Bilanzfälschung und fehlende Bohrmaschinen: Die größten Prüfungsskandale der 2000er-Jahre
Das badische Unternehmen sicherte sich Millionenkredite über falsche Leasingverträge für nicht existente Maschinen.
Foto: imago stock&peopleEin regelkonformer Jahresabschluss, eine saubere Bilanz und eine ordentliche Buchführung – Wirtschaftsprüfer werden dafür bezahlt, diese Bereiche der Unternehmensführung genau zu untersuchen.
Zahlentricksereien sollten ihnen als erstes auffallen. Dass das nicht immer funktioniert, zeigen einige der spektakulärsten Betrugsfälle der vergangenen Jahre.
Flowtex
Über einen Zeitraum von über fünf Jahren kamen weder die Geldgeber noch die Wirtschaftsprüfer von KPMG auf die Idee, dass beim Rohrbauunternehmen Flowtex 2872 Horizontalbohrmaschinen fehlten. Die Betrugsmasche des badischen Unternehmens beruhte auf falschen Leasingverträgen für die nicht existenten Maschinen, über die sich Flowtex Millionenkredite sicherte.
Ein Schneeballsystem, das immer neuer Vertragsabschlüsse bedurfte, um die bestehenden Leasingraten zu bedienen. Im Jahr 2000 flog der Schwindel auf. Dass KPMG das System nicht selbst aufdeckte, sondern stattdessen Flowtex Jahr für Jahr eine saubere Bilanz attestierte, hatte seinen Preis: 100 Millionen Mark Schadensersatz zahlten die Wirtschaftsprüfer – wohl auch, um eigene Mandanten aus dem Gläubigerpool nicht zu verlieren.
Enron
Der bis dato größte Bilanzskandal der amerikanischen Wirtschaftsgeschichte, der einen Börsenwert von 78 Milliarden Dollar vernichtete, brachte 2001 gleich zwei Riesen zu Fall. Neben dem Energiekonzern selbst, der durch Manipulation und Bilanzfälschung in den Fokus der Börsenaufsicht geraten war, bedeutete der Fall Enron auch das Ende des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Arthur Andersen.