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Einflussreiche Wirtschaftsprüfer Der Wirecard-Skandal kratzt nicht nur am Image von EY: Auftragsvergabe der Bundesregierung in der Kritik

Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen steht wegen des Wirecard-Skandals im Fokus. Die Bundesregierung vertraut aber auf die Expertise von EY.
30.08.2020 - 09:24 Uhr Kommentieren
Der Wirecard-Skandal hat Spuren bei dem Unternehmen hinterlassen. Quelle: dpa
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY in Düsseldorf

Der Wirecard-Skandal hat Spuren bei dem Unternehmen hinterlassen.

(Foto: dpa)

Berlin Die KfW ist seit Jahren ein guter Kunde von Ernst & Young. Seit 2016 ist die staatliche Förderbank Mandantin der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Ob das auch in Zukunft so sein wird, ist allerdings offen.

Nachdem EY zehn Jahre lang beim Skandalunternehmen Wirecard die frisierten Bilanzen uneingeschränkt durchgewinkt hat, wächst der politische Druck, EY nicht mehr ganz so üppig mit staatlichen Aufträgen zu versehen.

Noch sei keine Entscheidung gefallen, heißt es in Regierungs- und Bankenkreisen. Der nächste Prüfauftrag der KfW-Bilanz werde wie üblich EU-weit ausgeschrieben. Dabei gelten klare Kriterien, nach denen die Auftragsvergabe erfolgen müsse.

Im KfW-Verwaltungsrat, in dem Vertreter aus Regierung, Bundestag, Verbänden und Gewerkschaften sitzen, soll jedoch nicht nur ein Mitglied Bauchschmerzen damit haben, sollte EY erneut den Zuschlag bekommen. Zumal die KfW Wirecard auch noch mit einem Kredit in Höhe von 100 Millionen Euro versorgt hat – und davon nur einen Bruchteil zurückbekommen haben dürfte.

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    Der Wirecard-Skandal könnte für EY über den Imageschaden hinaus noch wirtschaftliche Folgen haben. Schon die Telekom, an der der Bund beteiligt ist, erwägt wegen des Wirecard-Skandals, im kommenden Jahr EY nicht als Abschlussprüfer bei der Hauptversammlung vorzuschlagen. Die KfW könnte womöglich folgen. Und auch bei den Aufträgen aus den Ministerien könnte es EY in Zukunft womöglich schwerer haben.

    Wirtschaftsministerium beauftragt EY besonders häufig

    Staatliche Aufträge sind für die „Big Four“, die vier großen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, die den Markt dominieren, ein lukratives Geschäft. Auch EY mischt in diesem Beratungsgeschäft munter mit, wie eine Umfrage des Handelsblatts unter den Bundesministerien zeigt.

    Allen voran das Bundeswirtschaftsministerium vertraut auf die Expertise der EY-Berater. „Das Ministerium erhebt den Anspruch, sein Handeln auf wissenschaftliche Erkenntnisse und Daten auf aktuellem Stand der Forschung zu stützen. Hierfür kann auch eine Beauftragung Dritter erforderlich sein“, teilt das Haus von Minister Peter Altmaier (CDU) mit – und für erforderlich hält das Haus die Hilfe der EY-Berater häufiger.

    Besonders im Energiebereich leistet EY den Beamten seit einiger Zeit vollumfängliche Unterstützung. So wurde die Beratungsgesellschaft etwa damit beauftragt, von August 2019 bis Januar 2021 die Umsetzung der Empfehlungen der Regierungskommission „Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung“ zu begleiten. Auch hilft EY bei wissenschaftlichen Analysen zur Energiewende oder zur Steuerung von Energieanlagen.

    Bei dieser langjährigen Zusammenarbeit war EY natürlich auch in der Coronakrise ein gefragter Partner. Wie viel Schutzausrüstung wird gebraucht? Wie lässt sich der Rettungsfonds für Unternehmen am besten auf die Schiene setzen? Stets fragte Altmaiers Haus EY um Rat.

    Und auch bei Forschungsvorhaben, bei denen man zuerst nicht an EY denken würde, waren die Berater mit an Bord. Etwa bei der ökonomischen Bewertung verschiedener Vermögensteuerkonzepte im Jahr 2017.

    Auftragsvergabe ohne jede Ausschreibung

    Wie viel Geld EY für die Beratertätigkeit bekommen hat, teilt das Wirtschaftsministerium nicht mit. Eine Aussage „zu den Volumen der einzelnen Aufträge ist angesichts der Vertraulichkeit dieser Information nicht möglich“.

    Um Kleckerbeträge dürfte es sich jedenfalls nicht handeln, wie die Antworten des Bundesgesundheitsministeriums zeigen. So hat auch Minister Jens Spahn (CDU) in der Corona-Pandemie EY mit zwei Mandaten zur „kaufmännischen Unterstützung zur Beschaffung von persönlicher Schutzausrüstung, insbesondere Schutzmasken“, beauftragt.

    „Für die Unterstützungsleistungen im Rahmen der Betriebsführung“ seien insgesamt rund 9,5 Millionen Euro für EY vorgesehen, teilt das Ministerium mit. Das weitere aktuell laufende, aber größtenteils abgeschlossene Mandat umfasse ein Volumen von bisher rund 3,8 Millionen Euro.

    Da der Zeitdruck aufgrund der Corona-Pandemie hoch war, erfolgte die Auftragsvergabe ohne jede Ausschreibung. Das Mandat wurde direkt an EY vergeben, wie aus einer Antwort des Ministeriums auf eine Anfrage des Linken-Politikers Fabio De Masi hervorgeht.

    Das stößt auf Kritik. Große Aufträge ohne Ausschreibung mögen in der Coronakrise wegen der Defizite im nationalen Katastrophenschutz nachvollziehbar sein, sagt De Masi. „Die Bundesregierung sollte aber erläutern, weshalb auch zuvor Aufträge ohne Ausschreibung an EY vergeben wurden. Nicht erst seit dem Wirecard-Skandal stehen große Wirtschaftsprüfer wie EY aufgrund ihrer Marktmacht und Interessenkonflikten in der Kritik.“

    Auswahl an Beratungsgesellschaften überschaubar

    Neben Wirtschafts- und Gesundheitsministerium haben auch das Auswärtige Amt und das Bundesumweltministerium vor Kurzem Aufträge an EY vergeben. Einige Ministerien wollten sich auf Anfrage nicht äußern, bei anderen besteht derzeit keine Zusammenarbeit.

    Eine Übersicht zeigt aber, dass viele Ministerien in den vergangenen Jahren mit den „Big Four“ der Wirtschaftsberatungsgesellschaften zusammengearbeitet haben, darunter allen voran auch das Bundeskanzleramt oder das Auswärtige Amt.

    Zu den „großen vier“ zählen neben EY noch KPMG, Deloitte und PwC. Die Politik vertraut vor allem diesen vier großen Gesellschaften sowie großen Unternehmensberatungen wie McKinsey oder Boston Consulting. Denn vor allem diese großen Beratungen sind in der Lage, unter Zeitdruck der Politik schnell Expertise bei rechtlichen oder ökonomischen Fragen zu liefern, die die Ministerien allein nicht stemmen können.

    Die Politik ist also auf die externe Expertise angewiesen – und die Auswahl der dafür infrage kommenden Unternehmen überschaubar.

    Und: Das Beratungsgeschäft hat nichts mit dem der Bilanzprüfung zu tun. Für die Bilanzprüfung sind bei den Unternehmen jeweils unterschiedliche Teams zuständig.

    Dass EY künftig tatsächlich gegenüber den anderen dreien das Nachsehen haben könnte, ist deshalb nicht ausgemacht. „Auch frühere Skandale bei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften hatten nicht zur Folge, dass die Gesellschaft erst mal außen vor war“, sagt ein Insider, schränkt allerdings selbst ein: Wirecard übertreffe sicher auch alle bisher da gewesenen Skandale.

    Mehr: Zehn Jahre lang stempelte EY die Wirecard-Berichte ab. Jetzt bringen sich weltweit Schadensersatzkläger in Stellung. EY muss sich auch auf mögliche Ermittlungen einstellen.

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