Pandemie: Corona bringt in den Schwellenländern die Armut zurück
Die Wirtschaft leidet nicht nur unter Ausgangsbeschränkungen, sondern als Vorlieferant auch durch die ausbleibende Nachfrage aus den Industriestaaten.
Foto: action pressBerlin, Istanbul, Kapstadt, Wien. Am Anfang waren es die aufstrebenden Länder Asiens, die – angesteckt von China – einen Coronaschock erlitten. Inzwischen hat das Virus die Wirtschaft in den Schwellenländern weltweit infiziert – mit drastischen Folgen. 100 Milliarden Dollar haben internationale Investoren seit Jahresbeginn aus Schwellen- und Entwicklungsländern abgezogen.
Das ist mehr als während der Asienkrise der 1990er-Jahre und der Finanzkrise 2008/09. Mehr als 100 Schwellen- und Entwicklungsländer haben in den vergangenen zwei Monaten beim Internationalen Währungsfonds IWF Hilfskredite beantragt.
Dabei „fängt die Krise in den Schwellenländern gerade erst richtig an“, ist Sergej Gurijew, Professor an der Pariser SciencesPo und früherer Chefökonom der Osteuropaentwicklungsbank EBRD, überzeugt. Wachstumseinbruch mit unzureichenden Sozialsystemen, ein drastischer Kapitalabzug und Währungsabsturz, eine stark wachsende Verschuldung: Auf den langjährigen wirtschaftlichen Erfolg vielerorts folgen jetzt massive Probleme.
Beispiel Rumänien: Die Pandemie hat den Boom der vergangenen Jahre abrupt beendet. Eine Million Menschen ist arbeitslos, weitere 950.000 Arbeitsverhältnisse ruhen. Allein im März ist die Wirtschaftsleistung im mit 19 Millionen Einwohnern größten Land Südosteuropas um 30 Prozent eingebrochen.
In der Türkei, einem Land, das gerade dabei war, sich aus einer Schwächephase herauszuarbeiten, hat seit Jahresbeginn jeder dritte Autozulieferer den Betrieb eingestellt, berichtet Alper Kanca, Präsident des Branchenverbands Taysad. Die türkischen Betriebe sind eng in die europäischen Lieferketten eingebunden. 75 Prozent aller Exporte gehen nach Europa. „Wenn dort die Werke geschlossen bleiben, können wir hier auch nicht produzieren“, sagt Kanca. Ähnliches gilt für den Tourismus: Die allermeisten Gäste der Türkei kommen aus europäischen Ländern.
Ob Rumänien, die Türkei, ob Russland, Indonesien, Ägypten oder Südafrika, Brasilien oder Mexiko: Die im Geleitzug mit den Milliarden-Einwohner-Staaten China und Indien aufstrebenden Volkswirtschaften drohen von der Pandemie zurück in die Armut gestoßen zu werden.
Denn das Virus findet in Schwellenländern eine viel breitere Angriffsfläche als in reichen Industriestaaten: Die Wirtschaft leidet nicht nur unter Ausgangsbeschränkungen, sondern als Vorlieferant auch an der ausbleibenden Nachfrage aus den Industriestaaten. Und wie in früheren Krisen reagieren ausländische Investoren ängstlich und ziehen massiv Kapital ab.
Gesundheitswesen in schlechter Verfassung
Mit drastischen Folgen: Lokale Währungen stürzen gegenüber der Weltwährung Dollar ab, Staatshaushalte können in der Folge ihre Auslandsschulden und Unternehmen ihre Devisenkredite kaum noch schultern. Die Wirtschaft bricht deshalb stärker und länger ein – und das umso mehr, je mehr sie, etwa in Russland, auf Rohstoffexporten basiert.
In der Coronakrise kommt ein weiteres Drama hinzu: Das Gesundheitswesen hält dem Virus noch weniger stand als in Italien, Spanien, Frankreich, den hart getroffenen Staaten Westeuropas. Etwa in Rumänien: „Das Gesundheitssystem geht aufgrund seines schlechten Managements, des Abwanderns von Fachkräften und der im EU-Vergleich schlechtesten Finanzierung durch schwere Zeiten“, sagte Analyst Radu Magdin in Bukarest.
Zwar sei die Lage in den Krankenhäusern noch unter Kontrolle. „Käme es aber zu einem starken Zuwachs an Infektionen, würde die Belastungsgrenze schnell erreicht“, sagt Martin Sieg, Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in Bukarest. Die Zahl der abgewanderten Mediziner soll sich auf 20.000 belaufen. Auch in Altenheimen fehlen Betreuer.
Die Regierung unter dem konservativen Premier Ludovic Orban verbot daher per Notstandsverordnung, dass Deutschland und Österreich medizinische und soziale Fachkräfte per Flugzeug holen. Für die Dauer des Notstands darf medizinisches Personal nun nicht mehr kündigen.
Auch in der Ukraine stößt das Gesundheitswesen an seine Grenzen. Immer mehr Ärzte und Krankenschwestern sind selbst infiziert: 784. Das ist ein hoher Anteil bei 4 161 Coronafällen. Die Ukraine und andere ärmere Schwellenländer können nicht mithalten, wenn reiche Golfstaaten und Industrieländer zu horrenden Preisen in China Atemschutzmasken und andere medizinische Güter kaufen.
Das Wiener Institut für internationale Wirtschaftsvergleiche erwartet, dass in Osteuropa die Rezession tiefer wird als während der Finanzkrise. Für viele Schwellenländer bedeutet der nun abreißende Zustrom von Kapital aus dem Ausland, dass sie nicht in der Lage sein werden, weiterhin ihre hohen Leistungsbilanzdefizite zu finanzieren. „Wir gehen davon aus, dass viele Länder in den kommenden Monaten auf multilaterale Unterstützung zurückgreifen werden“, sagt die Ökonomin Elina Ribakova vom Institute of International Finance (IIF), einer Lobbyorganisation der Finanzinstitute.
Die wachsende Verschuldung treibt viele Länder an den Rand des Staatsbankrotts. Der Libanon und Argentinien haben diesen bereits überschritten. Der IWF musste im März in den Notfallbetrieb umschalten: Seine gesamten Mittel von einer Billion Dollar will er in der Krise einsetzen. „Wir müssen eine beispiellose Zahl an Notrufen beantworten“, sagt IWF-Chefin Kristalina Georgiewa. Das Soforthilfeprogramm von 50 Milliarden Dollar wurde verdoppelt.
Das Frühjahrstreffen von IWF und Weltbank, bei dem Finanzminister und Notenbankchefs sowie Entwicklungsminister von 189 Staaten über die Weltwirtschaft beraten haben, geriet zum Weltkrisentreffen per Videokonferenzen. Für die ärmsten 25 Entwicklungsländer verständigten sich die reichsten 20 Staaten (G20) am Mittwoch auf Stundung von Zins und Tilgung der bilateralen Staatsschulden bis Ende dieses Jahres. „Das wird nicht reichen“, sagte Georgiewa. Sie verlangt längere Schuldenmoratorien und Zuschüsse für arme Länder, damit sie die Rezession überwinden können.
Mehrfach appellierte sie während der Frühjahrstagung gemeinsam mit Weltbank-Chef David Malpass an die G20, doch bitte – wie in der Finanzkrise – ein Gemeinschaftsprogramm zur Genesung der Weltwirtschaft zu entwickeln. Ein Appell, der weitgehend verhallte.
Erstmals kein Wachstum seit Jahrzehnten
Ein kriselndes Land zieht das nächste mit sich. In Asien wächst die Wirtschaft 2020 erstmals seit 60 Jahren nicht mehr, stellte der IWF fest. Osteuropa steht demnach wie Lateinamerika vor einem Einbruch der Wirtschaftsleistung um 5,2 Prozent. Südafrika muss mit einer um 5,8 Prozent schrumpfenden Wirtschaftsleistung rechnen.
Der türkische Ökonom Ali Agaoglu erwartet inzwischen, dass auch die Türkei noch beim IWF um Hilfe wird bitten müssen, auch wenn Präsident Recep Tayyip Erdogan das noch ausschließt. Das Rettungsprogramm der Regierung werde jedenfalls nicht ausreichen, die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, glaubt er.
Kaum ein Schwellenland aber ist ähnlich schlecht auf die Corona-Pandemie vorbereitet wie Südafrika. „Die Regierung hat in den letzten zehn Jahren so viel Geld verschwendet und so viele Investoren aus dem Land gejagt, dass die Staatskasse leer ist und entsprechend klein der Spielraum für fiskalische Stimuli“, sagt Frans Cronje, Chef des unabhängigen Thinktanks „Institute of Race Relations“.
Die bis Ende April verhängte fünfwöchige strikte Ausgangssperre wird sich dabei vor allem auf kleine und mittlere Unternehmen auswirken. Sie aber sind Südafrikas Jobmotor. „Hunderte, wenn nicht gar Tausende Kleinbetriebe werden pleitegehen mit verheerenden Folgen für den Arbeitsmarkt“, befürchtet der Wirtschaftsberater Dirk de Vos.
Schon jetzt trifft das Virus auf ein Land mit einer Rekordarbeitslosigkeit von 30 Prozent und Nullwachstum. Einige Beobachter erwarten nun einen Anstieg der Arbeitslosigkeit auf bis zu 50 Prozent.
Hoffnung auf eine einigermaßen schnelle Erholung sehen Experten am ehesten für Osteuropa. Die Länder könnten von einer Rückverlagerung von Fabriken europäischer Konzerne aus Asien profitieren, sagte der Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, Michael Harms.
Denn: „Diese Länder sind sehr wettbewerbsfähig.“ Rumänien, Serbien, Nordmazedonien, Weißrussland und die Ukraine könnten zu Gewinnern eines Rückzugs aus Asien werden, so Harms. Für die Ukraine gelte dies aber nur, wenn sie mit IWF-Hilfe dem Staatsbankrott entgeht.
Das ohnehin schwache Gesundheitssystem Ägyptenss ist nicht einmal ohne die Coronakrise für die 100 Millionen Einwohner gewappnet.
Foto: dpaÄgypten: Drama am Krankenbett
Unter Asiens wichtigen Währungen kam keine andere so stark unter Druck wie die Indonesiens.
Foto: dpaMostafa Basiouny hat immer schon Leber geliebt. Nach seinem Medizinstudium wurde er lieber Chefkoch im eigenen Restaurant als Krankenhausarzt. Denn so verdiene er deutlich besser. Dr. Kebda heißt sein Restaurant doppeldeutig – Kebda heißt auf Arabisch Leber, und im Speisesaal gibt es viele Gerichte mit Innereien. Wie Basiouny haben viele ihre Jobs als Mediziner nicht angetreten oder praktizieren wie Zehntausende gut ausgebildete ägyptische Ärzte und Krankenschwestern in reichen Golfstaaten.
An Privatkliniken kommen Ärzte auf nicht einmal 1000 Euro brutto monatlich, Intensivpflegekräfte auf die Hälfte. Und an staatlichen Kliniken sind es noch weniger. Der autokratisch herrschende Präsident Abdel-Fattah El-Sisi hat angewiesen, im kommenden Haushalt die Boni für medizinisches Fachpersonal um 75 Prozent zu erhöhen angesichts der Coronakrise.
Wie das Land die Milliarden-Stimuliprogramme finanzieren will, ist offen. Denn der Internationale Währungsfonds sieht Ägypten in seinem jüngsten Global Financial Stability Report als einen der am schwersten durch die Pandemie betroffenen Staaten.
Der Tourismus ist das Hauptstandbein der ägyptischen Wirtschaft, sichert einen hohen Anteil der Jobs im Land und war auch der Ausgangspunkt der Corona-Ansteckungswelle. Als Erster starb ein 60-jähriger deutscher Tourist auf einer Nil-Kreuzfahrt daran. Kurz darauf riegelte das Land sich ab.
Denn das ohnehin schwache Gesundheitssystem des bevölkerungsreichsten arabischen Landes ist nicht einmal ohne die Coronakrise für die 100 Millionen Einwohner gewappnet. Und auch die für Ägypten extrem wichtigen Heimüberweisungen seiner Millionen in Golfstaaten arbeitenden Gastarbeiter schmelzen in der Krise wie Eis im Wüstensand wie die bisher großzügige finanzielle Stütze aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Auslandsinvestitionen waren zuletzt schon stark geschrumpft. Hoffnung machen nur neue Erdgasfunde am Roten Meer. Mathias Brüggmann
Brasilien: Die Schulden explodieren
Es war ein schwer erkämpfter Reformerfolg Brasiliens noch im Oktober letzten Jahres: Mit der Rentenreform wollte der Staat über zehn Jahre 200 Milliarden Dollar einsparen. Doch in der Coronakrise verpufft der Spareffekt. Brasilien wird bis Mitte nächsten Jahres vermutlich so viel für soziale und wirtschaftliche Notmaßnahmen ausgeben, wie es mit der Pensionsreform eigentlich einsparen wollte.
Die Folge: „Das Defizit Brasiliens wird explodieren“, fürchtet die brasilianische Investmentbank BTG. Denn auch die Steuereinnahmen sind wegen der Rezession weggebrochen. Die Finanzierungslücke wird Brasilien mit neuer Verschuldung decken müssen.
Das wird nicht einfach sein. Wie viele andere aufstrebende Volkswirtschaften ist Brasilien schon hoch verschuldet, sogar weitaus höher als während der Weltfinanzkrise vor zehn Jahren. Um rund ein Viertel sind die Staatsschulden gestiegen. Unter den Schwellenländern war der Schuldenanstieg sonst nur in Argentinien, Chile und Südafrika ähnlich rasant.
Zwar hat Brasilien große Devisenreserven, es besteht also nicht die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit. Doch der Real hat seit Jahresbeginn rund ein Viertel gegenüber dem Dollar verloren. Die Zinsen und Tilgungen werden teurer.
Auch die Schulden im Vergleich zur Wirtschaftsleistung in Real steigen nun rasant. Die Experten von BTG etwa fürchten, dass bis Ende 2020 Brasiliens Schulden auf mehr als 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts steigen könnten.
Damit wächst die Unsicherheit über Brasiliens Bonität als Schuldner. Die Investoren ziehen schon seit mehreren Monaten ihr Kapital ab. Wann sie zurückkommen, das hänge vom erwarteten Wachstum ab, sagt Leonardo Fonseca von Credit Suisse in São Paulo. Er ist allerdings skeptisch: „Warum sollte ein ausländischer Investor in einem Land investieren, das mit einem höheren Risiko behaftet ist und weniger wächst als die Vereinigten Staaten?“ Alexander Busch
Indonesien: Investoren auf der Flucht
Finanzkrisen könnten sich schneller verbreiten als Epidemien, warnt Indonesiens früherer Finanzminister. Seine Heimat sieht Muhammad Chatib Basri, der nun an der Wirtschaftsfakultät der University of Indonesia lehrt, als besonders gefährdet an, weil Kapital massiv abfließt. „In Asien steht Indonesien im Kampf gegen die finanzielle Ansteckung in der ersten Reihe“, analysiert er.
In Südostasiens größter Volkswirtschaft weckt die Viruskrise Erinnerungen an die Asienkrise Ende der 1990er-Jahre: Damals verlor die indonesische Rupiah rasant an Wert, Unternehmen konnten ihre Auslandsschulden nicht mehr bedienen. Nun droht sich dies zu wiederholen.
Im ersten Quartal 2020 zogen Investoren mehr als zehn Milliarden Dollar aus dem Land ab. In der Folge sackte die Rupiah gegenüber dem Dollar um fast 20 Prozent ab – auf den tiefsten Stand seit 1998. Unter Asiens wichtigen Währungen kam keine andere so stark unter Druck.
Finanzministerin Sri Mulyani Indrawati – die Nachfolgerin von Ökonom Basri – warnte Anfang April davor, dass die Währung auf ein Rekordtief sinken könnte. „Wir werden alles daransetzen, dies zu verhindern“, sagte sie.
Einen weiteren Kursverlust sehen Ökonomen als große Gefahr: „Indonesiens hohe Verschuldung in Fremdwährungen macht das Land verwundbar“, sagt Gareth Leather, Volkswirt bei dem Analysehaus Capital Economics.
Solche Fremdwährungskredite entsprechen in Indonesien rund 35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – einer der höchsten Werte in Asiens Schwellenländern. Mehrere Konzerne, die Produkte in Rupiah verkaufen, aber Material und Kredite in Dollar zahlen, kommen unter Druck.
Ökonom Basri glaubt, dass Länder wie Indonesien ohne fremde Hilfe die Probleme kaum in den Griff bekommen werden: „Die Länder Südostasiens sind im Epizentrum eines Sturms“, warnt er. „Sie brauchen Kreditlinien, um eine tiefe, lang anhaltende Krise abzuwehren.“ Mathias Peer
Russland: Die Wirtschaft bricht ein
Wassili geht mit Frau und Hund in seiner Datscha-Siedlung spazieren. In Moskau gebe es ohnehin nichts für ihn zu tun. „80 Prozent des Umsatzes sind weggebrochen“, sagt der Möbelhersteller. Gerade Büromöbel, sein wichtigstes Produkt, sind nicht mehr gefragt. „Miete für die Werkhalle muss ich trotzdem zahlen“, klagt er.
So wie Wassili geht es Millionen russischer Unternehmer. In den zwei Wochen Quarantäne, die der Kreml wegen der Coronakrise über das Land verhängt hat, ist die Wirtschaftsaktivität nach Einschätzung des „Zentrums für Makrowirtschaftsanalyse und Kurzzeitprognosen“ um 11,4 Prozent gefallen. Umfragen zufolge fürchtet ein Drittel der Unternehmer den Bankrott.
Die Schätzungen über den Einbruch des BIP variieren stark. Rechnungshofchef Alexej Kudrin rechnet für 2020 mit einem Minus von fünf Prozent, der IWF mit minus 5,5 Prozent. Die Consultingagentur McKinsey sieht sogar einen Fall um 10,2 Prozent voraus. An eine schnelle Regeneration glaubt niemand.
Denn die russische Wirtschaft muss einen Doppelschlag verkraften. Präsident Wladimir Putin hat den April wegen der Pandemie für arbeitsfrei erklärt, in Moskau wurde die Bewegungsfreiheit der Bürger mit einem Passierschein-Regime auf ein Minimum reduziert.
Gleichzeitig leidet die rohstofflastige Wirtschaft unter dem Einbruch des Ölpreises. Zeitweise stürzte der Preis der russischen Marke Urals auf 13 Dollar pro Barrel ab. So billig war das Öl seit 1999 nicht; zeitweilig lag der Preis unterhalb der Förder- und Transportkosten. Selbst der Verfall des Rubels konnte den Export nicht beflügeln.
Auch die Einigung mit der Opec auf geringere Förderquoten wirkte kaum. Am Mittwoch kostete Urals-Öl erneut unter 17 Dollar – das bedeutet Milliardenverluste auch für den russischen Staatshaushalt. Viele Firmen haben Angestellte entlassen oder in unbezahlten Urlaub geschickt. Kudrin erwartet, dass die Zahl der Arbeitslosen von 2,5 auf acht Millionen steigen könnte. André Ballin
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