Kommentar: Warum Warren Buffett die Goldmine Barrick Gold kauft
Das kanadische Minenunternehmen erzielt hohe Gewinne.
Foto: ReutersWarren Buffett kommt spät: Jetzt erst, wo der Goldpreis schon bei 2000 Dollar steht, steigt der legendäre Investor ein. Allerdings kauft er nicht direkt das Edelmetall, sondern Aktien der großen kanadischen Minengesellschaft Barrick Gold.
Deren Kurs hat auch schon deutlich zugelegt. Warum also jetzt noch einsteigen? Setzt der Gründer und Chef der US-Holding Berkshire Hathaway auf einen weiteren Anstieg des Goldkurses?
Nicht unbedingt. Traditionell kauft Buffett nicht gerne spekulative Werte. Er möchte gute Gewinne und nach Möglichkeit auch Ausschüttungen sehen, bevor er zuschlägt. Deswegen kam er bei Käufen von Tech-Aktien wie Apple und Amazon recht spät – vielleicht zu spät.
Und seine größte Tech-Position, Apple, glänzt inzwischen längst mit hohen, stetigen Gewinnen; wurde aus einem typischen Wachstumswert zu einem Konsum-Konzern mit starker Marke und damit hoher Kundenbindung.
Barrick Gold hat ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund zwölf und eine Dividendenrendite zurzeit 1,2 Prozent. Interessant ist aber vor allem das Geschäftsmodell. Wenn der Goldabsatz steigt, wachsen Umsatz und Kosten. Wenn der Goldpreis steigt, wächst dadurch aber direkt nur der Umsatz.
Die absolute Umsatzsteigerung schlägt direkt auf den Gewinn durch und wirkt sich dort prozentual sogar noch stärker aus. Das bedeutet zweierlei.
Erstens: Wenn Gold noch teurer wird, könnte die Aktie sogar überproportional steigen. Und zweitens: Selbst wenn der Preis nur auf hohem Niveau verharrt, sollte Barrick Gold satte, stetige Gewinne abwerfen, möglicherweise auch höhere Ausschüttungen als bisher.
Damit würde die Minengesellschaft genau in Buffetts traditionelles Beuteschema passen.
Höhere Inflation erwartet
Anders als beim direkten Kauf von Gold reicht also beim Erwerb der Minenaktie ein etwa gleichbleibendes Preisniveau des Metalls aus, damit die Rechnung aufgeht.
Damit stellt sich die Frage: Wie groß ist das Risiko eines starken Einbruchs des Goldpreises? Mit kurzfristigen Schwankungen müssen Anleger immer rechnen.
Aber für den langfristigen Trend ist eine Kennziffer relativ wichtig: der Realzins, also der ausgewiesene Prozentsatz minus der Inflationsrate. In den USA sind die Inflationserwartungen zuletzt deutlich gestiegen, und das bringt den Realzins unter Druck.
Letztlich gehen die Märkte davon aus, dass nur mehr Inflation bei weiterhin niedrigen nominalen Zinsen einen sanften Ausstieg aus der hohen Staatsverschuldung ermöglicht. Sie erwarten, dass die US-Notenbank (Fed) beides sicherstellt. Wenn das so funktioniert, bleibt Buffett mit seinem Kauf im grünen Bereich.