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Fondsmanager-Umfrage„Launische“ Bullen: Investoren laufen der Aktien-Rally hinterher

Fondsmanager sind weniger skeptisch mit Blick auf die Wirtschaft. Ein großer Teil der Investoren kauft aber offensichtlich Aktien gegen die eigene Überzeugung.Andrea Cünnen 16.06.2020 - 18:06 Uhr

Die Börsen haben sich seit Mitte März rasant erholt.

Foto: Taxi Japan/Getty Images

Frankfurt. Fondsmanager trauen der Rally an den Aktienmärkten nicht. Mehr als die Hälfte der 190 internationalen Investoren, die bei der monatlichen Umfrage der Bank of America (BofA) mitgemacht haben, geht davon aus, dass die massive Erholung an den Börsen nur eine „Bärenmarktrally“ ist. Viele Investoren bewerten damit den deutlichen Anstieg der Märkte nach dem Absturz von Mitte Februar bis Mitte März lediglich als Zwischenerholung und rechnen mit neuen heftigen Rückschlägen.

Die Rally hält allerdings inzwischen schon sehr lange an. In der vergangenen Woche gab es zwar den ersten bedeutenden Rückschlag seit Mitte März. Seither ging es aber erneut kräftig bergauf, nachdem die US-Notenbank angekündigt hatte, ihr Notfallkaufprogramm für Unternehmensanleihen zu erweitern.

Viele institutionelle Investoren haben die Rally inmitten der Corona-Pandemie verpasst. Seit Februar waren Portfoliomanager bei Fondshäusern, Versicherern, Pensionskassen, Hedgefonds und Unternehmen laut der monatlichen Umfrage der BofA unter dem Strich in Aktien untergewichtet. Untergewichtet heißt, dass die Aktienquote in ihren Portfolios insgesamt niedriger ist als für die jeweiligen Häuser üblich.

Jetzt laufen Investoren der Rally hinterher. Die durchschnittliche Bargeldquote in den Portfolios sank im Vergleich zum Vormonat um einen ganzen Prozentpunkt auf 4,7 Prozent. Einen so deutlichen Rückgang gab es zuletzt im August 2009.

Gleichzeitig gewichten die befragten Fondsmanager, die zusammen rund 560 Milliarden Dollar verwalten, im Schnitt Aktien in ihren Portfolios wieder höher. Die durchschnittliche Übergewichtung lag zuletzt bei sechs Prozent.

Dabei gewinnen europäische Aktien, die sich zuletzt besser als US-Aktien entwickelt haben, in der Gunst der Investoren. Nachdem im Mai unter dem Strich noch 17 Prozent der Großanleger in europäischen Aktien untergewichtet waren, gewichten jetzt sieben Prozent europäische Aktien stärker über als für ihre Häuser üblich.US-Aktien bleiben indes der Favorit der Investoren. Hier liegt die Übergewichtung bei 22 Prozent nach 24 Prozent im Vormonat.

Ein großer Teil der Investoren kauft aber offensichtlich Aktien gegen die eigene Überzeugung. Netto halten 78 Prozent der Investoren, und damit so viele wie noch nie in der Geschichte der Umfrage, Aktien für „überbewertet“, sprich für zu teuer. Die BofA spricht deshalb von „launischen“ und „neurotischen“ Bullen.

Vor allem Hedgefonds kaufen Aktien

Die größten Bullen, also Optimisten für die Aktienmärkte, sind Hedgefonds. Sie sind netto zu 52 Prozent in Aktien übergewichtet. Netto bedeutet in dem Fall, dass es mehr Hedgefonds gibt, die Aktien übergewichten als solche, die das nicht tun. Schon im Mai war die Aktienquote bei Hedgefonds sehr hoch, inzwischen hat sie den höchsten Stand seit September 2018 erreicht.

Insgesamt hat sich immerhin die Stimmung aller befragten Investoren mit Blick auf die Konjunktur etwas aufgehellt. Hauptgrund dafür dürften die seit Mai nochmals erhöhten Rettungspakete von Regierungen und Notenbanken sein. Nur 46 Prozent der Investoren rechnen mit einer Rezession, also einer auf zwei aufeinanderfolgende Quartale schrumpfendenden Weltwirtschaft. Im Mai waren das noch 77 und im April 93 Prozent.

Die Portfoliomanager zeigen sich damit in der Umfrage wesentlich optimistischer als Ökonomen. Diese gehen laut vielen anderen Umfragen fest davon aus, dass eine Rezession unvermeidlich ist. Auch die von der BofA befragten Investoren sind bei genauerem Hinsehen durchaus noch skeptisch. Mit einer raschen V-förmigen Erholung der Wirtschaft rechnen nämlich nur 18 Prozent.

Bei Candriam, dem europäischen Asset-Manager des US-Vermögensverwalters New York Life Investment, heißt es dazu: „Die bisher ergriffenen Maßnahmen der Regierungen werden trotz ihres Umfangs wahrscheinlich nicht ausreichen, um die Weltwirtschaft wieder auf Kurs zu bringen.“

Auffallend bescheiden sind die von der BofA befragten Fondsmanager, wenn es um die erwarteten Erträge von Aktien geht. 67 Prozent rechnen über die nächsten zehn Jahre mit Aktienerträgen von null bis maximal fünf Prozent pro Jahr. Im Schnitt liegt die Erwartung bei 3,4 Prozent.

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