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PharmaindustrieStada expandiert im Schatten der Großen – die Vision reicht bis 2030

Mit einer Serie von Allianzen und Zukäufen baut Stada sein Geschäft stetig aus. Bald soll der Umsatz erstmals die Drei-Milliarden-Marke übersteigen.Siegfried Hofmann 15.10.2020 - 11:12 Uhr Artikel anhören

Alles in allem hat der Konzern seit der Übernahme durch Bain und Cinven im Jahr 2017 gut 1,5 Milliarden Euro in den Erwerb von kleineren Firmen und Produktrechten sowie in mehr als vier Dutzend neue Partnerschaften investiert.

Foto: dpa

Frankfurt. Drei Jahre nach der mehrheitlichen Übernahme durch die Finanzinvestoren Bain und Cinven sieht sich der Pharmahersteller Stada auf einem langfristig angelegten Wachstumskurs, der auch durch die Corona-Pandemie nicht wesentlich gebremst werde: „Wir gehen davon aus, dass wir auch in den nächsten Jahren stärker wachsen können als der Markt und setzen dabei weiter auf die Strategie, unser Portfolio in den Bereichen Consumer Health, Generika und Spezialgenerika durch Allianzen, Zukäufe und Neuentwicklungen auszubauen“, beschreibt Firmenchef Peter Goldschmidt die Marschrichtung des viertgrößten deutschen Pharmakonzerns.

Die Vision reicht dabei bis 2030, wie Goldschmidt andeutet. Sie basiert auch auf der Bereitschaft des Konzerns und seiner neuen Eigner, weiter kräftig zu investieren.

Den jüngsten Expansionsschritt auf diesem Kurs vollzog das Bad Vilbeler Unternehmen vor wenigen Tagen mit dem Erwerb der Rechte an einem neuen Parkinson-Medikament von der schwedischen Firma Lobsor Pharmaceuticals und einer Partnerschaft mit dem kanadischen Unternehmen Medipharma Labs für den Vertrieb von medizinischem Cannabis. Vor allem der Deal mit Lobsor, zeigt sich Goldschmidt überzeugt, werde Stada im Bereich der Marken-Spezialarzneimittel signifikant stärken.

Ein weiterer interessanter Expansionsschritt steht im kommenden Jahr in den USA an. Stada ist dort bisher nicht vertreten, will nun aber in Kooperation mit Partnern nach und nach ein eigenes Consumer-Healthcare-Geschäft aufbauen. „Wir planen die ersten Produkteinführungen auf dem US-Markt für Anfang 2021 und wollen anschließend das Produktportfolio sukzessive ausbauen“, kündigt Goldschmidt an.

Alles in allem hat der Konzern seit der Übernahme durch Bain und Cinven im Jahr 2017 gut 1,5 Milliarden Euro in den Erwerb von kleineren Firmen und Produktrechten sowie in mehr als vier Dutzend neue Partnerschaften investiert. Zu den größten Einzeltransaktionen zählte der Erwerb des Geschäfts von Takeda mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten (Consumer Health) in Russland für rund 550 Millionen Euro und der Kauf von 15 Consumer-Health-Marken des britischen Pharmariesen Glaxo-Smithkline (GSK) in verschiedenen westeuropäischen Ländern.

Hinzu kommen zahlreiche kleinere Deals wie etwa der Kauf der tschechischen Firma Walmark, der ukrainischen Biopharma und Allianzen wie die mit der isländischen Firma Alvotech im Bereich Biosimilars.

Kräftiges Umsatzplus im ersten Halbjahr

Der Expansionskurs spiegelt sich in den Geschäftszahlen inzwischen deutlich wider: Seit 2016 steigerte der Konzern seinen Umsatz um ein Fünftel auf 2,6 Milliarden Euro und die bereinigte operative Marge um fast fünf Punkte von 13,8 Prozent auf 18,7 Prozent. Die Belegschaft wuchs im gleichen Zuge um rund ein Fünftel auf inzwischen 12.450 Mitarbeiter. Knapp 1300 Beschäftigte sind in Deutschland tätig, das sind rund 18 Prozent mehr als vor drei Jahren.

Für das erste Halbjahr 2020 wies Stada einen Umsatzanstieg um 16 Prozent auf 1,46 Milliarden Euro und eine ebenso starke Verbesserung des bereinigten operativen Gewinns (Ebit) auf 267 Millionen Euro aus. Klammert man Akquisitions- und Währungseffekte aus, errechnet sich nach Angaben des Unternehmens ein organisches Wachstum von rund neun Prozent.

Der Konzern sieht sich von der Corona-Pandemie zwar in einigen Geschäftsfeldern ebenfalls gebremst, hat sich insgesamt jedoch offenbar deutlich besser geschlagen als die Branche. Denn die Big-Pharma-Konzerne wiesen für das erste Halbjahr Umsatzsteigerungen von durchschnittlich weniger als zwei Prozent aus. Das globale Marktwachstum wird von Marktforschern für das Gesamtjahr 2020 bei etwa drei Prozent im Pharmabereich und vier Prozent bei rezeptfreien Gesundheitsprodukten erwartet. In Europa, dem Hauptmarkt von Stada, dürfte das Wachstum noch geringer ausfallen.

Was seine spezifischen Geschäftsfelder betrifft, agiert der Bad Vilbeler Konzern in einem Umfeld, das in den letzten Jahren von strategischen Verwerfungen bei etlichen großen Konkurrenten geprägt war. Sie wurden unter anderem von einem massiven Preis- und Margenverfall im US-Geschäft getroffen.

„Wir wollen uns als bevorzugter Partner für Unternehmen im Bereich Standard-Generika, Spezial-Generika und Consumer Healthcare positionieren.“

Foto: Stada Arzneimittel

Branchenführer Teva etwa manövrierte sich in diesem Umfeld mit der überteuerten Akquisition der Actavis-Generikasparte in eine Krise und steht aufgrund einer sehr hohen Verschuldung weiter unter Druck. Bei Novartis regen sich Spekulationen, dass die Generikasparte verkauft oder abgespalten werden könnte, nachdem man in den vergangenen beiden Jahren bereits versucht hatte, große Teile des US-Geschäfts zu verkaufen.

Der Branchendritte Mylan steht vor der Fusion mit der Pfizer-Tochter Upjohn, die das Geschäft des US-Konzerns mit patentfreien Medikamenten umfasst. Im Consumer-Healthcare-Bereich sind Großkonzerne unterdessen dabei, sich noch stärker auf globale Marken zu konzentrieren, ihre Produktpaletten zu bereinigen oder komplett zu verkaufen.

Expansionskurs hat Spuren in der Bilanz hinterlassen

Es ist aus der Sicht Goldschmidts ein geradezu idealer Trend für einen mittelgroßen Akteur wie Stada, der auch bereit ist, regionale Marken zu führen, und sich als Anlaufstelle für Firmen versteht, die Käufer oder Partner für einzelne Produkte suchen. „Wir wollen uns als bevorzugter Partner für Unternehmen im Bereich Standard-Generika, Spezial-Generika und Consumer Healthcare positionieren“, lautet die strategische Devise.

Zweitgrößter Absatzmarkt des Konzerns nach Deutschland ist inzwischen Russland mit einem erwarteten Umsatz von knapp 400 Millionen Euro oder gut 13 Prozent Anteil am Konzernumsatz im laufenden Jahr. Starke Marktpositionen hält Stada ferner in Ländern wie Italien, Großbritannien, Belgien und Serbien. Das Deutschlandgeschäft liefert nur noch ein Fünftel der Erlöse. Stada hat sich damit aus der Sicht des Firmenchefs zu einem internationalen Pharmahersteller gewandelt.

Der Expansionskurs hat dabei durchaus Spuren in der Bilanz hinterlassen. Denn die Zukäufe wurden durchweg aus dem eigenen Cashflow oder über Bankkredite finanziert. Die Nettoverschuldung des Stada-Konzerns hat sich daher im Zuge der Einkaufstour von gut einer Milliarde auf knapp 2,5 Milliarden Euro zur Jahresmitte 2020 verdoppelt. Das entspricht knapp dem vierfachen Betriebsgewinn vor Abschreibungen (Ebitda) und damit einer eher hohen Verschuldungsquote im Pharmasektor.

Angesichts der guten Umsatz- und Ertragsentwicklung sieht der Stada-Chef dennoch weiteren finanziellen Spielraum für die Expansion. Man schaue sich viele Dinge an und schließe auch weitere Deals nicht aus. Vor allen Dingen aber strebe man an, bestehende Partnerschaften in Produktion und Produktentwicklung zu intensivieren und zusätzliche Allianzen zu vereinbaren.

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Die Übernahme des Konzerns durch Bain und Cinven im Jahr 2017 repräsentiert einen der bisher größten Private-Equity-Deals im Pharmabereich. Die beiden Finanzinvestoren haben für den Erwerb der Stada-Aktien bisher etwa 4,5 Milliarden Euro investiert und halten über ihre gemeinsame Holding Nidda Healthcare inzwischen 97,8 Prozent der Anteile. Weitere rund 143 Millionen Euro wird sie der Kauf der restlichen Aktien im Rahmen des bereits beschlossenen Squeeze-outs kosten.

Die dafür festgelegte Barabfindung von 98,51 Euro wurde vom Wertgutachter Value Trust aus einer Geschäftsplanung von Stada abgeleitet, die bis 2022 einen Umsatzanstieg auf 3,13 Milliarden Euro und eine Steigerung des Ebit auf 585 Millionen Euro vorsieht. Gemessen an diesem Abfindungskurs wird Stada aktuell mit gut sechs Milliarden Euro bewertet.

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