Kommentar: Wasserstoff ist keine Alternative für die Mobilitätswende
Technologieoffenheit bei alternativen Antrieben ist der falsche Ansatz. Vollelektrische Batterieautos sind der einzig sinnvolle Weg.
Foto: dpaAlles, was neu ist, löst häufig Widerstand aus. Lieber am Bewährten und Bekannten festhalten, das verursacht weder Stress noch Ärger. Das gilt auch für die Dinge des Alltags, etwa das Autofahren. Benzin oder Diesel an der Tankstelle zu tanken, hat sich über Jahrzehnte durchgesetzt und gilt als einfach und unkompliziert. Da erscheint der Umgang mit einem Elektroautos schon deutlich schwieriger. Wer mit seinem neuen umweltfreundlichen E-Modell an einer gewöhnlichen Ladesäule steht und nicht an einer Schnellladestation, der kann gleich einmal das Doppelte an Zeit einplanen.
An eine völlige Rückkehr in das Benzin- oder Dieselzeitalter ist trotzdem nicht zu denken. Die Autos der Zukunft müssen deutlich umweltfreundlicher werden und vor allem weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre pusten, darüber herrscht Einigkeit. Irgendwann in den nächsten 15 bis 20 Jahren wird das letzte Auto mit Verbrennungsmotor in Europa produziert, daran gibt es kaum noch Zweifel. Doch über den genauen Weg dorthin herrscht heute Uneinigkeit. Batterie oder Brennstoffzelle? Das wird zur entscheidenden Frage. Die Antwort sollte aus ökonomischen und klimapolitischen Gründen klar sein: Das Elektromobil hat die Nase deutlich vorn.
Wasserstoffträume
So mancher träumt davon, mit einem wasserstoffgetrieben Brennstoffzellenauto durch die Gegend zu fahren. Dass Laden entfällt, getankt wird fast so schnell wie mit einem Benziner oder Diesel. Einzelne Autohersteller forcieren die Brennstoffzelle. Als besonderer Befürworter gilt der japanische Toyota-Konzern, der in seiner Heimat schon die Wasserstoff-Gesellschaft propagiert.
In Europa sieht das anders aus. Der Volkswagen-Konzern schreitet bei der Elektromobilität voran. Die Premiumtochter Audi darf zwar ein wenig an der Brennstoffzelle arbeiten, und Porsche bereitet ein kleineres Programm für den Einsatz synthetischer Kraftstoffe vor. Doch im Kern geht es im Volkswagen-Konzern darum, die Verbrennerflotte im nächsten Jahrzehnt auf Batterieautos umzustellen.
Das Laden mag zwar im Moment mitunter noch etwas umständlich sein. Aber der technische Fortschritt wird auch auf diesem Feld wirken: Bessere Batterien versprechen auf absehbare Zeit größere Reichweiten und kürzere Ladezeiten. Gegen wasserstoff-getriebene Autos spricht zudem ein anderes Argument: Gerade einmal 80 Tankstellen stehen in Deutschland bereit, das ist alles andere als komfortabel.
Energieeffizienz und Wirkungsgrad sprechen für das Elektromobil
Es gibt allerdings noch ein viel gewichtigeres Argument für das batteriegetriebene Elektroauto. Energieeffizienz und Wirkungsgrad sind größer als bei allen anderen Antriebsarten, die vermeintlich so umweltfreundliche Brennstoffzelle eingeschlossen. Bei einem Batterieauto kommen etwa 70 Prozent der anfänglich eingesetzten Energie am Ende tatsächlich auf der Straße an. Bei der Brennstoffzelle hingegen geht der Wirkungsgrad in Richtung 20 Prozent.
In Deutschland ist während der vergangenen Monate häufig von der Technologieoffenheit beim Einsatz umweltgerechter Antriebsarten gesprochen worden. Batterieautos, Brennstoffzelle und synthetische Kraftstoffe sollten gleichrangig behandelt werden. Doch dieser Ansatz ist ein völliger Irrweg. Denn nur die Batterieautos garantieren, dass am Ende ein vernünftiges Ergebnis für Klima und Umwelt herauskommt.
Der entscheidende Grund für den schlechten Wirkungsgrad etwa beim Wasserstoff: Dieser vermeintlich so saubere Energieträger muss mit großem Aufwand erst hergestellt werden, da es in der Natur keine frei verfügbaren Vorkommen gibt. Es ist stattdessen viel sinnvoller, den für die Wasserstoff-Produktion benötigten Strom auf direktem Weg in ein Auto zu leiten und in Bewegungsenergie umzusetzen – und das geht eben nur mit dem Batterieauto.
Der Aufbau paralleler Tank- und Ladenetze ist unsinnig
Gerade Volkswagen ist in den vergangenen Monaten Einseitigkeit vorgehalten worden, weil der Konzern zu sehr auf Elektromobilität setze und andere Antriebsarten ausgeblendet habe. Doch dieser Vorwurf ist völlig fehl am Platze. Das Batterieauto ist die richtige Antwort, um die Kohlendioxid-Belastung der Atmosphäre möglichst schnell zu reduzieren.
Zudem stößt auch ein reiches Land wie Deutschland an seine finanziellen Grenzen, wenn zeitgleich mehrere neue Tank- und Ladenetze parallel aufgebaut werden müssen. Bei der Ladeinfrastruktur ist Deutschland schon wesentlich weiter als beim Wasserstoff. Deshalb sollte der weitere Ausbau beim Laden ansetzen.
Das hat auch der Toyota-Konzern erkannt. Anfänglich hatten die Japaner überwiegend auf das Brennstoffzellenauto gesetzt. Doch dem Toyota-Management ist inzwischen bewusst geworden, dass das batteriegetriebene Auto im nächsten Jahrzehnt eine zentrale Bedeutung bekommen wird. Hierzulande sind Wasserstoff-Pkw für Toyota nur ein Nischenprodukt, mit dem die Japaner zeigen wollen, wozu sie technologisch in der Lage sind.
Wenn also ein bislang sehr stark auf den Wasserstoff-Antrieb ausgerichtetes Unternehmen wie Toyota verstärkt auf batteriegetriebene Fahrzeuge setzt, dann kann der europäische Weg so falsch nicht sein. Dem Batterieauto gehört jedenfalls die Zukunft.