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GroßbritannienJohnson verkündet erste Lockerungen – Schottland lehnt neuen Corona-Slogan ab

Premierminister Boris Johnson hat einen Fahrplan für Lockerungen des Lockdowns vorgestellt. Diese fallen nur mäßig aus, die Briten werden weiter Geduld brauchen.Carsten Volkery 10.05.2020 - 21:50 Uhr

London. Der britische Premierminister Boris Johnson hat einen Fahrplan zur Lockerung des Corona-Lockdowns verkündet. In den kommenden Wochen will er das Land in drei Schritten wieder öffnen.

Man habe den Gipfel der Pandemie überschritten, erklärte der konservative Politiker am Sonntagabend in einer Fernsehansprache. Doch sei der Abstieg vom Berg der gefährlichste Teil der Wanderung. Deshalb dürfe man nichts überstürzen.

Sein dreistufiger Plan ist deshalb von großer Vorsicht gekennzeichnet:

Schritt 1: Die Regierung fordert alle diejenigen auf, die nicht zu Hause arbeiten können, ab Montag wieder zur Arbeit zu gehen. Als Beispiel nannte Johnson Bau- und Fabrikarbeiter. Bedingung dafür sei „social distancing“ am Arbeitsplatz. Alle anderen sollten aber weiterhin im Homeoffice arbeiten.

Ab Mittwoch dürfen die Briten zudem wieder unbegrenzt ins Freie, mit dem Auto irgendwo hinfahren, Sport machen oder picknicken. Allerdings gilt weiterhin das Kontaktverbot. Das heißt, alle diese Aktivitäten sind nur allein oder mit Mitgliedern des eigenen Haushalts erlaubt.

Schritt 2: Frühestens im Juni sollen einzelne Jahrgänge in die Grundschulen zurückkehren. Auch erste Geschäfte könnten wieder öffnen.

Schritt 3: Frühestens ab Juli hält Johnson eine Öffnung von Gastronomiebetrieben für denkbar. Details zu den einzelnen Phasen will er am Montag im Parlament vorstellen. Es wird erwartet, dass Johnson dann auch eine Empfehlung zu Gesichtsmasken geben wird.

Der Premierminister betonte, die Umsetzung des Plans sei vom weiteren Verlauf der Pandemie abhängig. „Wenn wir es zu diesen Terminen nicht schaffen, dann warten wir einfach“, sagte er. Man werde die Maßnahmen wieder verschärfen, sobald die Infektionszahlen anstiegen. „Wir werden nicht zögern, auf die Bremse zu treten.“

Die Regierung will die Gefährdungslage fortan mit einem fünfstufigen Warnsystem bewerten. Die höchste Warnstufe 5 bedeutet, dass der Reproduktionsfaktor zur Verbreitung des Virus über 1 liegt und daher eine Verschärfung der Maßnahmen nötig ist. Aktuell befindet sich das Land auf Stufe 4, wo der R-Faktor bei rund 1 liegt.

Der Faktor liege zwischen 0,5 und 0,9, sagte Johnson, potenziell also immer noch fast bei 1. Deshalb könne man den Lockdown diese Woche noch nicht beenden.

Die Zurückhaltung ist angebracht, denn Großbritannien hat inzwischen die höchste Opferzahl Europas – mit rund 32.000 Toten. Und die Ansteckungsrate ist weiterhin hoch, besonders in den Altenheimen.

Dennoch schwächte die Regierung ihren zentralen Corona-Slogan nun ab – von „Stay home“ („Bleibt zu Hause“) zu „Stay alert“ („Seid vorsichtig“). Damit soll das Rausgehen wieder normalisiert werden.

Briten haben weiterhin Angst vor dem Virus

Kritiker bemängelten den neuen Slogan als nichtssagend. Die Regionalregierungen von Schottland, Wales und Nordirland wollen an der alten Anweisung zum Zu-Hause-Bleiben festhalten, weil diese unmissverständlich sei. Sie wisse nicht, was „Stay alert“ bedeute, sagte die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon.

Laut Umfragen haben die Briten weiterhin Angst vor dem Coronavirus. Eine große Mehrheit befürwortet den Lockdown. Doch hat die Disziplin in den vergangenen Tagen bereits nachgelassen. Die Straßen und Parks sind deutlich belebter als noch vor einer Woche. „Leider verlieren wir den Kampf heute“, twitterte die Polizei im Londoner Stadtteil Hackney am sonnigen Samstag und postete ein Foto von Menschen beim Picknick. „Buchstäblich Hunderte sitzen hier mit Pizza, Bier und Wein.“

Virologen warnten am Sonntag vor einem zweiten Ausbruch der Pandemie. „Wir müssen wachsam bleiben“, sagte Oxford-Professor Peter Horby der BBC.

Im britischen Kabinett wird über die Lockerungen heftig gestritten: Gesundheitsminister Matt Hancock fürchtet vor allem eine zweite Viruswelle, Finanzminister Rishi Sunak hingegen die Rezession. Die Bank of England hatte am Donnerstag geschätzt, dass die Wirtschaftsleistung dieses Jahr um 14 Prozent einbrechen könnte. Sunak drängt daher auf ein baldiges Hochfahren der Wirtschaft.

Johnson sagte in seiner Ansprache, es gebe zwei Ängste. Die Angst vor dem Virus und die Angst um den britischen „Way of Life“. Er versuche mit seinem Lockerungsplan, beiden Rechnung zu tragen.

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Doch ist vieles unklar, nicht zuletzt, wie die Regierung „social distancing“ in einer Metropole wie London sicherstellen will. Die Pendlerzüge könnten dauerhaft nur zehn Prozent der normalen Passagierzahlen befördern, hatte Verkehrsminister Grant Shapps diese Woche gesagt. Johnsons Aufforderung, wenn möglich im Homeoffice zu bleiben, hat daher auch ganz praktische Gründe. Diejenigen, die zur Arbeit fahren müssen, rief er auf, den öffentlichen Nahverkehr zu meiden.

Oppositionsführer Keir Starmer kritisierte, Johnsons Plan werfe mehr Fragen auf als er Antworten gebe. „Er scheint Millionen Menschen zu sagen, zur Arbeit zu fahren, ohne einen klaren Plan für ihre Sicherheit zu haben oder eine klare Vorgabe, wie sie ohne öffentlichen Nahverkehr dorthin gelangen sollen“, sagte der Labour-Politiker.

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