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Galeria Karstadt KaufhofTrennung im Streit: Warum Karstadt-Sanierer Stephan Fanderl das Warenhaus verlässt

Er sollte dem Kaufhaus in Deutschland die Zukunft sichern. Nun geht der Chef in der heikelsten Phase des Unternehmens – und alle Beteiligten stehen vor einem Scherbenhaufen.Florian Kolf 09.06.2020 - 15:10 Uhr

Im Juni 2018 feierte der Galeria-Chef noch die Grundsteinlegung für ein neues Karstadt-Haus in Berlin.

Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Düsseldorf. Er galt als der strahlende Retter von Karstadt. „Stephan Fanderl und sein Team haben bei Karstadt bislang einen Riesenjob gemacht. Sie haben bewiesen, dass das Warenhaus eine Zukunft hat“, sagte Eigentümer René Benko vor gut zwei Jahren im Interview mit dem Handelsblatt.

Fanderl schaffte sogar, was niemand für möglich gehalten hatte: Durch harte Sparmaßnahmen machte Karstadt zumindest 2017 nach Jahren der roten Zahlen vorübergehend wieder einen kleinen Gewinn.

Deshalb galt Fanderl auch als Idealkandidat für die Führung des Gesamtunternehmens, als Benko 2018 Kaufhof übernahm und die Traditionsketten fusionierte. Als Sanierer und Stratege sollte er die angeschlagenen Unternehmen in eine bessere Zukunft führen. „Wir kämpfen um jede Filiale“, befeuerte damals Benko die hohe Erwartungshaltung.

Doch nun stehen alle Beteiligten vor einem Scherbenhaufen, die Fusion mit Kaufhof hat auch die Karstadt-Sanierung wieder zurückgeworfen. Galeria Karstadt Kaufhof ist in ein Schutzschirmverfahren geflüchtet und steuert auf eine Insolvenz zu. Und die Zukunft des Händlers wird ohne Fanderl stattfinden. Der Topmanager wird das Unternehmen verlassen.

Schon vor dem Eintritt in das Schutzschirmverfahren war zwischen Fanderl und Benko mehr zerbrochen als eine Geschäftsbeziehung. Lange hatte der österreichische Milliardär und Eigentümer der Galeria-Mutter Signa Holding dem Handelsexperten Fanderl fast blind vertraut – dieser genießt in der Branche schließlich einen hervorragenden Ruf.

Der 56-jährige Betriebswirt, der auch in Tokio studiert hat, hatte zuvor unter anderem für Metro und Walmart gearbeitet und war im Vorstand von Rewe. Bei Karstadt war er zunächst Aufsichtsratschef, übernahm dann die Rolle des CEO.

Doch als sich die wirtschaftliche Situation infolge der aufziehenden Coronakrise immer mehr verschärfte, gerieten die beiden Weggefährten in Streit über strategische Entscheidungen. Dieser eskalierte so stark, dass Fanderl schon vor Wochen praktisch kalt gestellt wurde und im Unternehmen seitdem nicht mehr gesehen wurde.

Umsätze entwickeln sich noch schlechter als befürchtet

Eine Rolle bei der Entmachtung von Fanderl soll auch Benkos rechte Hand Dieter Berninghaus gespielt haben. Der ehemalige Rewe- und Migros-Manager steuert von Zürich aus das gesamte Handelsgeschäft der Signa-Gruppe.

Aus dem Umfeld des Unternehmens heißt es, Berninghaus habe sich stark in Fanderls Arbeit eingemischt, was zuweilen zu Problemen geführt habe. Fanderl selbst sagte jetzt, er habe dem Unternehmen eine „einvernehmliche Trennung vorgeschlagen“. Mit einer Einigung wird diese Woche gerechnet.

Das Unternehmen beharrte bis zuletzt auf der Darstellung, Fanderl sei nur vorübergehend weg und absolviere eine lange geplante Reha-Maßnahme. Doch Fakt ist: An der Erarbeitung des Insolvenzplans hat er schon nicht mehr mitgearbeitet, den verantworten der von Benko eingesetzte Generalbevollmächtigte Arndt Geiwitz und der Sachwalter Frank Kebekus.

Fanderl dürfte letztlich froh sein, dass er mit den aktuellen Maßnahmen nichts mehr zu tun hat. Denn die entwickeln sich zu einem „Blutbad“, wie es ein Insider beschreibt. Dem Vernehmen nach haben sich die Umsätze nach der Wiedereröffnung der Kaufhäuser noch viel schlechter entwickelt als befürchtet.

Auch die Verhandlungen mit den Vermietern über dauerhafte Mietkürzungen verlaufen zäh. Deshalb sieht es im Moment so aus, als ob es auf das Worst-Case-Szenario zuläuft, bei dem rund 80 Häuser geschlossen werden sollen.

Fanderl gilt als harter Sanierer, aber für so einen Kahlschlag hätte er wohl nicht zur Verfügung gestanden. So hatte er noch vor Kurzem davon gesprochen, den Bereich Sport deutlich auszubauen. Nun wird wohl im Zuge des Insolvenzplans auch ein großer Teil der Karstadt-Sports-Filialen geschlossen.

Das Metier von der Pike auf gelernt

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Der gebürtige Ingolstädter ist Händler durch und durch, der bei allem Realismus an die Zukunft des Geschäfts glaubt. Schon sein Vater war Edeka-Händler, Fanderl hat das Metier als Einzelhandelskaufmann von der Pike auf gelernt.

Doch er ist zugleich sehr ehrgeizig und geht Auseinandersetzungen nicht aus dem Weg. So hatte er auch schon seinen Posten im Rewe-Vorstand 2007 nach nur einem Jahr nach einem internen Machtkampf aufgegeben. Damals hatte er rasch einen neuen Posten bei Walmart gefunden. Nun ist es für ihn wieder Zeit für einen Neuanfang.

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