Banken-Gipfel: Fall Wirecard: Bafin übt Selbstkritik, Deutsche Börse will neue Regeln
Der Vorstandschef der Deutschen Börse zieht Lehren aus dem Wirecard-Skandal.
Foto: Marc-Steffen Unger für HandelsblattFrankfurt. Die Pleite des Zahlungsabwicklers Wirecard führt zu weiteren Konsequenzen: In Berlin setzt der Bundestag einen Untersuchungsausschuss ein. Und in Frankfurt plädieren Topmanager der Finanzwirtschaft für Reformen.
So will die Deutsche Börse, dass bei der Zugehörigkeit zum Leitindex Dax künftig auch qualitative Kriterien eine Rolle spielen. „Wir werden den Dax anpassen“, kündigte Vorstandschef Theodor Weimer an diesem Mittwoch auf dem Banken-Gipfel des Handelsblatts an. Darüber hinaus solle das Börsengesetz verschärft werden. Sanktionsverfahren sollten beschleunigt und höhere Strafen eingeführt werden.
Die Deutsche Börse war in die Kritik geraten, weil der Marktplatzbetreiber auch nach der Wirecard-Insolvenz bis Ende August gebraucht hatte, um den Zahlungsdienstleister aus dem Dax zu entfernen. Wirecard war nach der Aufdeckung eines mutmaßlichen Bilanzbetrugs in Milliardenhöhe zusammengebrochen. Noch im Herbst 2018 hatte der Konzern aus Aschheim bei München die Commerzbank aus dem Dax verdrängt.
„Als Börsenchef sieht man mit Verwunderung, wie jemand eine so große Gesellschaft auf Betrug aufbauen konnte“, sagte Weimer. 2001 habe die Börse noch versucht, die Wirecard-Vorgängergesellschaft Infogenie aus dem Börsen-Listing zu entfernen. Diese sei ein „Pennystock“ gewesen, eine praktisch wertlose Aktie. Das Oberlandesgericht Frankfurt habe den Schritt jedoch verboten.