Schritten und hat sich eigenen Angaben zufolge bei der Finanzmarktaufsicht beschwert.
Um das Überleben der Airline zu sichern, hatte er Easyjet kürzlich aufgefordert, alle Flugzeugbestellungen bei Airbus rückgängig zu machen und eine Kapitalerhöhung durchzuführen. Um seinen Forderungen Gewicht zu verleihen, drohte er zudem, eine Hauptversammlung nach der anderen einzuberufen, auf der er Mitglieder des Verwaltungsrates abwählen lassen wolle.
Nach anfänglichem Zögern hatte Easyjet reagiert: Um „bereit für die niedrigere Nachfrage“ nach Aufhebung der Corona-Maßnahmen zu sein, sei mit Airbus vereinbart worden, die in den kommenden Jahren geplante Auslieferung von 24 Flugzeugen zu verschieben, teilte die Airline in einem Statement vor den Osterfeiertagen mit.
Die genauen Auslieferungstermine wolle man anhand der Nachfrage bestimmen. Diese Maßnahme „gibt unserem Cashflow den entscheidenden Schub und reduziert unsere kurzfristigen Kapitalaufwendungen erheblich“, erklärte Easyjet-Chef Johan Lundgren.
Doch Haji-Ioannou gab sich damit nicht zufrieden. Das sei ein „vollkommen allgemeines und unangemessenes Statement“, kritisierte der Investor. Es versetze keinen Anleger in die Lage, die finanziellen Folgen der Entscheidung zu beurteilen, schrieb er in einer Beschwerde, die er eigenen Angaben zufolge an die britische Finanzmarktaufsicht richtete. Es fehlten unter anderem Details, ob und zu welchen Bedingungen im laufenden Geschäftsjahr Zahlungen an Airbus zu leisten seien.
Außerdem habe Easyjet seines Wissens zugesagt, in den kommenden Jahren 107 Maschinen abzunehmen, behauptet Haji-Ioannou. „Die Schurken von Easyjet“ hätten nicht die Befugnis, einen solchen Deal zu schließen, schlussfolgert der Milliardär, die Aktionäre hätten einem solchen Geschäft zustimmen müssen.
Easyjet hatte Ende März seine komplette Flotte mit rund 330 Flugzeugen stillgelegt. So sollen Kosten gespart werden – aber es wird auch kein Umsatz gemacht. Gleichwohl muss Easyjet in den kommenden Jahren nach Hochrechnungen von Haji-Ioannou rund 5,2 Milliarden Euro an Airbus zahlen, seiner Meinung nach das „größte Risiko für das Überleben des Unternehmens“.
Der Unternehmer steht den Expansionsplänen von Easyjet schon lange skeptisch gegenüber. Immer wieder hatte er auf Hauptversammlungen Kritik geäußert. Zuletzt war es jedoch still um ihn geworden.