Berkshire Hathaway: Star-Investor Buffett warnt vor dramatischen Folgen der Pandemie – und kauft kaum Aktien
Der 89-jährige Star-Investor hat schon mehrere Krisen miterlebt.
Foto: AFPNew York . So war das nicht geplant. Zur Hauptversammlung von Berkshire Hathaway strömen in der Regel gut 40.000 Aktionäre aus aller Welt an den Konzernsitz nach Omaha, Nebraska. Die Veranstaltung wird unter den Fans daher auch „Woodstock für Kapitalisten“ genannt. In diesem Jahr wollten sie eigentlich feiern, dass CEO Warren Buffett das ungewöhnliche Konglomerat seit 55 Jahren leitet – eine absolute Seltenheit im schnelllebigen Corporate America.
Doch die Feier fiel aus. Mitten in der Coronakrise wurde die Veranstaltung nur via Livestream im Internet übertragen. „Das sieht nicht aus wie eine Hauptversammlung, und es fühlt sich auch nicht so an“, beschwerte sich Buffett, der am Samstag auf der Bühne saß und in eine leere Messehalle schaute. Dennoch hatte der Starinvestor, der in diesem Jahr 90 wird, eine ganze Reihe an Themen, die er mit seinen Aktionären teilen wollte. Hier sind die Highlights:
Wie bewertet er die Folgen der Coronakrise?
Die Pandemie hat Berkshire im ersten Quartal einen satten Nettoverlust von fast 50 Milliarden Dollar beschert. Bilanzregeln schreiben vor, dass Berkshire auch unrealisierte Aktienverluste und -gewinne melden muss. Das führt beim Nettoergebnis zu hohen Schwankungen – und nach einem turbulenten März an den Aktienmärkten verhagelte dies Buffett die Bilanz.
Berkshire hält große Aktienpakete, unter anderem an Banken wie JP Morgan Chase und Bank of America. Ende März war er zudem noch an den vier größten Fluggesellschaften des Landes beteiligt. Beide Branchen haben im ersten Quartal deutlich unter den Folgen der Coronakrise gelitten.
Im operativen Geschäft lief es besser. Im ersten Quartal verbuchte Berkshire einen operativen Nettogewinn von 5,9 Milliarden Dollar, sechs Prozent mehr als im Vorjahr. Doch Buffett warnte, dass sich die Krise auch in den kommenden Monaten noch bei Berkshire bemerkbar machen wird. Zum Konzern gehört auch der Eisenbahnbetreiber BNSF sowie eine Industriesparte, beide leiden unter dem Einbruch der Wirtschaft.
Buffett gab sich nachdenklich, verlor jedoch nicht seinen Optimismus. „Wetten Sie niemals gegen Amerika“, gab sich der Berkshire-Chef patriotisch. Allerdings ließ er Interpretationsspielraum. Niemand könne sagen, wie lange sich diese Krise hinziehen werde und was das für das Verhalten der Verbraucher bedeute. Einige Branchen würden dadurch nachhaltig verändert, warnte er.
Wie ist die Stimmung an den Märkten?
Seit Jahren beschwert sich Buffett über zu hohe Aktienbewertungen, und er wartet eigentlich nur auf eine günstige Kaufgelegenheit. Doch im März, als die Aktienmärkte zeitweise um mehr als 20 Prozent einbrachen, hielt sich Berkshire weitgehend zurück und vergrößerte lieber weiter seine Cashreserven, die am Ende des ersten Quartals bei 137 Milliarden Dollar lagen – ein neuer Rekord.
Unter dem Strich gaben Buffett und seine beiden Investmentmanager Ted Weschler und Todd Combs von Januar bis März nur 3,5 Milliarden Dollar für neue Aktienkäufe aus, rund die Hälfte davon für Rückkäufe der Berkshire-Aktie.
Im April trennte sich Buffett sogar komplett von seinen Beteiligungen an Amerikas vier größten Fluggesellschaften American, United, Delta und Southwest. Für sieben bis acht Milliarden Dollar hatte er zunächst Aktien der großen vier Fluggesellschaften gekauft. Nun jedoch „hat sich die Welt für Airlines geändert“.
Niemand könne genau vorhersagen, wie stark der Flugverkehr nach der Coronakrise wieder ansteigen werde. Deshalb wollte Buffett lieber möglichst schnell aussteigen – auch wenn er die Aktienpakete mit ein bis zwei Milliarden Dollar Verlust verkauft habe. „Das ist mein Fehler“, stellte er klar.
Hat Berkshire Hathaway Pläne für größere Übernahmen?
Buffett wird gern gefragt, ob er als Investor einspringen oder ein Unternehmen ganz übernehmen kann. Im Moment habe Berkshire noch keine interessanten Angebote bekommen. Viele Unternehmen würden derzeit erst einmal versuchen, über Programme der Regierung oder der Notenbank Hilfen zu bekommen. Doch wenn sich das ändere, dann stehe Berkshire bereit, versicherte der CEO.
Buffett könnte angesichts der hohen Cashreserven problemlos Übernahmen in Höhe von 30 bis 50 Milliarden Dollar stemmen. Doch er versicherte seinen Aktionären auch, dass der Konzern immer ein großes Polster für schlechte Zeiten haben werde.
Wie steht es um Buffetts Nachfolgeregelung?
Der Berkshire-Chef wird Ende August 90 Jahre alt. Charlie Munger, sein stellvertretender Verwaltungsratschef und langjähriger Weggefährte, ist bereits 96. Eigentlich bestreiten die beiden gemeinsam die Hauptversammlung, sitzen nebeneinander auf der Bühne, trinken Coca-Cola, essen Kekse und machen Altherrenwitze.
Munger, der in Kalifornien wohnt, konnte in diesem Jahr wegen der Coronakrise nicht nach Omaha reisen. Buffett nutzte daher die Gelegenheit, Greg Abel ins Rampenlicht zu rücken. Der langjährige Berkshire-Manager leitet die Energiesparte und zog vor zwei Jahren ebenfalls als Stellvertreter in den Verwaltungsrat ein. Dort beaufsichtigt er alle operativen Geschäfte außer der Versicherungssparte.
Der 57-Jährige gilt als wahrscheinlichster Kandidat für Buffetts Nachfolge, ist vielen Aktionären jedoch weitgehend unbekannt. „Für Abel war das eine Gelegenheit, um zu zeigen, dass er Berkshire im Blut hat“, sagte Larry Cunningham, Juraprofessor an der Georgetown University und Autor mehrerer Berkshire-Bücher. Doch der 57-Jährige hielt sich weitgehend im Hintergrund, beantwortete nur wenige Fragen und hatte nach den Ausführungen seines Chefs meist nur wenig zu ergänzen.
Buffett, der CEO, Investmentchef und Verwaltungsratschef ist, soll eines Tages durch vier Personen ersetzt werden. Abel könnte den Chefposten bekommen. Berkshires Investmentmanager Weschler und Combs werden das derzeit rund 250 Milliarden Dollar schwere Aktienpaket verwalten. Den Verwaltungsratsvorsitz soll Buffetts ältester Sohn Howard übernehmen.
Was sagt der Starinvestor zur politischen Lage?
Eigentlich wollte sich Buffett mit politischen Aussagen zurückhalten, wie er bereits im Vorfeld angekündet hatte. Er ist Demokrat, unterstützte im Wahlkampf 2016 die demokratische Kandidatin Hillary Clinton, die schließlich gegen Donald Trump verlor. Gegen Ende der Hauptversammlung ließ Buffett sich dann doch zu einigen Aussagen verleiten, die auf seine Sicht der Dinge schließen lassen.
So brachte er seinen Unmut darüber zum Ausdruck, wie gering die Löhne jener Menschen sind, die gerade mit ihrer Arbeit das Land am Laufen halten – Krankenschwestern, Supermarktmitarbeiter und Lieferboten etwa. „Wir sollten etwas tun, was diesen Leuten hilft, und dabei können wir ruhig zu weit gehen“, sagte er auf eine Frage des Schauspielers Bill Murray, der auch ein Berkshire-Aktionär ist.
Buffett betonte zudem, dass er natürlich Kapitalist sei. Doch der Kapitalismus müsse dringend besser reguliert werden. „Ich denke, wir können die besten Teile des freien Marktes behalten und gleichzeitig besser dafür sorgen, dass der Wohlstand bei allen ankommt.“