Girokontenvergleich: Bis zu 50 Cent Gebühren: Bargeldloses Zahlen kann teuer werden
Manche Banken berechnen für jede Zahlung mit der Girocard Gebühren.
Foto: dpaBerlin. In der Coronakrise hat bargeldloses Zahlen stark an Bedeutung gewonnen. Doch wer mit Karte oder mit dem Smartphone zahlt, muss bei den Kosten mit Überraschungen rechnen. Manche Institute berechnen für jede Zahlung mit der Girocard Gebühren bis zu 0,50 Euro, belegen Untersuchungen der Zeitschrift „Finanztest“.
„Finanztest“ hat knapp 300 Girokontenmodelle von 125 Banken unter die Lupe genommen. In Stichproben wurde festgestellt, dass Banken bei 55 Modellen Gebühren beim Zahlen mit der Karte berechnen. Namentlich aufgeführt werden dabei die Bremische Volksbank, die Kasseler Sparkasse und die Salzlandsparkasse, die bei ihren Klassikkonten für einzelne Zahlvorgänge jeweils 50 Cent berechnen.
„Das ist ärgerlich für Kunden, die wegen der Coronakrise bewusst auf Barzahlungen verzichten“, kommentiert „Finanztest“ dieses Gebaren. Immerhin: 20 getestete Kontomodelle sind ganz kostenlos.
Um einen Vergleich zu ermöglichen, haben die Verbraucherschützer einen Modellkunden kreiert. Dieser erhält ein monatliches Gehalt und erledigt seine Bankgeschäfte online. Zudem zahlt er dreimal pro Woche mit seiner kostenlosen Girocard. Kosten für Strom und Versicherungen werden abgebucht, Kontoauszüge elektronisch gecheckt. Daran gemessen schneidet die Bremische Volksbank mit Kosten von rund 250 Euro jährlich für das Klassikkonto am schlechtesten ab.
Reine Gratiskonten werden seltener. Mittlerweile gibt es nur noch neun bundesweit tätige Banken, die ihren Kunden auch ohne Gehaltseingang nichts für das Girokonto berechnen. Auch die Direktbank ING hat an der Preisschraube gedreht. Seit Mai ist das Konto nur noch dann kostenlos, wenn monatlich Geldeingänge von 700 Euro verzeichnet werden.
Nach Recherchen des Vergleichsportals biallo.de hat sich die Zahl der kostenlosen Girokonten seit Mai 2020 von 47 auf 41 verringert. Das ist auch der aktuellen Zinssituation geschuldet. Die Zinserträge, die Haupteinnahmequelle der meisten Banken, brechen weg. Im Gegenzug versuchen die Institute, ihre Provisionseinnahmen, zu denen auch Gebühren gehören, zu steigern.
Heterogene Kundenbedürfnisse
Biallo weist darauf hin, dass es kein Girokonto gibt, das für alle das Beste ist. Dafür seien die Bedürfnisse der Verbraucher zu unterschiedlich. Wem persönlicher Kontakt zu einem Bankmitarbeiter wichtig sei, für den kommen Internetbanken eher nicht infrage. Dennoch sollten die Kosten nicht aus den Augen verloren werden.
Für angemessen hält „Finanztest“ jährliche Kontokosten von 60 Euro. Auch Banken mit Filialen würden dieses Niveau teilweise unterbieten. Wer mehr als 60 Euro zahlt, sollte über einen Wechsel nachdenken, empfiehlt „Finanztest“.
Für einen besseren Überblick von Bankkonditionen sorgt jetzt auch eine Vergleichswebsite für Girokonten. Das Portal Check24 bietet diesen Service, nachdem es vom Tüv Saarland ein entsprechendes Zertifikat erhalten hat. Auf Basis der Entgeltinformationen, die Banken online veröffentlichen müssen, stellt Check24 die nach dem Zahlungskontengesetz für den Vergleich vorgeschriebenen Gebühren zusammen. Insgesamt sind es 19 verschiedene Positionen von derzeit rund 550 Banken.